Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Betonung und Stimmung

Erstellt von knutpankrath am Samstag 10. Mai 2014

Mir stieß ein Tweet des Tagesspiegel auf, der ein gewisses Unbehagen bei mir erzeugt hat. Ich kam nicht sofort drauf, warum das so war. Wenn Sie mal schauen möchten:

tsp-tweet

erst Emo, dann Fakten?

Dann habe ich mir die Frage gestellt, ob die Betonung von Details im Sinne einer Zeitung, in der immerhin bezahlte Redakteure arbeiten, bestmöglich gewählt sind. Meiner Einschätzung nach nicht. Also gar nicht.

Die eigentliche Nachricht ist für mein Verständnis eine Verurteilung als Ergebnis eines rechtsstaatlichen Verfahrens. Diese Fakten bekommen ein Wort, nämlich Haftstrafen. Das im Vergleich zu einem drögen Verfahren im Gericht reisserische Delikt erhält 3 Wörter, nämlich Folter und stundenlang gequält. Der für die Nachricht der Verurteilung mäßig relevante Ort der Tat ist ebenfalls mit 3 Wörtern dabei: Wohnung in Wedding. Das Opfer der Tat kommt als 22-jähriger vor.

Als Blogger und Marketer kenne ich den Trieb, auch aus kleinen Anlässen eine mittelgroße Welle zu erzeugen. Das ist ein Spiel, das in social media durchaus seinen Charme besitzt. Ob das Traditionsblatt Tagesspiegel nicht auch auf twitter eine andere Pflicht zu Sorgfalt und Fakten denn zur Emotionalisierung als der gedruckte Boulevard hat, darf natürlich jeder selbst entscheiden. Ich fand die Tonalität des tweets für meine ehemalige Zeitung eher unterdurchschnittlich im Sinne von Qualitätsjournalismus.

Der Artikel im Tagesspiegel (online) von Kerstin Gehrke nimmt für meinen Geschmack den Prozess und die Verurteilung zu sehr als Anlass, die emotionalen Seiten und dabei umfänglich die gruselige Tat zu schildern. Ist das der aktuelle Standard für Nachrichten aus der Justiz?

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