Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Becher oder Schale?

Erstellt von knutpankrath am Montag 31. Januar 2011

Dienstags kann der ausreichend neugierige Besucher der Arminius Markthalle (Zunfthalle) der Keramikerin Ruth Schulz wahlweise auf die geschickten Hände schauen oder selbst versuchen, aus einem unscheinbaren Erdklumpen einen schönen und nützlichen Gegenstand zu erschaffen.

Selbstversuch und Erkenntnisse

Ich gehe mit dem Manko durch die Welt, eine rein akademische Ausbildung mal mehr mal weniger genossen zu haben. Meine bisher erworbenen handwerklichen Künste sind nur bedingt geeignet, für Furore zu sorgen. Vor diesem Hintergrund habe ich es hinbekommen, dass ich freundlicherweise in der Werkstatt von Ruth Schulz – sprich ohne Publikum – probieren kann, etwas mit meinen Händen zu erschaffen.

Ich habe festgestellt, dass der gesamte Weg von der Auswahl des geeigneten Rohstoffs bis zum 2. Brand eine Kette denkbarer Fehlerquellen ist, die ohne vernünftige Anleitung Anfänger entmutigen können. Ich gebe mal ein paar Beispiele:

  • Verschiedene Tonsorten haben verschiedene Eigenschaften, die z.B. für besonders filigrane oder besonders große Werkstücke geeignet sind. Ich habe mehr als einmal die Wände der Rohlinge gemessen an den Eigenschaften des Materials zu dünn oder zu dick gemacht. Das führt zu unterschiedlichen Rohlingsruinen.
  • Das Material muss vor dem Aufbringen auf die Töpferscheibe eine Konsistenz haben, die durch verschiedene aufwändig erscheinende Handgriffe erzeugt werden muss. Fehler dabei haben mir die Möglichkeit genommen, eigentlich mit dem Material mögliche Dinge hinzubekommen.
  • Geduld hilft bei der Keramikarbeit. Dass ich diese nicht immer aufbringe, sorgte auch für den einen oder anderen verbeulten Rohling, der zum Glück wieder an der Anfang in den Produktionsprozess eingebracht werden kann. Es geht also nicht gleich etwas verloren, auch wenn das angestrebte Ziel nicht gleich erreicht wird.
  • Die mir gezeigte Methode der Trennung eines Rohlings von der Töpferscheibe mit einem Schneidedraht birgt die Gefahr, den Fuß des Gefäßes so zu schneiden, dass der Boden zu dünn wird. Ärgerlicher Moment, wenn man die gewünschte Form EIGENTLICH schon erreicht hat und es dann nicht hinhaut.
  • Brände und Glasuren. Ton (und andere von mir noch nicht ausprobierte Werkstoffe) muss je nach erwünschtem Ergebnis unterschiedlich aber nach meinem Kenntnisstand mindestens 2 Mal Im Brennofen gebrannt werden. Verschiedene Materialien benötigen unterschiedliche Brenntemperaturen und womöglich auch -dauern sowie lange Zeit zum Abkühlen. Hier stecken mannigfaltige Chancen, Stücke zu zerstören…

Merken Sie was? In jeder meiner benannte Misserfolge als Keramikausprobierer steckt die Anerkennung für Profis, die das alles im Griff haben bzw. sich nicht entmutigen lassen, wenn sie etwas selbst Ausgedachtes oder eine Auftragsarbeit umsetzen wollen. Ich habe ein deutliches Gespür dafür bekommen, warum handgefertigte Keramik seinen Preis haben sollte.

Hinweis für gestresste Menschen: Ja, die Arbeit mit Ton und an der Töpferscheibe hat durchaus entspannende und vielleicht sogar meditative Momente.

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Natürlich sind Sie herzlich eingeladen, den Vortöpfer-Dienstag in der Halle zu besuchen. Oder schauen Sie doch mal in die Keramikabteilung. Oder lernen Sie töpfern bei Ruth Schulz. Also ich habe das Gefühl, irgendwann schaffe ich ein Stück, das ich gern Dritten zeige!

Warum Becher oder Schale?

Die Auflösung des Rätsels der Überschrift schulde ich Ihnen noch: Es kann für den Beginn hilfreich sein, dass man mal schaut, was denn die eigenen Hände und das Material vorhaben und erst zum Schluss schaut, was es geworden ist. Nimmt man sich einen Becher vor und es wird doch eine Schale, mag das nicht jeden begeistern, wenn Sie meine zaghafte Andeutung verstehen…

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