Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Dinge geregelt kriegen

Erstellt von knutpankrath am Freitag 2. Januar 2009

Subtitel: ohne einen Funken Selbstdisziplin
Autoren: Kathrin Passig / Sascha Lobo
Verlag: rowohlt Berlin
Preis: 19,90 €
Umfang: 284 Seiten
Ausführung: Hardcover mit Schutzumschlag

Plus
Wer schon immer gefühlt hat, dass sein anderer und vielleicht nicht gesellschaftsakzeptierter Ansatz der eher extensiv angelegten Erledigung von Dingen die gleiche Berechtigung hat, wie das straff prozessorientierte ohne Rücksicht auf Spaß, der findet hier eine profunde Sammlung von Argumenten und Blickwinkeln zum Thema.

Menschlich bis allzumenschliche persönliche Beispiele ohne den diesem Thema sonst innewohnenden erhobenen Zeigefinger und eine unterhaltsame Schreibe sorgen für Lesevergnügen, ohne dass es inhaltlich flach würde.

Es macht schlicht Spaß, dieses Produktivitätsfachbuch zu lesen. Und es ist wirklich nützlich. Das ist schon mal deutlich über dem gefühlten Durchschnitt gedruckter Sprachelaborate, von denen ich Ihnen hier im Gemeinschaftsraum gern die Sahnetupfer präsentiere.

Eigentlich ist es ja offensichtlich, dass Systeme mit geringstmöglichen Voraussetzungen am besten funktionieren. Warum besteht das Leben dann aus so wahnsinnig vielen Konventionen, die oft eher als belastend empfunden werden? Als Beispiele für gewinnende Systeme und ihren in der freiwilligen und massenhaften Nutzung unterlegenen Kontrahenten:
•    grafische Oberfläche mit intuitivem Geklicker auch für Wenigdenker vs. Kommandozeile für Ferunde geballten Spezialistenwissens
•    die flexible Marktwirtschaft mit der Triebfeder individuellen Glücks vs. komplizierte Planwirtschaft mit dem starken Hang zur Selbsterstickung
Was ich damit um drei Ecken andeuten möchte: Wenn sich Menschen mit Hilfe des Buches von gefühlten Lasten befreien und sich so einrichten, dass sie ihren eigenen Weg finden, kann das auch nur gut für die Gesellschaft sein.

Das Buch enthält die Ankündigung der Fortführung des Buches auf dieser Webseite, auf der derzeit noch nicht so viel passiert ist. Aber da sollte man wohl die Zeitachse gelassen noch etwas wachsen lassen…

Minus
Mir fällt gerade nichts ein, was ich an diesem Buch zu kritteln hätte. Kommt vielleicht noch später. 8-)

Frage
Warum zielt das Buch wenigstens für mein derzeitiges Verständnis ausschließlich auf die kleinste  Organisationseinheit Mensch? Ich könnte es mir spannend vorstellen, eine Firma, einen Verein, eine Behörde systematisch mit den Gedanken der Autoren zu durchleuchten.

Summe
Irgendwie liefern Passig / Lobo auch ein getting-things-done-Beitrag. Sie verzichten jedoch klugerweise auf das, was andere Systeme so oft scheitern lässt: Reihenweise unrealistische Voraussetzungen. Außerdem versuchen sie, das Erledigen von Dingen aus der Ecke gruseliger ausschließlich pflichtenbehafteter Dinge wieder in die Nähe von Spaß zu bugsieren, was sehr charmant ist. Ein Buch also für alle, die lieber Lust als Last mit Arbeit verbinden wollen. Und Menschen, die die etwas bunteren und unangepassteren Zeitgenossen mit solchen Flausen im Kopf verstehen wollen. Bravo!

Nachträge

  1. Es existieren zahlreiche Auseinandersetzungen im Netz, die mir zu belegen scheinen, dass die Autoren ein Thema getroffen haben und eine Position beschreiben, die Potential hat. Das reicht vom Verriss in der Süddeutschen bis zur fairen und klugen  Besprechung in der  FAZ.
  2. Ein wirklich sehr launiges “making of” des Buchs steht hier bei der Zeit.
  3. Noch eine Rezension mit Herzeblut findet sich hier.

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