Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Blogger trifft Steinmetz

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 13. Oktober 2011

Damit gleich klar wird, dass es bei dem folgend beschriebenen hochinteressanten Selbstversuch nicht um eine aufzubauende berufliche Alternative zu meinem Angebot als Blogger handelt, habe ich für Sie ein Wort- und Bildspiel als Vektorgrafik zu Bildschirm gebracht. Es möge Ihnen Freude bereiten.

steinmetzeln

aller Anfang ist schwer

Sollten Sie zu denen gehören, die es nicht verstehen, machen Sie sich nichts draus. Hier herrscht keine Verstehpflicht.

Vorgeschichte

Zum familiären Freundeskreis gehört eine Steinmetzmeisterin. Auch wenn wir ihre Familie schon einige Male besucht haben, kannte ich ihre Werkstatt noch nicht. Beim diesjährigen Besuch habe ich rechtzeitig daran gedacht, auf diesen gefühlten Mangel hinzuweisen und um Abhilfe gebeten. Da die Werkstatt sich vom Ort unseres Aufenthaltes kilometerweit abweichend aufhält, durfte ich an einem Tag tatsächlich im PKW unserer Gastgeberin mitfahren und schauen.

Vor Ort

Bereits der Vater der Steinmetzmeisterin ist Steinmetzmeister. Somit gibt es einen nach meiner Einschätzung traditionellen Betrieb, der ob seiner Ausstattung auch Dinge selbst kann, die andere Betriebe von Lieferanten beziehen müssen. Die Nutzfläche des Betriebes, das Lager und der Maschinenpark sind für einen technischen Laien wie mich schon beeindruckend gewesen. Steine sind halt groß und schwer… Bei guter Auftragslage war so viel zu tun, dass ich als Besucher froh war, nicht zu viel Zeit zu absorbieren. Genauer gesagt hatte ich ebenfalls nicht viel Zeit. Zum einen habe ich im Büro einen Blogbeitrag geschrieben. Und danach habe ich selbst einen Stein sagen wir mal verändert.

Vorgehen

“Willst Du selbst mal probieren? Dann denk Dir mal eine Gestaltung aus.” Paff. Früher in der Werbeagentur kamen Kunden immer mit unterschiedlich gut umsetzbaren Anforderungen. Hier aber: weißes Blatt Papier und zum Schluss sollte das ein in Stein gearbeitetes Werk werden. Here we go.

  1. Skribble
    Angefangen habe ich auf einem karierten Block, wo ich verschiedene eher einfache symbolhafte Objekte aufkritzelte und in Sinnzusammenhänge brachte.
  2. Entwurf
    Recht schnell hatte ich 2 umsetzbar wirkende Entwürfe. Der eine schien etwas schwieriger in der Umsetzung, zeitlich mit Verfalldatum versehen und war eher beruflicher Natur. Der andere schien einfacher umzusetzen, in der Symbolik eher ein ewiges Thema und privater Natur. Ich verrate nicht, was es bedeutet, aber schauen dürfen alle mal.

    entwurf stein

    mein Plan für den Stein

  3. Vergrößerung
    Nun hieß es, eine Reinzeichnung im Maßstab 1:1 zu erstellen. Dank Karopapier, großem Geodreieck und Bleistift war das eine nicht so schwierige aber doch zeitraubendere Arbeit als ich sie vom Bildschirm her kenne. Kein copy + paste, kein rückgängig machen, keine Ausrichtungsfunktion; der digital arbeitende Mensch gewöhnt sich schnell an Bequemlichkeiten guter Software.
  4. Werkstück vorbereiten
    Da die Oberflächen des kubischen Steins bereits glatt waren, kamen nun ein paar Klebestreifen, Durchschreibepapier und ein Kugelschreiber zum Einsatz. Entwurf aufkleben, alle Striche kräftig nachmalen und schon lag die Aufgabe klar und deutlich vor mir. Diverse cm lang musste nun irgendwie Stein aus dem Stein heraus, um unterschiedliche Gräben von geplanten Breiten von 5 bzw. 10 mm zu schaffen. Aber wie?
  5. Zeichen in Stein setzen
    Als erste Variante bekam ich einen Hammer, der Fäustel heißt und einen Meißel, der Eisen (oder war es Schlageisen?) genannt wird. Ohne Fachsprache fühlen sich offenbar alle Berufe ihrer Geheimnisse beraubt. 8-) Eine Zeit lang klopfte ich so vor mich hin und es zeigte sich, dass der Stein härter als für mich Anfänger erhofft war. Schließlich war die Zeit endlich und das Werk sollte an diesem Tag fertig werden. Also Variante zwei: Presslufthammer. Und zwar vom Format her natürlich nicht wie im Gebäudeabbruch oder Straßenbau üblich sondern eher einer Klebepistole oder einer Lackierpistole ähnelnd. Stundenlang lernte ich nun, bei welcher Neigung und welcher Heftigkeit wieviel Steinbröckchen in welcher Richtung das Weite suchten. Ich lernte auch, dass das Handwerk auch mit Einsatz moderner Technik ein echter Knochenjob ist, der nicht eben in staubfreier Umgebung ausgeübt wird..
  6. Oberfläche glätten
    Es gab neben meiner Fehler produzierenden Unerfahrenheit weitere Gründe, das Werkstück rundum noch zu glätten und zu fasen. Also noch ein tolles Werkzeug, das im Alltag des Heimwerkers nicht unbedingt zu Hause ist: Die Flex. Nicht irgendein Winkelschleifer. Sondern das Gattungsnamen gebende Original. 6 Flächen glätten, davon die Frontseite etwas feiner und dann alle 12 Kanten gefast. Erstaunlich, was dieses Werkzeug für Kraft auf den Stein bringt…
  7. Stolz sein
    Als völliger Anfänger bin ich unfallfrei durch das Abenteuer gekommen, habe mit relativ wenig Hilfe einen Rohling in etwas verwandelt, das seinen Platz im Haushalt finden wird und bin stolz auf mein Erstlingswerk. Ich habe schon gehört, dass ich nächstes Jahr einen weicheren Stein bekommen kann. Ob das dann noch besser geht? Ich danke jedenfalls für die Möglichkeit, mich ausprobieren zu dürfen. Herzlich!

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2 Kommentare zu “Blogger trifft Steinmetz”

  1. Ruth Schulz sagt:

    Hey das klingt ja super! Ob es in Berlin auch irgendwo die Möglichkeit gibt das mal auszuprobieren???

  2. knutpankrath sagt:

    @Ruth
    Keine Ahnung, ob ein Steinmetz in Berlin sich das traut. Die Werkzeuge sind nicht billig, es geht alles um einiges langsamer als z.B. bei Ton und die Gefahren für Verletzungen sind nach meiner Einschätzung auch nicht ohne.