Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Arminius Markthalle Moabit

Erstellt von knutpankrath am Mittwoch 19. Mai 2010

Jahreszeitenzyklus

Nachdem ich in Spandau aufgewachsen bin und auch schon in Charlottenburg und Friedenau gewohnt habe, bin ich inzwischen Bewohner der großen Berliner Insel namens Moabit, auf der bereits mein Großvater eine Praxis als Zahnarzt betrieben hat.  Wie viele andere Bewohner und Freunde der Insel habe ich über Jahre mit einer seltsamen Mischung von Gefühlen auf die Arminius Makthalle geschaut: Anwohnerstolz für die baulich schöne Halle einerseits und die traurige Beobachtung ihres langsamen Sterbens von innen andererseits. Es wirkte zeitweise durchaus so, als würde sich dort bei sturer Verfolgung einer Abwärtsspirale ewiger Winter durchsetzen.

Vorfrühling

Das scheint ein Ende zu finden im Sinne einer Revitalisierung durch den Investor Zunft AG, der mir folgendes mitzubringen scheint: ein Konzept zur sanften und nachhaltigen Wiedererweckung sowie Geschäftspartner, die das gemeinsam mit bleibenden und dazu kommenden Standbetreibern auch umsetzen können. Ich erlaube mir dieses positive Urteil, weil ich die handlungsfähigen und -willigen Damen und Herren z.T. bereits persönlich kennenlernen durfte.

vitales Bild

Heute Morgen habe ich auf dem Weg vom Kinderladen meiner Tochter nach Hause einen Umweg über die Markthalle gemacht. Ich gestehe an dieser Stelle, dass ich gelegentlich bar gängiger und sinnvoller Ernährungsempfehlungen ganz dringend eine Mohnschnecke von Thoben brauche, die mich seit Ewigkeiten begleiten. Die Schnecke verzehrend wurde ich im Hauptgang vom den Fischstand betreibenden Herrn Dogan freundlich gegrüßt, obwohl ich nicht mal Stammkunde dort bin. Wenig später sah ich einen Händler mit einem halben Käserad, das er offensichtlich mangels beschränkter eigener Wiegevorrichtung beim Geflügelhändler kurz gewogen haben wollte. Das in kg ausgedrückte Ergebnis war übrigen 10,2.  Schon hatten Kunden und Umstehende eine nette Begebenheit erlebt, die das eine oder andere Lächeln lockte, das einen schönen Kontrast zum trüben Wetter bot.

meine 5 cent

Das spielte sich alles in 10 Minuten oder weniger ab. Will sagen: Eine Markthalle mit engagierten Händlern ist ein Ort echten Erlebens. Da braucht es nicht das Gehupe vom Eventshopping 48 Stunden am Tag bei täglich halbierten Preisen der großen immer gleichen Einkaufscenter, wo die Ware sich von der Nordsee bis zu den Alpen trotz eigentlich vorhandener regionaler Produktvielfalt kaum unterscheidet. Und warum erzähle ich das?

  • Es macht mir Spaß, solche Geschichten zu erzählen.
  • Ich vermute stark, dass es bald einiges mehr an solchen kleinen Geschichten zu erzählen gibt.
  • Ein weiterer Grund hat mit Hoffnungen und Wünschen zu tun, die ich später hier zum Besten geben werde…

Andere Arbeit ruft auch. Ich werde dem Ruf mal nachgehen…

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