Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Datenschutz und Journalismus – my streetview

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 19. August 2010

In diesem Beitrag betrachte ich ein in meinen Augen strukturelles Problem, das sich auch auf andere komplexe Themen übertragen lässt. Es geht mir um die Sensibilisierung für das real beobachtete Konstrukt, damit Sie die eine oder andere Äußerung in den so genannten Massenmedien vielleicht besser einschätzen können. Das durchs Dorf getriebene Thema google streetview ist Aufhänger aus der gerade gesetzten Agenda, wird aber inhaltlich nicht besprochen.

Akteure

In den Medien, die von der Mehrheit der Bürger wahrgenommen werden tummeln sich Akteure, die über die Jahre in Rollen reingewachsen sind, die ungleich ihrer vollständigen Person sind. Böse ausgedrückt sind manche der Akteure nicht mehr sie selbst sondern nur noch Sprecher Dritter. Aber dieser Aspekt der Aufsplittung von Mensch und Dienstleister (Ich lehne das für mich ab.) sei mal hingenommen und nicht auf die denkbare Entfremdung von sich selbst oder dem eigenen Tun hin untersucht.

Der Allroundjournalist in Zeitnot

Entschuldigen Sie bitte den aus Wörtern zweier Sprachen zusammengesteckten Begriff. Mir ist gerade kein anderer von ähnlicher Kürze und Prägnanz eingefallen. Was ich ausdrücken will, ist die von mir beobachtete Tatsache, dass zumindest vielen Journalisten von ihren Auftraggebern nicht mehr die Zeit gegeben wird, sich gründlich in ein Thema einzuarbeiten, bevor sie Kamera, Mikrofon, Augen, Ohren und ihren Notizblock auf Interviewpartner richten. Nicht selten wirken Beiträge zum Datenschutz außerhalb spezialisierter Medien so, als habe man sich vor dem Interview auf eine Hand voll Stichworte geeinigt. Eine kompetente Gesprächsführung durch den überforderten Journalisten findet nicht immer statt.

Ich wünschte mir mehr Journalisten mit dem Rückgrat, die Zeit für vernünftige Vorbereitung einzufordern und eine Qualität abzuliefern, die sie auch selbst stolz macht.

Der Politiker ohne Themenschwerpunkt

Wer ein wenig tiefer in den Datenschutz einsteigt (Ich war dareinst bestellter Datenschutzbeauftragter meines seinerzeitigen Arbeitgebers.), wird irgendwo zwischen Erstaunen und Ärger feststellen, dass sich mancheiner zu Wort meldet, der zu allem was zu reden hat, ohne dass die Substanz den eingeräumten Platz wert gewesen wäre. Dummerweise ist das Gerangel um Sendesekunden und Printzeilen oft der einfachere Weg, aus den hinteren Bänken ins Sonnenlicht der Politik zu drängen. Ich verstehe schon, dass insbesondere Bundespolitiker nicht Spezialisten in jedem Thema sein können, was plötzlich massenmedienrelevant ist.

Ich wünsche mir Politiker, die sich darauf besinnen, dass sie sich nur dann zu Wort melden, wenn sie inhaltlich zum Diskurs beitragen.

Fachberater der Politik

Es gibt gute Gründe, warum die Berater im Hintergrund bleiben. Lägen deren Argumente für oder gegen bestimmte Regelungen für alle sichtbar auf dem Tisch, würde das Spiel hinter den Kulissen gestört, in dem es zuweilen mehr darum zu gehen scheint, wieviele Prozent eines Gesetzestextes sich wer an die Fahne heften darf als um die beste zukunftssichere Lösung für das Land.

Ich wünsche mir mehr frühe Transparenz dessen, was aus den Denklaboren der Parteien und ihren Stiftungen und anderen Quellen maßgeblichen Einfluss auf künftige Rechtnormen haben kann.

Die echten Spezialisten

Datenschützer der Ebenen Bund, Land, in Firmen bestellte werden von Journalisten zuweilen vorgeführt wie Nummern im Zirkus. Das ist dem Konstrukt geschuldet, dass der eine – relativ gesehen – viele und der andere wenige Kenntnisse über die Substanz des Themas besitzt. Es herrscht aber das überlagernde Prinzip, dass der weniger gut Informierte über “wird massenhaft verbreitet” oder eben auch nicht entscheidet. Die Datenschutzspezialisten sind zuweilen auch damit beschäftigt, aus der mangelnd präzisen oder inkorrekten Fragestellung erst einmal Fehler zu erklären (debugging), bevor sie zum eigentlichen Thema kommen. Zuweilen geht das eigentliche Thema dabei auch über Bord.

Ich wünsche mir Spezialisten, die proaktiv dazu Stellung beziehen, was wünschenswert wäre und nicht nur abgefragte Fakten über das Gestern und Heute korrekt abspulen. Wir brauchen in komplexen Themen mehr Sachverstand und weniger dogmatische gebetsmühlenartig wiederholte Reflexäußerungen, wie sie teilweise aus Hilflosigkleit aus der Politik zu hören sind.

Datenschutz und Internet

Machen wir uns nichts vor. Ob die derzeitigen Politiker das Internet mit seinen Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen wissen, dürfen wir nicht dem Zufall überlassen. Dieses Medium hat bereits gewaltige Änderungen und Verwerfungen tragender Teile der Gesellschaft ausgelöst und wird das vermutlich auch die nächsten Jahre tun. Sowohl ökonomisch im Sinne möglicher Wertschöpfung als auch im Sinne bürgerlicher Freiheiten ist der “Ort Internet” einer, der uns alle -  spätestens als Treuhänder nächster Generationen – angeht. Wenn Sie also mit den im Beitrag grob skizzierten Akteuren zu tun haben, fragen Sie diese, informieren Sie diese, bilden Sie sich Ihre Meinung und stehen Sie für diese. Das klingt altmodisch? Mag sein. Aber in Zeiten von Blogs, facebook, twitter & Co. können Sie daran mitwirken, dass sich Dinge so entwickeln, wie Sie es für sinnvoll halten. Das ist doch was. Also ich mache mit.

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