Commerzbank schreibt wirren Brief
Erstellt von knutpankrath am Dienstag 10. August 2010
Vorgeschichte
Zur eigenen Freude sowie zur Erbauung der anderen Familienmitglieder wohnt eine nahezu 3 Jahre alte kecke Person in unserem Haushalt, die für manche Tochter und für andere Schwester ist. Dieser kleine freche Feger verfügt über ein HIPP Mein Baby Sparbuch, welches zunächst von der Dresdner Bank und danach vom Rechtsnachfolger Commerzbank verwaltet wird – oder sollte ich wirrd sagen?
Sprachauffälligkeiten
Eins vorab: Ich finde es nicht verwerflich, Eltern eines Kindes zu informieren und ihnen Finanzprodukte vorzuschlagen, die das Aufwachsen von Kindern begleiten können, die Ausbildung absichern oder ähnliches. Aber man kann das auch erstklassig versemmeln, wie ich an ein paar Zitaten kurz zeigen möchte:
- “Sehr geehrtes Fräulein Pankrath” Der Begriff Fräulein in der Wikipedia wird nicht eben als sonderlich aktuell bezeichnet. Auch mein Duden verwendet je nach Bedeutung die Einschätzung veraltet oder veraltend. Und liebe Commerzbank: Selbst unsere recht pfiffige Tochter kann mit 3 noch gar nicht lesen.
- “Herzlichen Glückwunsch zum dritten Geburtstag von [Tochtername]” Wie denn nun? Erst an die Tochter adressieren und dann doch die Eltern meinen? Mit wem haben Sie denn nun eine Geschäftsbeziehung und wen wollen Sie locken? Bitte sortieren Sie das erst einmal, bevor Sie hunderte von Briefen versenden.
- “Ihr Kleiner/Ihre Kleine” Hallo? Erst an ein Fräulein mit eindeutig weiblichem Vornamen adressieren und dann das Geschlecht nicht mehr kennen? Diese Serienbrieffunktion ist wirklich nicht allzu schwer zu handhaben, wenn man die Aktion denn ernst nimmt. So wirkt das in letzter Konsequenz wahlweise lieblos oder respektlos auf mich.
Vorschlag zur Verbesserung
Die Hausarbeit, ob denn nun entweder wirklich die Kinder oder dann doch ehrlicherweise die Eltern angesprochen werden sollen, kann der Commerzbank niemand abnehmen. Wenn man aber die Ansprache der Kinder als Methode für “weiches” Verkaufen von Finanzprodukten erfolgreich einsetzen will, dann wären eine Hand voll Bilder und kindgerechte Erklärungen sinnig. Die verstehen dann sicher auch Eltern, selbst wenn ihr Bildungsgrad im Alltag nicht für gewinnbringende Derivatgeschäfte ausreichen sollte…
Ergebnis
Der Brief ist so kompliziert, dass ich ihn meiner Tochter nicht wirklich erklären könnte. Das nicht unterschriebene Dokument ist so wenig einladend, dass ich – wie vermutlich viele andere – nicht zum Hörer greifen werden, um über eine kostenpflichtige Hotline (!) einen Beratungstermin zu vereinbaren.
- Nachtrag
Auf meinen via Feedbackformular gesendeten Link auf diesen Beitrag kommt von @Commerzbank_KT
folgender Tweet: “@knutpankrath: Wir haben Ihre Nachricht erhalten und eine interne Prüfung veranlasst. Diese läuft bereits. Wir werden uns bei Ihnen melden.” Ich bin gespannt, ob das pressesprecherweich wird oder die versuchen dazuzulernen.
Dienstag 10. August 2010 um 15:32
Hardware-Spam, diese Briefe.
Dienstag 24. August 2010 um 07:29
[...] von dem auch noch zu berichten sein wird. Nur so viel: Die Commerzbank hat per Brief auf meinen Beitrag geantwortet und sich aus meiner Sicht wirklich Mühe gegeben. Mehr dazu [...]
Montag 10. Oktober 2011 um 16:00
[...] mal nicht ganz gelungenen Briefs am Wickel, den eine Bank an meine Tochter adressiert hatte. Dieser Brief aus der Vergangenheit hat aktuell einen würdigen Nachfolger gefunden. Und ich endlich einen Zusammenhang, den ich Ihnen [...]