Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

  • Umfragen

    Sorry, there are no polls available at the moment.
  • Werbung

Ey, Schulterblick!

Erstellt von knutpankrath am Dienstag 7. Oktober 2014

Heute gegen 11 Uhr in der Jugendverkehsschule Moabit. Eine Schulklasse übt praktisch auf den vor Ort vorhandenen Fahrrädern. Es gibt gerade eine von den anleitenden Erwachsenen besonders beobachtete Aufgabenstellung, die für das vermutete Alter der Lerner recht komplex ist. Geduldig werden besonders auffällige Unachtsamkeiten einzelnen Kindern kurz erklärt. Es ist deutlich zu bemerken, dass die praktischen Fahrfähigkeiten der Kinder sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Einige fahren schon ein paar Meter vorausschauend, während andere froh sind, einigermaßen die Spur halten zu können.

Diese nicht atypische Spreizung von Fähigkeiten ist zumindest an Grundschulen in Moabit eine zusätzliche Herausforderung für Lehrer und Sozialarbeiter. Später fällt mir dazu der Begriff soziales Lernen ein, der in politischen Sonntagsreden gern postuliert wird, während am Montag die dazu notwendigen Voraussetzungen von der Verwaltung weggespart werden.

An einer Stelle, die etwas weiter weg von der besonders beaufsichtigen Situation liegt, wurde eine kleine Baustelle aufgebaut. Aufgabenstellung hier ist es anscheinend, die Geschwindigkeit so weit zu verringern, dass die Übenden per Schulterblick auf Autoverkehr achten sollen, dann Handzeichen geben und die Baustelle Fahrt aufnehmend passieren sollen. Das klappt unterschiedlich gut. Als es einmal gar nicht klappt, ruft der nachfolgende Fahrer kurz, laut und situationsgerecht “Ey, Schulterblick!”.

  • Der Junge dokumentiert damit, dass er die eigene Aufgabe verstanden hat.
  • Er hat gleichzeitig die nicht gemeisterte Aufgabe eines Kameraden beobachtet.
  • Er hat seinen Vorfahrer gewarnt, was in der Realität auf Berlins Straßen einen Unfall hätte vermeiden können.
  • Er hat seine eigene Kenntnis stabilisiert und geteilt.
  • Nicht nur der “Falschfahrer” und der “Hinweiser” haben das gehört. Auch die Folgenden waren gewarnt und wieder auf die Aufgabe fokussiert.

Ich fand das richtig toll. Ich frage mich, wie das auf einem Schulhof hätte stattfinden sollen. Vermutlich wäre das gar nicht gegangen, weil vor lauter Enge und kleinteiliger Kontrolle kaum freies Fahren aufkommt, bei dem eine solche positive Gruppendynamik erst aufkommen kann.

Ein weiter Grund, warum ich für den Erhalt der #jvsmoabit bin und herzlich darum bitte, ggf. noch unsere Petition zu unterschreiben.

Verwandte Beiträge