Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Die 110%-Lüge

Erstellt von gemeinschaft am Donnerstag 26. März 2009

Subtitel: Wie Sie mit weniger Perfektion mehr erreichen
Autor: Simone Janson
Verlag: Redline Verlag
Preis: 17,90 €
Umfang: 203 Seiten
Ausführung: broschiert

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Die Autorin und Bloggerin Simone Janson greift ein auf den ersten Blick unauffälliges Themenfeld auf, dessen Problemcharakter manchem Akteur oder deren unmittelbarer Umgebung als solches nicht unbedingt klar sein dürfte. Dabei ist es ebenso wahrscheinlich, dass Perfektionismus berufliche wie private Projekte scheitern lässt, wie z.B. schlechte Planung, mangelnde Ressourcen oder fehlende Motivation.

Für einige Phänomene des Perfektionismus werden Szenarien mit Personen durchgespielt, wodurch allgemeine Aussagen konkretisiert und der gedankliche Überbau anschaulicher werden.

Das kommentierte Literaturverzeichnis deutet an, dass die Ausführungen des Buch auf einem ebenso breiten wie zeitgemäßen Fundament stehen.

Das Stichwortverzeichnis ist in meinen Augen klug angelegt, weil es unentschlossenen Interessenten im Buchladen einen schnellen Zugriff auf „ihr Thema“ ermöglicht. Das ist kundenfreundlich und wird dem Buch tendenziell die richtigen Leser zuführen.

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Ich hatte bei der Lektüre zu oft das Gefühl sprachlicher Redundanz, wie den beispielhaft herausgegriffenen für mich tautologischen „übertriebener Perfektionismus“ oder „perfektes Ideal“. Dieser gefühlte Duktus einer besonderen – geradezu 110%igen – Eindringlichkeit führt für mich eher zu einer Verwässerung denn einer Verstärkung der ansonsten guten Argumente für einen entkrampfenden und lockernden Umgang mit der Verhaltensauffälligkeit Perfektionismus.

Die für die Titelseite ausgewählte Grafik empfinde ich als auflockernd gut gemeint, sehe aber keinen sich mir sofort erschließenden Zusammenhang zum Thema. Vielleicht mag der Coverdesigner Thomas Uhlig sich ja erhellend äußern?

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Ich frage mich, ob die Personen mit Namen in den Beispielen reale anonymisierte Erfahrungen darstellen oder reine Stellvertreter bzw. Projektionsflächen darstellen. Das kann für manchen Leser ein unterschiedliches Gefühl in Sachen Glaubhaftigkeit und Authentizität erzeugen.

Ist die Zahl verwendeter Hinweis-Icons (z.B. für To do, Tipp) mit über 100 gezählten Verwendungen nicht zu hoch? Was ist wirklich wichtig, wenn gefühlt nahezu alles wichtig sein soll?

Was würden wohl Passig/Lobo sagen, wenn sie ihr Thema Aufschieberitis (auf schlau: Prokrastination) darauf reduziert sähen, dass man dagegen nur einen 8-Punkte-Plan benötigt?

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Das Buch ist neben der vermuteten Eigentherapie der Autorin für eine klar erkennbare Zielgruppe verfasst, trifft mit einiger Wahrscheinlichkeit deren Denkmuster und ist für alle anderen ein Papier gewordener Hinweis auf das Phänomen Perfektionismus. Für direkt und indirekt Betroffene ist ein Buch entstanden, das als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen und Aktivitäten wirklich nützlich sein könnte. Wer sich nicht auf den problematischen Aspekt des Themas einlassen kann oder mag, wird sich fragen, ob die im Pareto-Prinzip enthaltenen Gedanken nicht kürzer darstellbar wären.

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Ein Kommentar zu “Die 110%-Lüge”

  1. Simone Janson sagt:

    Hallo Herr Pankrath,
    nachdem Sie mich um einen Kommentar gebeten haben, die Trackbackfunktion aber nicht funktioniert: Ich habe die Rezension hier http://www.berufebilder.de/about/presse_ueber_mich/presse-perfektionismus-zeitmanagement/formale-kritik-von-knut-oe-pankrath kommentiert und verlinkt. Sie haben ja auch schon zurück kommentiert.