Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Darf ich Zahlen?

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 12. August 2010

Bekenntnisse

Ich habe dreierlei zu beichten, bevor ich dazu übergehe, einen Beitrag über das bereits vor einiger Zeit per Buchblitz vorgestellte Buch von Günter M. Ziegler abzuliefern, den ich trotz mir bewusster Mängel keck unter Rezension einsortiere:

  1. Ich habe vor einer gefühlten Ewigkeit die seltsame Eingebung gehabt, ausgerechnet Mathematik als zweites Leistungsfach zu wählen. Ich erinnere mich noch mit wehmütigem Kopfschütteln daran, dass mein Notendurchschnitt bei ersatzloser Streichung der Kurse Mathematik 2 oder mehr Zehntel besser gewesen wäre. Trotzdem war es eine amüsante Zeit auf meiner nicht durchgängig geliebten Freiherr-vom-Stein-Schule.
  2. Ich habe schon immer die in den Naturwissenschaften wirklich Hochbegabten ob ihrer Brillanz im Bau gedanklicher Gebäude bewundert. Nahezu gleichzeitig habe ich aber auch mit dem Wundern begonnen, dass sehr viele dieser Menschen sich keinen Kopf machen, wozu man das brauchen könnte oder wie man es vermarkten oder wenigstens finanzieren kann. Wo das doch oft mindestens genauso wichtig ist. Vielleicht fühle ich mich deshalb auch im Spannungsfeld von Informatikern, Mathematikern und ähnlichem auf der einen und den Kaufleuten auf der anderen Seite besonders wohl.
  3. Ich habe im Urlaub den einzigen gemeinsamen langen Trainingslauf mit meiner Partnerin von Hausach (Dorf) nach Wolfach und zurück gelegt, weil der Ort Wolfach im Buch als einer der Orte der Mathematik erwähnt wurde. Habe mich dabei schon ein wenig kauzig gefühlt…

Gedankensplitter

So ganz bekomme ich dieses Buch nicht gepackt. Ich meine das im Sinne eines einheitlichen Fadens, der sich mir aufdrängte. Vielleicht liegt es daran, dass die Einteilung in 10 Kapitel und auf der Ebene darunter in kleine Geschichten so natürlich und unspektakulär wirkt. In Wahrheit halte ich diese offensichtliche (oder doch scheinbare?) Klarheit für einen raffinierten Trick, um arglose Leser in das Labyrint von Geschichten, Personen und Phänomenen zu locken, ohne dass diese es merken.

Als Freund eher kurzer Geschichten mochte ich die Sammlung von Ideen, Einsichten, Anekdoten und vorgestellten Konzepten wirklich gern. Die meisten waren ausreichend lang, um etwas ruhig aber lebendig darzustellen. Und ich bin ausreichend mathematischer Laie, um bei den meisten Texten lieber nicht auf das zu Grunde liegende Buch oder Gedankengerüst einsteigen zu wollen. Mit anderen Worten: Es wurde auch nichts über Gebühr in der Länge ausgewalzt.

mögliches Ergebnis

Die Art der Erzählung wirkt auf mich jederzeit mühelos. Entweder ist es dem Autoren einfach gegeben, sich einfach und dabei nicht profan auszudrücken oder er war wirklich fleißig im Sinne seiner Leser. Beides wäre zu loben. Das Buch könnte möglicherweise einen Beitrag leisten,

  • mögliche Studienkandidaten für dieses wichtige Fach anzulocken
  • Menschen klar zu machen, dass Mathematiker abgesehen von einer bestimmten Begabung Menschen wie Du und ich sind
  • ein paar intelligent unterhaltene Stunden zu haben.

Ich finde das eine ordentliche Ausbeute für ein Buch über das Fach, welches – zumindest in der Schule in seiner aktuellen Ausprägung – für den derzeit höchsten Förderbedarf sorgt. Da wären wir nur einen Klick entfernt von meinem Auftraggeber OberPrima.com, der eine Plattform für dauerhaft kostenlose Nachhilfe in Mathematik in Form von Internet-Videos betreibt. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

P.S. Mir fällt noch auf, dass zwar eigentlich ISBN, Seitenzahl, Preis und noch anderes aus konventionellen Gründen in die Rezension gehörte. Andererseits vermute ich bei meinen Lesern Menschen, die mit google und amazon umzugehen wissen, oder? Vielleicht starte ich da mal eine kleine Umfrage.

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