Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Expertokratie-Rätsel zu Kreativität

Erstellt von gemeinschaft am Dienstag 17. Februar 2009

Wundern Sie sich auch gelegentlich, wer Ihnen in Radio, Fernsehen und Zeitungen als Experte angeboten, ja geradezu untergejubelt wird? Ich schon. Für alle zeitgemäßen Mediennutzer sei noch erklärt, dass Radio ein unflexibler Vorläufer von Podcasts, Fernsehen das alte Äquivalent von Videocasts und Zeitungen bedrucktes Holz mit veralteten Nachrichten sind bzw. waren. Aber zurück zu den so genannten Experten:

  • Es gab Zeiten, da wurde ein in Berlin hochpreisig arbeitender Friseur zu politischen Fragen des Landes gefragt, als hätte er da mehr Durchblick als der Gemüsehändler um die Ecke, die Bevölkerung oder ein Politiker.
  • Wenn der an anderer Stelle womöglich abgeblitzte Reporter unbedingt einen O-Ton zur Taktik eines Fußballspiels haben wollte, fragt er nicht etwa den ausgebildeten Trainer mit ordentlichen womöglich universitärem Abschluß, sondern den beliebtesten, lustigsten oder kamerafreudigsten Spieler mit Baumschulabschluss.
  • Dass sich Gruppen wie Arbeitnehmer von Gewerkschaftern vertreten lassen, die in Stil, Habitus und Lebensweise bis auf die Anstecknadel am revers von den Kapitalvertretern nicht unterscheidbar sind, finde ich irgendwie verwandt drollig.
  • Bei manchem vermeintlichen Führungspersonal aus Politik und Wirtschaft ist es vermutlich gut, dass die an eigener Statt einen Pressesprecher vorschicken, der zwar nichts und dieses wohlgedeichselt von sich gibt, aber zumindest das Bespringen der vollen Anzahl von Fettnäpfchen vermeidet.
  • Und wen fragt man oft zur Zukunft, zu Kreativität und zu noch nicht betretenem geistigen Land? Verbeamtete z.T. antriebsarme Professoren, andere vor allem ältere Damen und Herren mit einem deutlichen mehr an Geschichte als Zukunft sowie Politiker, die oft (viel zu oft) exakt im Zeithorizont der jeweiligen Legislaturperiode und in kammeralistischem Gestrüpp und Interessensbalancegebäuden denken.

Wozu traktiere ich Sie mit diesem Anlauf mit so vielen verschiedenen und nicht ganz zusammen passenden Beispielen? Weil ich heute auf diesen tollen Artikel gestoßen bin, den ich unbedingt zur Lektüre empfehlen möchte und der eine Antwort anbietet, die ich rüberklickunwilligen Lesern auch hier schon verrate: John Cleese als kreativer Kopf der Monty Python Truppe hat sich mit dem Thema Kreativität beschäftigt. Einer also, der es wirklich wissen sollte.

Und was können Sie daraus als Honig saugen? In der Firma oder im Bekanntenkreis gibt es womöglich Künstler, die sich mit der Erschaffung von Artefakten aus Materialien verschiedenster Art oder Sprache beschäftigen. Nutzen Sie doch mal deren Potential, ohne die üblichen Scheuklappen etwas neu zu denken, um neue Produkte und Dienstleistugen zu entwickeln oder Prozesse aus einem anderen Blickwinkel zu durchleuchten. Sie müssen ja nicht gleich die Entscheidungsgewalt abgeben. Aber ein Zuviel an neuen Ideen beklagen wohl die wenigsten von uns…

  1. Nachtrag
    In einem Folgeartikel wird auch höchst amüsant verraten, wo John Cleese seine Ideen her bekommt. Lesen!

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