Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Anliegen und Wirtschaft klug verbinden

Erstellt von gemeinschaft am Mittwoch 13. Mai 2009

Es ist keine bahnbrechende Neuigkeit, aber da es mir gelegentlich aus dem Blick zu wandern scheint, erinnere ich gern einmal daran:

Jedes Unternehmen hat einen Gegenstand seiner Tätigkeit, der zu irgendeinem Zeitpunkt sinnvoll für zahlbereite Kunden gewesen ist. Im Laufe des so genannten Tagesgeschäfts verliert sich der ursprüngliche Zweck gelegentlich und übrig bleiben ungeliebte Akquise (siehe Rezension “Hervorragend positioniert“), Papierkrieg, Mahnwesen und andere unerfreuliche Begleiterscheinungen des tollen Geschäftes, welches Sie ursprünglich mit Elan betreiben wollten. Kommt Ihnen das wenigstens ein wenig bekannt vor?

Dann gehen Sie mal einen Schritt zurück und denken mal wieder in Ruhe – allein oder in einem dafür geeigneten personellen Rahmen – darüber nach, was Sie eigentlich wirklich wollen, warum das Kunden begeistern kann und wie Sie das vielleicht wieder stärker in den Vordergrund stellen können und was wirklich kommuniziert werden sollte. Hören Sie dabei weniger auf das Gerede über “Marke international positionieren” oder beraterdeutsche Worthülsen und Modeworte sondern fragen sich, wie Ihr Kunde in drei Sätzen einem Interessenten klar machen kann, warum genau Ihr Angebot das ist, was die Welt braucht. Klingt banal? Ist es aber nicht.

Wie bin ich darauf gestoßen? Gestern präsentierte Christian Füller in der Heinrich-Böll-Stiftung sein zweites Buch mit dem Titel Die gute Schule. Er hat ganz offensichtlich ein politisches / inhaltliches Anliegen und schafft es, sich vor Ort so in Szene setzen zu lassen, dass seine Botschaft potentielle Multiplikatoren erreicht und vermutlich auch den Verkauf des bei Droemer-Knaur verlegten Buches zu unterstützen. Wie schafft er das? Mit der Besetzung des Podiums mit Menschen, die jeweils eine bestimmte Klientel anlocken. Im konkreten Fall waren das:

  • Heike Kahl, Geschäftsführerin Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in der Rolle der Moderatorin
  • Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grüne in der Rolle des Politikers und erfolgreichen Migranten
  • Wolfgang Edelstein, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in der Rolle des kritischen Wissenschaftlers

Auch wenn alle Beteiligten ausreichend starke Persönlichkeiten sind, sich nicht zu stark vereinnahmen zu lassen, bietet eine solche Konstellation den Anlass für beispielhafte Fragen an das eigene Handeln:

  • Wer im Umfeld Ihres Unternehmens könnte durch eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Angebot derart “abstrahlen”, dass die Investition in Veranstaltungen sich auch rechnet? Kunden? Lieferanten? Mitarbeiter? Anwohner?
  • Lassen sich starke im Trend liegenden Anliegen finden, an die man sich glaubhaft anlehnen oder anhängen kann? Umwelt? Kinder? Sport? Kunst? Bürgerliches Engagement?

Der Berateranteil in mir muss sich zähmen, damit es hier textlich nicht weiter in die womöglich inhaltlich verwässernde Länge oder Breite geht. Also lasse ich Sie mit den mutwillig aufgeworfenen Fragen in Ruhe nachdenken. Ihre Anmerkungen, weiterführende Gedanken, Lob und Kritik können Sie wie immer per Kommentar hinterlassen. Es wäre doch schade, wenn Ihre Ideen verloren gingen und andere Leser nichts davon erführen.

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