Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Dein Gehirn

Erstellt von gemeinschaft am Dienstag 20. Januar 2009

Subtitel: Das fehlende Handbuch
Autor: Matthew MacDonald
Verlag: O´Reilly / Pogue Press
Preis: 19,90 €
Umfang: 280 Seiten
Ausführung: Broschiert

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Allein den in einfacher Sprache aufklärerisch wirkenden Ansatz der Buchreihe Missing Manual auf das Gehirn zu übertragen, ist für mich ein kleiner Geniestreich. Die Serie mit dem Credo „The book that should have been in the box“ (Also etwa: „Das Buch, welches eigentlich in die Lieferung gehört hätte“) galt nämlich ursprünglich Hardware, Software und Diensten der Informationstechnik.

Da ich Dutzende guter und freundlicher Rezensionen da draußen im Web vermute, hebe ich hier gern mir aufgefallene Dinge hervor, die andere vielleicht nicht gesehen oder erwähnt haben. Dem Übersetzer Lars Schulten z.B. gilt es ausdrücklich zu danken. Denn das beste Buch verliert schnell an Wirkung, wenn nicht einer wie er den Mut und die Kenntnis und die freie Hand hat, an der richtigen Stelle Redewendungen und Beispiele nicht 1:1 zu übersetzen, sondern in unsere Lese- und Gedankenwelt zu übertragen. Und das hat er bestens getan.

Ich habe sehr viel lernen können, was unser Gehirn nach heutigem Stand der Forschung ist und was es auch nicht ist. Aufmerksame Leser werden immer mitbekommen, wann von gesicherten Fakten, wann von gängigen Theorien und wann eher von Außenseiterstandpunkten die Rede ist.

Notwendige Fachbegriffe wurden für mein Gefühl durchgängig erklärend eingeführt.

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Der Schluß des Buches kommt mir etwas abrupt daher. Es wirkt auf mich so, als fehle hier etwas. Eine Abschiedsfloskel, ein Hinweis auf dies oder das. Ich kann es derzeit nicht besser benennen. Es hat etwas vom Abblenden eines Krimis, bei dem EIGENTLICH alles aufgeklärt ist, man als Zuschauer aber nicht weiss, ob denn nun der Täter der Gerechtigkeit zugeführt und der Held die Beförderung bekommt. Verstehen Sie?

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Ich frage mich, ob und wie man auf der Basis dieses Buches weitere womöglich hirntätigkeitsnahe Phänomene erklären kann. Ob z.B. die „auf schlau“ neuerdings Prokrastination heißende Aufschieberitis (siehe Rezension Lobo), die Neigung entweder keinen oder dann gleich zuviel Sport zu treiben oder auch Kommunikation zwischen Menschen auf Augenhöhe oder mit unterschiedlichen (ggf. gefühlten) situativ bedingten Statusniveaus.

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Wenn Sie ähnlich wie ich schon immer mehr über die Funktionsweise – incl. der vermuteten und offenbar reichlich vorhandenen Macken – eigener oder fremder Denkapparate erfahren wollten und bei Fachbeiträgen in Zeitschriften oder anderswo überfordert weiter geblättert haben, könnte das Ihre Stunde sein. Es könnte Ihnen gut passieren, dass Sie nach Erwerb des Buches wie ich überlegen, wann Sie zwischen anderen Aufgaben endlich wieder ein Kapitel lesen können.

P.S. Wenn Sie gelegentlich Ihren Sinnen nicht trauen oder das Gefühl haben, dass Sie mal wieder vor dem Austausch von Argumenten eine abschließende Meinung hatten, beruhigen Sie sich. Die anderen sitzen in der selben gut erklärbaren Falle. Spannend ist, was man daraus macht…

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