Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Auftragsfähigkeit

Erstellt von knutpankrath am Freitag 11. Juni 2010

Was ist Auftragsfähigkeit?

Unter Auftragsfähigkeit verstehe ich grob, dass ein Interessent für meine Produkte oder Dienstleistungen aus eigener Kraft präzise Fragen zu seinem Bedarf beantworten kann. Das ist im privaten meist recht einfach. “Wie viele Brötchen – mit oder ohne Körner – wünschen Sie?” heißt es z.B. beim Bäcker. Bei Dienstleistungen für Firmen ist das oft komplizierter.

Der anonymisierte Fall

Eine lokal agierende Organisation, die keine Profite erwirtschaften will und sich im weiteren Sinne sozialen Aufgaben verschrieben hat, bemerkt an der eigenen Webseite einen gängigen Mangel. a) Die Seite ist nicht mehr in allen inhaltlichen Punkten aktuell. b) Die bei der Erstellung der Seite verwendete Technik ist nicht unbedingt darauf ausgerichtet, dass ein Mensch ohne Technikkenntnisse schnell mal etwas ändern könnte, so dass derzeit eine Abhängigkeit von einem Technikkenner besteht. Es besteht Kontakt mit mir und “eigentlich” gibt es eine personelle Zuständigkeit für den nächsten Schritt sowie das Bedürfnis nach schnellen Ergebnissen. Allein hier herrscht für alle unbeglückender Stillstand.

Aufgaben und ihre Akteure

Was der Auftraggeber in spe eigentlich zu tun hätte:

  • Es wären alle zu löschenden Inhalte aufzulisten.
  • Es wären alle neuen Inhalte aufzulisten.
  • Es wäre zu schauen, ob das alte System weiter geführt werden soll oder ein flexibleres zum Einsatz kommen soll. Dazu gehört ggf. die Prüfung, ob der vorhandene Webspace technisch ausreichend für eine Lösung ausgerüstet ist, die eine Pflege der Seite durch eigenes Personal ermöglicht.
  • Es wären möglichst präzise Designvorgaben zu formulieren, damit die Arbeit ab Auftragsvergabe hintereinander erledigt werden kann.
  • Es wäre die Frage nach dem vorhandenen Budget zu klären, weil das auch Einfluss auf die Wahl der technischen Mittel und Methoden haben kann.

Was ich als der Auftragnehmer in spe zu tun habe:

  • Nachdem der Auftraggeber absprachegemäß den nächsten Schritt machen wollte, dies aber seit gefühlt längerer Zeit so nicht tut, geht es darum, wie der Prozess ohne Verstimmung wieder in Gang gebracht werden könnte.
  • Möglicherweise muss ich noch klarer machen, dass ich zwar die Anforderungsaufnahme des in solchen Dingen wenig geübten Partners übernehmen kann, aber dies Teil einer Leistung und keine Gratiszugabe ist.

Wie machen Sie das?

Kennen Sie ähnliche Situationen? Wie gehen Sie damit um, wenn aus dem weiteren Bekanntenkreis Anfragen eingehen, bei denen Sie nicht nach eigentlich bewährtem harten Schema abfragen, wie es bei anderen Kunden passiert? Dann wäre es nämlich theoretisch ganz einfach so:

  1. Welche Person entscheidet bis wann über den Umfang der angefragten Leistung? (Reparatur contra neue Technik)
  2. Wie hoch ist das einmalige oder laufende Budget?
  3. Wer liefert tatsächlich welche Informationen bis wann?
  4. Wann sollen die Arbeiten beginnen und wann soll es fertig sein?
  5. Welche Person liefert technische Daten wie z.B. Informationen über die Ausstattung des bisher genutzten Webspace oder Zugriffsdaten auf diesen?

Meine 5 Cent

Ich werde nach Veröffentlichung dieses Beitrages die mir vertrauteste Person der Organisation besuchen und schauen, wie die Reaktion ist. Ich bin gespannt.

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2 Kommentare zu “Auftragsfähigkeit”

  1. vilmoskoerte sagt:

    Das ist doch (zumindest in der Softwarebranche) fast immer so: der potentielle Auftraggeber ist unzufrieden mit dem, was er hat, er möchte etwas anderes, weiß aber nicht genau, wie es anders sein soll und weiß auch nicht, wieviel Geld er dafür auszugeben bereit ist. Am liebsten ist ihm, wenn der Auftragnehmer ihm im Rahmen eines Angebots die Anforderungsdefinition erarbeitet – das natürlich kostenfrei.

  2. admin sagt:

    Das Drama kenne ich auch noch aus meiner Angestelltenzeit. Andererseits durfte ich auch schon bei einem größeren Projekt als Anforderungsmanager monatelang zwischen Berlin und Wolfsburg pendeln, wo die Arbeit um die Anforderungen recht ordentlich bezahlt wurde, auch wenn es vermutlich nie zum dazu gehörigen Projekt gekommen ist. Die Welt neigt phasenweise zu einem seltsamen Humor…