Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Der Brei und das Nichts

Erstellt von knutpankrath am Dienstag 17. Juni 2014

Die Überschrift ist nicht von mir. Es handelt sich bei “Der Brei und das Nichts” vielmehr um den Titel eines Buches, das Monika Bittl und Silke Neumayer geschrieben haben. Der Knaur Verlag hat das getan, was zwischen vermutlich elektronischem Manuskript und Buchladen respektive Nachttisch der LeserInnen zu tun ist.

Anmutung

Als bekennender Modemuffel kenne ich mich mit dem neuesten Chichi bei zu tragender Mode schon nicht aus. Das ist bei Büchern bei mir nicht viel besser. Trotzdem wage ich die Aussage, dass die fluffige Optik mit viel Weißraum, vielen Punkten in aufeinander abgestimmten Farben zeitgemäß ist und die Zielgruppe ansprechen dürfte. Nicht übertrieben gesetzte Effekte mit glänzendem Lackdruck (Heißt das so?) kitzeln vermutlich zusätzlich den Habenwillreflex.

Sprache

Es hat mir einiges Vergnügen bereitet, das Buch zu lesen. Und das hat nicht nur mit auch für mich relevanten Inhalten zu tun. Sprache ist bei dem Werk mehr als Mittel zur Vermittlung von Inhalten. Sie unterhält, verlockt zum nächsten Kapitel und kommt so daher, wie Sie es vielleicht auch bei einem guten Gespräch bei [Getränk Ihrer Wahl] mögen würden. Als kleines Beispiel mag hier der Subtitel des Buches herhalten: Der völlig unterschätzte philosophische Alltag der Mütter

Philosophie und Alltag

Für Menschen, die es selten schaffen, längere Zeit am Stück ungestört zu lesen, was durch Anwesenheit von Nachwuchs immerhin gut vorstellbar wäre, ist der Inhalt des knapp über 200-seitigen Buches in 43 unterschiedlich lange Kapitel aufgeteilt. Diese folgen meiner Erinnerung nach meist dem folgenden Muster: Anekdote aus dem Alltag einer Mutter, herauspicken einer oder mehrerer Besonderheiten und Verknüpfung mit Gedanken von Philosophen aus Jahrhunderten Philosophiegeschichte. Diese Zusammenhänge sind meist klar vorhanden, zuweilen amüsant überspitzt aber nie an wohlfrisierten Haaren herbeigezogen.

Einladung zum Mitdenken

Ich hatte öfter das Gefühl, das eine oder andere für das eigene Leben weiter zu denken, ergäbe Sinn. Dazu fühlte ich mich unaufdringlich eingeladen. Allein der Alltag eines Vaters, Bloggers, Kiezaktivisten und Sportlers hält vorsichtig ausgedrückt nicht immer die notwendigen geschützten Ruhezeiten dafür bereit.

Klischeeeigentor?

Hurra, ein sinnvolles Wort mit drei “e”. OK, zurück zum Klischee und meiner Frage, die sich bei mir bildete. Sie ist noch nicht präzise aber muss raus: Aktuelle Lebensrealität ist sicher, dass sehr überwiegend Mütter in der Zeitfalle aus hohem Maß an Familienarbeit und zu wenig Zeit für Erwerbsarbeit oder auch andere große Projekte stecken. Ist der sprachliche und damit gedankliche Ausschluss von – zugegebenermaßen noch – wenigen Männern, denen es ähnlich geht, nicht eine Verstärkung solcher Zustände? Als Vater, der schon auf zahlreichen Spielplätzen die Minderheit war, fand ich es oft erstaunlich, dass trotz ähnlicher Lage das Sortieren nach Geschlecht offenbar wichtiger als eines nach Interessen war. So viel Tradition? So wenig Moderne?

Weiterführung

Die Autorinnen erweisen sich als gute Dienstleisterinnen an der Leserschar. Ein 8-seitiges textchronologisches Quellenverzeichnis ermöglicht es, sich gezielt näher mit den philosophischen Gedanken und Werken auseinander zu setzen, die in den einzelnen Kapiteln eingewoben worden.

tweetkurzes Fazit

Wer 999 Cent für ein modernes, unterhaltsames und kluges Buch für sich oder jemanden zu Beschenkendes ausgeben mag, kann hier gut zugreifen.

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