Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Herbst ist lecker

Erstellt von knutpankrath am Freitag 14. November 2014

Mein Denkapparat wollte vormittags nicht so recht das tun, was ich wirklich produktiv gefunden hätte. Die Abwesenheit einzuhaltender Termine und das Wetter luden mich irgendwie ein, ein Stündchen in den Wald zu gehen. U-Bahn, S-Bahn, zack war ich am Grunewald. Eine Kindergruppe sowie eine Gruppe Stockenten (vulgo: Nordic Walker) kämpfen auf voller Breite des Weges darum, wer mehr Passanten behindern kann. Ich sehe das bereits aus hinreichender Entfernung, um in einen anderen Weg zu scheren, den ich eher selten nutze.

Nach weniger als 150 Metern riecht es irgendwie verdächtig. Ich verlasse den Weg und finde nach ein, zwei Minuten einen Röhrling. Der Fuß ist nicht rot, eine minimale Probe ist nicht eklig bitter, somit ist der Kamerad als essbar eingestuft und wandert in die vorsorglich mitgeführte Papiertüte. Die finde ich praktischer als ein sperriges Körbchen, das insbesondere leer spazieren zu führen ich doof finde. Und Plastiktüte für sensible Pilze? Niemals.

Ich laufe einen Bogen durch den Wald und komme auf meinen Stammweg. Hin und wieder schaue ich etwas genauer und finde auch weitere Pilze. Nach einer knappen Stunde Spaziergang mit etwa einem Drittel davon gezielter Suchzeit habe ich 10 Pilze in der Tasche. Zur Beute zählen 6 Parasol (oder sehr nahe Verwandte) sowie 2 normale Röhrlinge und zu meiner Begeisterung 2 Steinpilze. Bei näherer Betrachtung überstehen 2 von 10 Pilzen die Qualitätssicherung nicht. Vorsichtig ausgedrückt, waren die beiden innen etwas arg lebendig.

pilzsymbolbild

Nicht Teil der Beute, aber hübsch.

Mittag und Nachmittag vergehen; bei Eintreffen der Tochter zu Hause führe ich meine Beute vor. Wir hatten vor ein paar Wochen mal mit großem Spaß und Eifer mein Pilzbestimmungsbuch angeschaut. Augen leuchten.  Noch bevor ich den ersten Pilz aus der Tüte hole kommt die Frage, ob Steinpilze bei sein. Die waren im Bild offenbar bereits beeindruckend. Kind trotzdem so: “Ich mag keine Pilze essen! Darf ich aber beim Kochen helfen?” Natürlich darf sie. Sie kennt übrigens bisher nur Kulturchampignon aus unsäglicher Verpackung.

Riesenschirmlinge

Symbolbild, in Wirklichkeit 2015er Saison ...

Die Parasols werden entstielt, von Laubresten befreit und aufgereit. Ein Teller mit kindlich gequirltem Ei, gesalzen und sanft gepfeffert, einer mit Paniermehl. Pfanne mit Butter in Brattemperatur. Nun kommt die Ferkelei: Pilze erst durch das Ei und dann im Mehl suhlen und ab in die Pfanne. Von beiden Seiten nach Gusto braten. Ich mag es sanft braun. Und ich ziehe diesen saisonalen Leckerbessen inzwischen manchem Fleischgericht vor. Natürlich biete ich der skeptischen Tochter einen Happen an. Es schmeckt! Yes. Als ich noch eine dünne Scheibe vom rohen Steinpilz anbiete, sieht man ein vorsichtig kauendes, genießendes Gesicht. Nächstes Mal wird es womöglich nicht bei zaghaftem Probieren bleiben…

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