Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Auf der Serviette erklärt

Erstellt von knutpankrath am Sonntag 26. September 2010

Rezension?

Ich hatte vor einiger Zeit den Buchblitz zu Auf der Serviette erklärt von Dan Roam verfasst. Meine vollmundige Erklärung, dass man sich auf meine Fundstücke aus dem Buch freuen könne, muss ich relativieren.

Das liegt ausschließlich an mir und nicht der wirklich herausragenden Qualität des Werkes. Die Frage systematisch erstellbarer grafischer Ausdrucksformen zur Präsentation komplexer Zusammenhänge ist eine zentrale Angelegenheit, wenn man Geschichten erzählt. Insbesondere wenn man sich vor der Herausforderung sieht, als zu einem Thema Wissender für ein Publikum zu schreiben, das in seiner Vorkenntnis und Bildung recht heterogen sein kann.

Anders ausgedrückt bin ich zu sehr mit vor Staunen offenem Mund beglückt durch das Buch gepilgert als dass ich hier mit journalistisch angezeigtem Abstand rezensieren könnte.

abstrakte Kochrezepte

Ich versuche mal, Ihnen das Buch auf der Metaebene näher zu bringen. Dan Roam will sich nicht zum Zeichenlehrer für Sie machen. Vielmehr geht es um das Denken in Kategorien, aus deren Finden und Kombinieren sich Erfordernisse für zu verwendende Bilder und Symbole ergeben. Ich versuche es mal mit einem Beispiel: Wenn Sie z.B. zum 4.10. zu einem Treffen viele Menschen einladen wollten, die sich mit der Zukunft des Turmstraßenfestes beschäftigen wollen, hätten Sie dort zwingenderweise folgende Kategorien:

  • Zeit
  • Ort
  • Thema
  • Einlader und Gäste

Das könnte man auch kürzer mit wann, wo, was und wer bezeichnen. Und der Witz des Buches besteht u.a. darin, dass es vielmehr als diese 4 “w” gar nicht gibt, um Informationen so aufzubereiten, dass sie erklärbar im Sinne von grafischen Elementen plus Schrift auf begrenzter Fläche werden.

Teilwertung

Der Grundgedanke beschränkter Fläche ist so stark, dass Dan Roam auf dem Fundament aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse ein Gedankengebäude entwirft, das ob seiner Einfachheit die Hoffnung weckt, der Aufgabenstellung komplexer Inhaltsvermittlung besser Herr zu werden. Vielleicht gilt das nur für mich und eine Minderheit, obwohl ich an die Massentauglichkeit durchaus glaube. Aber ich habe mich und andere über viele Jahre beobachtet und es kann kein Zufall sein, dass es oft zu einem bestimmten Ansatz kommt. Eine Hand voll Kästchen werden mit Begriffen versehen und ein paar Pfeile als Platzhalter für Beziehungen der Kästchen dazu gemalt und plötzlich verstehen Menschen die z.T. komplexen Ideen Dritter. Irgendwo in diesem Spannungsfeld von einleuchtender Alltagserfahrung und wissenschaftlicher Fundierung hat Dan Roam in meinen Augen ein Monument gesetzt, mit dem zu beschäftigen sich lohnt.

Hilfsaufruf

Ich vermute ohne echte eigene Recherche, dass es zu diesem Buch mehr als nur eine lesenswerte Rezension an anderer Stelle gibt. Sollten Sie eine kennen, lassen Sie es meine Leser bitte gern per Kommentar wissen. Das würde die Qualität meines Versuchs bestimmt erhöhen.

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