Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Heinar gegen Steinar

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 22. Juli 2010

Nürnberger Prozess

Der Eigner der Kleidungsmarke Thor Steinar hat den Schöpfer der satirischen Kunstfigur namens Storch Heinar verklagt. Die Details der Klage werden als unwesentlich für diesen Beitrag ausgelassen. Wer sich für diese Spitzfindigkeiten interessiert, wird anderswo sicher nachrichtlich bestens bedient. Da es sich – von außen schauend – mindestens auf einer Ebene um eine politische Auseinandersetzung handelt, ist der Ort Nürnberg als ehemalige Stadt der Reichsparteitage schon von besonderem Interesse.

Marke und Ruf

Marke

Die Macher und juristischen Vertreter des Lagers Thor Steinar scheinen sich auf das Markenrecht zu berufen, soweit ich das auf den ersten Rechercheblick erkennen kann. Wenn man eine solche Klage gewinnen will, kommt es grob vereinfacht auf die objektivierte Gefahr der Verwechslung der Marke mit ihrem Nachahmer an. Unter objektivierter Gefahr sei hier verstanden, dass weder die Ausführungen der klagenden noch der beklagten Seite vor Gericht den Ausschlag geben, sondern z.B. das, was eine Stichprobe der Gruppe “der Mann und die Frau auf der Straße” denken, wenn man ihnen 2 beispielhafte Vergleichsobjekte vorlegt. Meine Vorlesungen in Markenrecht sind schon eine Weile her, aber die mir bekannten Bespiele für eine vermeintliche Markenverletzung dürften wenig Aussicht auf Prozessgewinn haben.

Ruf

Es drängt sich die Vermutung auf, dass man das Spottpotenzial der Idee Storch Heinar erkannt und als bedrängend eingeschätzt hat. Denn neben der Marke (grob ein Label für ein Produkt) gibt es auch den Ruf der Marke, der nicht so einfach zu schützen ist. Und der wird angegangen. Heftig sogar. Da in unserem Land die satirische und humorvolle Auseinandersetzung mit Personen, Ideen und Meinungsäußerungen aus guten Gründen recht gut geschützt ist, scheint man einer inhaltlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen und es formaljuristisch zu probieren.

Ausgang

Losgelöst von einem stattfindenden oder ausfallenden Prozess im Sinne einer rechtskräftigen Urteilsfindung, stellt sich die Frage, was wer maximal gewinnen kann.

  • Der Markeninhaber von Thor Steinar kann vielleicht die Auslieferung oder Weiterverbreitung einzelner Motive stoppen, auch wenn nicht einmal das sonderlich wahrscheinlich wirkt. Gegen satirische Guerilla-Taktik ist kaum ein Ankommen möglich.
  • Der Schöpfer von Storch Heinar dürfte mit seinem Surfbrett mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Wellen von Interviewanfragen surfen. Ob der postulierte politische Kampf gegen rechte Ideen damit befördert wird oder die Geschichte über Verkäufe von T-Shirts eher ökonomisch Rendite abwirft, wird die Zeit zeigen.
  • Heinar wird vermutlich zeitnah fürs Eisarne Kreuz vorgeschlagen. 8-)

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