Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Die 100 häufigsten Fallen nach der Existenzgründung

Erstellt von gemeinschaft am Mittwoch 3. September 2008

So betiteln Cordula Nussbaum und Gerhard Grubbe ihr im Haufe Verlag erscheinendes ca. 240 Seiten starkes 16,80 Euro teure Buch, das mir in der 3. Auflage zur Besprechung vorliegt.

Ich musste beim Titel gleich an die derzeitige Tendenz denken, alles in Rankings zu packen, was nicht jedem Thema bekommt. Zumal nicht immer ganz ersichtlich wird, wer nach welchen Maßstäben entscheidet, was da noch drin ist und was nicht. Ich nehme den Titel der Einfachkeit halber als Ausdruck von Zeitgeist gepaart mit einer Erfahrung, die für besimmte Fallen eine gefühlte Häufigkeit oder Relevanz vorzuweisen haben wird.

Plus

  • Wirklich gut gefallen hat mir, dass an mehreren Stellen eindrücklich die Notwendigkeit betont wir, mehr am und nicht unbedingt mehr im Unternehmen zu arbeiten. Es ist schließlich nicht Ziel, alles selbst zu machen, was andere womöglich gleichzeitig besser und kostengünstiger tun. Kluges make or buy ist immer die Frage.
  • Unbestritten handelt es sich um eine lobenswerte Fleissarbeit, die mir nahezu durchgängig einleuchtenden Fußangeln zu sammeln, zu clustern und in eine nutzbare Reihenfolge zu bringen.
  • Der Zuschnitt der Kapitel sowie die weiteren Navigationshilfen Inhaltsverzeichnis und Stichwortverzeichnis lassen im Notfall schnell das wieder finden, was man schon immer mal in Angriff nehmen wollte. Es ist also nicht notwendig, das Buch linear zu lesen, wenn man denn weiss oder zumindest ahnt, wo man mal etwas genauer prüfen sollte.

Minus

  • Die Sprache scheint mir den unterstellten durchschnittlichen Leser nicht immer da abzuholen, wo er sich erfahrungsgemäß befinden wird. Mein liebstes Beispiel dafür ist folgender Absatz, den ich auf Seite 39 virtuell angemarkert habe.”Als Cashflow bezeichnet man die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben, bereinigt um nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge (Abschreibungen, Rückstellungen, Auflösung von Rückstellungen). Er zeigt die Kraft eines Unternehmens, aus dem operativen Geschäft Liquidität zu generieren.” Stimmt. Aber ist das nicht zu gedrängt?
  • Auf Seite 123 wird eine Idee präsentiert, wo bei mir die schlecht-Geschmacks-Kelle hochgeht. Als eine aus meiner Sicht mißverstandene Variante von Guerillamarketing wird zum Eigenlob in Online-Diskussionsforen zum Behuf der Generierung von Mund-zu-Mund-Propaganda aufgerufen. Lassen Sie bitte solchen unredlichen Unfug. Überlegen Sie lieber, wie Sie Ihre Kunden provozieren und unterstützen, gut über Sie zu reden. Zum Thema Mundpropaganda verweise ich gern auf das gleichnamige Buch von Bernd Röthlingshöfer, das ich hier für Sie besprochen habe.
  • Dem Buch liegt eine CD bei, deren Inhalt hier leider unberücksichtigt bleibt, da sie die Verwendung eines bestimmten kostenpflichtigen Betriebssystems voraussetzt, was Nutzer anderer Systeme ausschließt. Gerade wenn ich mir die seit Jahren Verbreitung lizenzkostenfreier Software bzw. die technischen Möglichkeiten anschaue, alles browserfähig anzubieten, finde ich das wirklich bedauerlich.

Fragen

  • Ich frage mich mal wieder, warum das Instrument Factoring immer wieder in Gründerratgebern auftaucht.
  • Ich frage mich als Freund guter Geschäftsideen und von UnternehmerInnen mit ungewöhnlichen Ansätzen, ob die Sortierung der Kapitel mit dem Anfang Fallen rund ums Geld wirklich die beste Wahl ist. Selbst wenn es genug Hinweise geben sollte, dass hier bei Gründern viel im argen liegt, scheinen mir aufgedeckte betriebswirtschaftliche Mängel oft nur zu verdecken, dass die ursprüngliche Idee schlicht nicht genug Zündkraft hatte.
  • Ich frage mich, für wen die mir zu starke Konzentration auf Zahlenhandling und das Abarbeiten geschäftlicher Konventionen besonders nützlich ist und für wen das weniger der Fall ist. Mit vielen Berührungspunkten zu Web 2.0 Unternehmen und nichtproduzierenden Projekten habe ich mir bei einer Reihe der 100 Fallen die Relevanzfrage gestellt und oft innerlich abhaken können.

Summe

  • Wer gelegentlich einen Blick in ein handwerklich weitestgehend ordentlich gemachtesBuch wirft und einige darin gesammelte Punkte ernsthaft an Stelle eines blinderen Verhaltens anwenden kann und mag, spart mit diesem Buch viel Sucharbeit. Wer sich nicht sicher ist, ob seine spezielle Unternehmenssituation ausreichend in dem Buch zu finden ist, schaut am besten zunächst auf das Inhaltsverzeichnis, das die Navigation durchs Buch ebenso erleichtert, wie das knackige Stichwortverzeichnis.

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