Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Hinsehen und zupacken

Erstellt von knutpankrath am Samstag 20. September 2014

Ich frage mich gerade, ob ich solche vorzugsweise gelebten Geisteshaltungen wie hinsehen und zupacken bürgerlich nennen soll oder einer anderen Gruppenbezeichnung für Menschen zuordnen soll. Das wird ja gern in der Theorie von vielen reklamiert und in der praktischen Situation findet sich immer ein Grund, dass das gerade eine Ausnahme ist. Sei es drum.

Setting U-Bahnhof Turmstraße

Etwa ein halbes Dutzend Jungs mit Sporttaschen bilden eine eher etwas unruhige Gruppe auf dem Bahnsteig. Ihre Sporttaschen und ähnliche Sportkleidung lässt den Schluss zu, dass es sich um Fußballer auf dem Weg vom oder zum Training/Spiel handeln könnte. Sie sind im Schnitt geschätzte 10-11 Jahre alt.

Hinsehen

Das in unseren Zeiten typische Einhandessen teils fragwürdiger Qualität sorgt dafür, dass der eine oder andere der Jungs nach dem Auffuttern von was auch immer eine zerknüllte Tüte mit oder ohne Fresspappe in den Händen hält. Ein Junge schaut sich um. Er geht 2-3 Schritte an einen der Pfeiler, die die Decke des U-Bahnhofs tragen. Er schaut sich in einige Richtungen um, ob er beobachtet wird. Wird er. Von mir. Sichtbar. Ich gewinne das mehrsekündige Anschauduell. Er merkt, unauffälliges Fallenlassen fällt aus. Er sucht jetzt mit den Augen und findet – welch Wunder – einen weniger als 3 Meter von ihm entfernten Mülleimer. Der wird befüllt.Ich wende mich ab.

Zupacken

Ein weiteres Abfallbündel, welches vormals einen Snack beherbergt hat, wird einen Moment später zum Gegenstand unterschiedlicher Auffassungen von Entsorgung. Die Jungs kicken das Ding so durch die Gegend, dass ein Sturz von dem Zeug in die Gleise nicht aktiv angestrebt aber billigend in Kauf genommen wird. Ein Schuss weg von der möglichen Absturzkante landet nicht wirklich zufällig direkt vor den Füßen eines Passanten, der offenbar an anderer Stelle auf den in Kürze einfahren Zug warten will. Der Mann bückt sich kurz, sammelt den Abfallknödel auf, geht am Papierkorb vorbei und versenkt das Objekt dort. Aus der Traube der etwas irritierten Jungs höre ich ein “Da gibt es nichts zu lachen.”. Irgendwie ist der Truppe das alles doch ein wenig peinlich.

Ergebnis

Zwei Portionen Müll sind nicht irgendwo in der Landschaft, dem Bahnsteig oder im Gleis gelandet. Die Jungs wurden ohne großen Aufwand an die Regeln sinnigen Zusammenlebens erinnert. Ein paar umstehende Menschen haben gesehen, dass die Sache mit hinsehen und zupacken funktionieren kann. Vielleicht steckt das ja an. Also mir gefällt dieser Gedanke.

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