Knut Pankrath

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Gemüsedrama, Grammatikschwäche oder Marketinggag?

Erstellt von knutpankrath am Samstag 8. Dezember 2012

In einem Supermarkt meines Vertrauens (REWE), dem ich insbesondere vertraue, dass er der nächstgelegene meines Wohnortes ist, fand ich eine Verpackung, die optisch wohl ein Produkt der Gattung Convenience signalisiert. Vermutlich wird das Produkt tagtäglich so häufig und gutgläubig wie nahezu unterbewusst von Menschen gekauft, die sich nichts dabei denken. Ich schaffe es ja auch mal, mir viel zu denken und die daraus abzuleitenden Handlungen aus dem denkgefüllten Moment in eine aktionsgeeignetere Zukunft zu verschieben. Das kommt oft überlegt und zuweilen auch mal schlicht lahm daher. Aufmerksame Leser werden bemerken, dass wir dem Thema bislang nicht unbedingt energisch auf der Spur sind. Ich könnte als Ausflucht einflechten, dass auch im “richtigen” (haha) Journalismus die Nichtmeldung (wie: A + B einigen sich erneut NICHT.) oder der verzögernde Details ausleuchtende Kringel auch zum Schinden von Zeilen oder Sendesekunden verwendet wird. Mache ich aber nicht.

Stattdessen zeige ich Ihnen einen optischen Ausschnitt der Packung. Und dann möchte ich von allen ein “häh?” oder ähnliches hören, die den Bezug zur Überschrift nicht umgehend sehen.

tomaten

Wie bitte?

Nicht so laut, bitte. 8-)

Tomaten passiert. Gemüsedrama? Das könnte doch ein Hilferuf sein. Was ist passiert? Wann ist es passiert? Wer außer den Tomaten war beteiligt? Wo ist es passiert? Sie ahnen, dass das einen engagierten Menschen kaum kalt lassen kann wie ein schönes sommerlich erfrischendes Gazpacho. Und wo war eigentlich Foodwatch, als den Tomaten etwas passierte?

Tomaten passiert. Grammatikschwäche? Was bei preislich herausfordernden Eigenmarken des Handles im Vergleich zu Herstellermarken auch denkabr ist, dass der Texter sich nicht dessen bewusst war, dass der Plural Tomaten ein plurales Verb, in dem Fall passieren gefordert hätte. Obschon sich die Frage des Sinns einer solchen Aussage damit auch nicht restlos erklären ließe. Ehrlich gesagt wirkt mir diese Theorie momentan auch am wenigsten wahrscheinlich.

Tomaten passiert. Marketinggag? In einer Zeit, wo Flaschen unkaputtbar sind (Danke Coca-Cola) oder es irgendwo heißt “Da werden Sie geholfen” (Danke Verona ihr sein Texter), ist alles möglich. Ich vermute beim Pitch um die Verpackung einen Kreativen, der eigentlich diese Idee für den Kunden hatte: “Tomaten? Passiert.” Also passiert im Sinne von erledigt. Dann hat sich der Kunde nicht so recht getraut und die Agentur ist eingeknickt, um wenigstens den Etat zu retten, wenn schon alle guten Ideen gekillt wurden.

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2 Kommentare zu “Gemüsedrama, Grammatikschwäche oder Marketinggag?”

  1. HeBu sagt:

    Bitte passieren Sie, hier gibt es nichts zu sehen.

  2. Martin Rücker, foodwatch sagt:

    Die Verbraucherorganisation foodwatch legt wert auf die Feststellung, dass wir keine Kenntnis davon hatten, dass irgendwo irgendwelchen Tomaten etwas passiert ist. Hätten wir das gewusst, wir hätten mit E-Mail-Beschwerden und lebensgroßen Tomatenkostümen dagegen protestiert.

    Heute reichen wir unsere Stellungnahme nach, und zwar in aller Deutlichkeit: Es ist ein Skandal, wenn Tomaten etwas passiert! Jede Tomate, der etwas passiert, ist eine zuviel. Aus Verbrauchersicht sind diese Zustände nicht akzeptabel. Die Verbraucher können das nicht verhindern, weil sie gar nicht informiert werden. Es ist die Aufgabe von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner, das zu verhindern – der Fall zeigt doch exemplarisch die Schwachstellen im System der Lebensmittelsicherheit: Bei der Politik von Frau Aigner ist kein Lebensmittel sicher, nicht einmal eine Tomate. Wir brauchen daher einen klaren Warnhinweis auf der Tomate, und zwar BEVOR dieser Tomate etwas passiert ist – denn nur dann kann das schließlich verhindert werden. Frau Ministerin, übernehmen Sie!