Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Humanzoologie: Feinde des Lobo internetensis

Erstellt von gemeinschaft am Montag 25. Januar 2010

Was müssen das für Bäume sein, wo die großen E-le-fan-ten spazieren geh´n ohne sich zu stoßen? (Kinderlied)

Lobophobiker, Lobobasher und dumpfe Claqueure oder: eine Typologie seltsamer Teile deutschsprachigen digitalen Raums

Bevor noch irgendein armer Websoziologe im 6. Semester jetzt – oder später ein Internetarchäologe ohne Kenntnis der umgebenden Zeit – auf das Phänomen stößt, stelle ich die Frage lieber hier jetzt selbst und bitte die Leserschaft um fallweise notwendige oder erwünschte ergänzende, zustimmende oder andersartig wertende Einwürfe und Freistöße.

Warum wird ausgerechnet der bundesdeutsche Blogger, Autor, Journalist und Werbetexter Sascha Lobo ebenso großzügig wie -mäulig mit Schmähungen bedacht, die sich prima mehrere Dutzend Anderer teilen könnten, vermutlich ohne einen Mangel an negativem Feedback im täglichen Leben zu beklagen?

Typenthese

Ich bin durch außentemperaturoptimierte Denkleistungen gepaart mit zufälligen Ein- und Ausgaben zu dem vorläufigen halbamtlichen Ergebnis gekommen, dass große Teile des negativen Feedbacks auf Leben und Wirken von Sascha Lobo mit dem jeweils vermeintlich kritisierten Inhalt nichts (für Berliner: nüscht) zu tun hat. Daraus ergibt sich die Arbeitsthese, dass es Typen oder Klassen von Kritikern geben könnte, die jeweils durch eine gemeinsame Eigenschaftsgruppe kennzeichenbar sind. Trotz langer Historie von Java fehlen dort solche Klassen, was vielleicht auch ganz gut ist.

vorläufige Typologie

Bis zur Einberufung einer WC3-Konferenz durch selbstgefällige Kloriphäen oder Deutschlands erstes BooCamp biete ich eine tiefwissenschaftliche Typologie an, die mir mindestens bis zur Veröffentlichung vollständig erschien und bei der ich das Fehlen Ihres noch fehlenden Punktes elegant einkalkuliert habe, damit auch Sie hier zu Wort kommen.

Neider

Wer ständig brav an minder aufregenden Dingen arbeitet, die nicht eben auf großes Echo stoßen, könnte schlicht neidisch sein, dass da ein Mann seinen Weg auf seine Art geht und in einem irgendwie seltsam konstruierten und hinkenden Vergleich unverdienterweise mehr Erfolg hat.

tretende Trittbrettfahrer

Wenn andere dem Lobo sprachlich eins überbraten, können ewige Jasager und Nachmacher offenbar nicht anders als in den kakophonischen Chor einzufallen. Daher kommt vermutlich auch der Begriff Einfallspinsel.

Teilchecker

Es gibt offenbar ausreichend Menschen, die zum einen keinen Spaß und von komplexeren Dingen höchstens einen Bruchteil verstehen. Die fühlen sich durch Witz und Eloquenz x-beliebiger Menschen gern persönlich angegriffen. Und die hauen bar jeder Sinnhaftigkeit lieber auf ein Symbol ein als ihre Art der Rezeption oder ihren Bildungspegel mal in Frage zu stellen oder gar aufzupolieren.

digitale Neandertaler

Die Art und Weise, wie Lobo und andere gar munter auf versteinerte Regeln uralter Märkte pfeifen, macht einige Menschen nervös, die schon immer ausschließlich in Linienführung, Gehorsam und formellen Qualifikationen gedacht haben. Auch hier steht unser Forschungsobjekt für Neuerungen, die per se abgelehnt werden. Und ein einfaches Feindbild ist doch auch schon mal was wert.

Apokalyptiker

In jeder Gesellschaft gibt es eine Gruppe, die aus eigenen Stücken oder gegen Entlohnung durch interessierte Kreise den Untergang der Welt, des Abendlandes oder einer beiliebigen anderen Institution mit dem Aufkommen bestimmter Gedanken (Freiheit!), Menschen (Migranten!) oder Technmologien (Internet!) zu verknüpfen bereit ist. Das muss keinen wissenschaftlich oder anderweitig belegbaren Sinn ergeben; eine dumpfe Schlagzeile auf möglichst viel Papier gedruckt oder anders in die Welt geblasen tun es auch. Für diese Gruppe z.B. ist es schwer erträglich, dass jemand anders als sie aussieht, andere Formen der Arbeitsorganisation als ihre vorzieht und gar keckerweise offensichtlichen Spaß an dem hat, was er tut. Schließlich muss Arbeit weh tun, öde sein und keiner soll es einfacher haben als man selbst.

Aufruf zur Erweiterung und Diskussion

Anders als in den alten Medien ist mit meiner Veröffentlichung des Beitrags die Angelegenheit nicht erledigt, die Messe nicht gelesen und der Drops nicht gelutscht. Sondern ich bitte ausdrücklich darum, in gemeinschaftlicher Arbeit die Typologie weiter zu entwickeln.

Sinn und Ausblick

Die mehr oder minder öffentlichkeitsorientierte Arbeit zahlreicher Menschen, die im neuen Jahrtausend angekommen sind, wird früher oder später dazu führen, dass auch sie inadäquaten Äußerungen Dritter ausgesetzt sein werden. Der Rückgriff auf eine griffige und vielleicht nicht ganz bierernst gemeinte Typisierung kann es erleichtern, damit umzugehen. Erste Flames, dumme Kommentare und Trolls gehören nicht eben zu den Dingen, die man sich zu Weihnachten wünschte…

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