Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Handelsregister – nicht eben barrierefrei

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 21. Juli 2011

Phantasiemangel als Barriere

In meiner Erinnerung war das Handelsregister (kurz: HR) von Berlin immer am Amtsgerichtsplatz in Charlottenburg zu finden. Mir ging die Phantasie ab, dass so etwas sich ändern könnte. Deshalb machte ich mich kürzlich auf den Weg gen Charlottenburg, ein paar Einträge live und vor Ort anzuschauen. Allein es HAT sich etwas geändert. Nunmehr zu finden ist das Register nämlich in der Hardenbergstraße 31 im Gebäude des Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Der neue Standort ist auf jeden Fall zentraler und damit für viele Menschen besser erreichbar.

diskutables Schutzbedürfnis als Barriere

In den – oh weh das von mir – guten alten Zeiten ging man frohen Mutes in das Amtsgericht und konzentrierte sich darauf, im Labyrinth der Treppen auf dem Weg zum HR nicht verloren zu gehen. Am neuen Ort wurde ich mit der Bitte nach Vorlage eines Personalausweises “beglückt”. Mein Gedanke dabei sofort: Kann und soll es so sein, dass vor die Einsicht des Handelsregisters ein Blick auf Personaldokumente verpflichtend ist? Ich mag das nicht. Und ob per Definition jedes Dienstgebäude oder Gerichtsgebäude so zu schützen sei, ließe sich in einem freiheitlichen (so jedenfalls die Sonntagsreden Regierender) Land trefflich diskutieren.

bauliche Barriere(n)

Ich habe mir leider nicht gemerkt, wie der Zugang BIS zur Tür gestaltet ist. Ob der Zugang mit Rollstuhl, Kinderwagen ausreichend einfach erlangt werden kann. Das tolle Projekt Wheelmap hat dazu auch noch nichts für mich Eindeutiges, soweit ich die Karte korrekt gelesen habe. Allein die derb schwer aufgehenden Metalltüren des Gebäudes scheinen mir in Richtung survival of the fittest (oder fattest?) ausgelegt zu sein. Ich kenne Menschen, die das mangels M(uskelm)asse nicht schafften, falls da nicht doch noch eine mir verborgen gebliebene Automatik eingebaut ist, gegen die ich sinnlos angerannt wäre…

Geld als Barriere

Wer Leistung – im Sinne von Kraft mal Weg – erbringt und sich selbst in Räume begibt, in denen man öffentliche Daten in einem Intranet ansehen darf, kann dies kostenfrei tun. Kopien und Ausdrucke kosten etwas, was auch im Sinne kostengünstiger Verwaltung nachvollziehbar und zu loben ist. Warum allerdings der online Zugriff kostenpflichtig ist bzw. sein soll, erschließt sich mir nicht. Wird doch durch diese Zugriffsart auf Dauer der derzeit verwendete Raum überflüssig, in dem nach kunstvoller Planung Mitarbeiter sitzen, deren Beitrag für eine wachsende Volkswirtschaft auch eher nebulös sein dürfte. Denn welchen Wert schaffen sie? Ich habe die dort hockende Dame nur als brummeliges Beispiel einer typischen Nichtdienstleisterin wahrgenommen.

Vision des Handelsregisters

  • Der online Zugriff auf alle europäischen Handelsregister ist via Internet anonym und kostenfrei möglich.
  • In allen öffentlichen Gebäuden (z.B. dann ehemalige Bürgerämter) stehen kostenfrei nutzbare Abfragestationen für alle Dienste, die Behörden u.ä. staatliche Angebote zur Verfügung stellen.
  • Die Benutzerschnittstelle der Angebote ist selbsterklärend gestaltet und mehrsprachig. Übersetzungen wurden von der Zielgruppe als crowdtranslating Projekt durchgeführt.
  • Audrucke, beglaubigte Ausdrucke oder anderweitige rechtssichere Datenausgaben werden zu Preisen knapp über transparenten Selbstkostenpreisen angefertigt. Bezahlung kann bar oder unbar, kartengestützt oder rein online mit allen gängigen Systemen erfolgen.

Sie glauben, das seien unrealistische Ideen oder Forderungen? War Frauenwahlrecht auch mal…

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