Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Biologie des Auftrags, der Auftrag

Erstellt von knutpankrath am Mittwoch 20. Oktober 2010

Zeugung

Je nach Temperament von Auftraggeber und Auftragnehmer werden verschieden ausgefeilte Balzrituale absolviert. Weniger romantische Varianten werden als Kaltakquise, Akquise oder Hardselling bezeichnet. Diese kommen bei Menschen der Jetztzeit zum Glück zunehmend aus der Mode. Modernere Methoden gibt es unter verschiedensten Namen, die oft durch seltsame Abkürzungen oder englische oder sprachgemischten Wortsalat dazu einladen, sich im Rahmen seiner sportlichen Möglichkeiten zu wundern. Unabhängig von der Methode des näheren Kennenlernens von Auftraggeber und Auftragnehmer führen diese Beziehungen in erfolgreichen Fällen zur Zeugung eines noch nicht vollständig ausgebildeten Auftrags.

Schwangerschaft

Der Auftrag reift unterschiedlich lange an bislang noch nicht vollständig erforschtem Ort heran. Beteiligt sind häufig technische Spezialisten, die mittels Anforderungsmanagement, Pflichtenheft und anderen Methoden für Klarheit sorgen sollen und das Wachstum zu einem properen Auftrag begleiten. Parallel zur technischen Seite findet oft auch ein teilweise stark ritualisiertes Ringen von Kaufleuten statt. Da wird je nach Kooperationstyp mit fairen oder weniger feinen Mitteln der Preis mal in diese und mal in jene Richtung gezerrt. Erstaunlich, dass die teils empfindlichen Gebilde namens Auftrag dabei nicht häufiger Schaden nehmen.

Geburt

Anders als im menschlichen Leben ist die Geburt des Auftrages selber eine eher unspektakuläre und formale Angelegenheit. Letztlich kommt er – ähnlich einer standesamtlich geschlossenen Ehe – durch vorzugsweise schrifltiche gemeinsame Willensbekundung zu Stande. Je nach Umfang des Auftrags wird das recht banal oder aber auch pompös wirken. Es ist halt ein Unterschied, ob ich 3 Schrippen oder 3 schlüsselfertige Fabriken erwerbe. Einmal wird das Ware gegen Geld sein, während im anderen Fall schon mal Regierungsmitglieder und Wirtschaftskapitäne vor blitzenden oder laufenden Kameras im Lächeln und Posen wetteifern…

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Ein Kommentar zu “Biologie des Auftrags, der Auftrag”

  1. Martin Reeckmann sagt:

    ” … kommt er – ähnlich einer standesamtlich geschlossenen Ehe – durch vorzugsweise schrifltiche gemeinsame Willensbekundung zu Stande.”

    Das “schriftliche” ist sehr zu empfehlen. Denn mündlich abgeschlossene Verträge sind zwar auch wirksam, aber in der Regel schwer nachzuweisen.
    Um es mit Marius Müller-Westernhagen zu sagen: “Die Verträge sind gemacht”, und angestoßen wird wahlweise mit “Sekt oder Selters”.