Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

IBB Förderfibel 2010/2011

Erstellt von knutpankrath am Freitag 16. Juli 2010

Definition

Die 154 Seiten starke Druckversion der IBB Förderfibel 2010/2011 enthält eine Auflistung zahlreicher Konstrukte, denen Nützlichkeit zur Finanzierung von Gründungsvorhaben oder dem Betrieb von Unternehmen unterstellt wird. Für Freunde des körperlos Digitalen finden Sie hier die online Version der IBB Förderfibel 2010/2011 als .pdf Datei. Ich habe auf einen Abgleich verzichtet und vermute deckungsgleiche Inhalte zwischen beiden Versionen.

Das Impressum nennt als Verantwortlichen die Abteilung Kommunikation der Investitionsbank Berlin. Eine englischsprachige Version als .pdf Datei soll es auch geben.

Statistik

Da ich über die Jahre aus unterschiedlichen Gründen nie ernsthaft eine Finanzierung meiner Aktivitäten von außen in Betracht zogen, habe ich das Heft immer nur zur Kenntnis genommen, mich aber nie ernsthaft damit beschäftigt. Das wird nun ein wenig anders.

Ich habe unter Bedingungen, die einen Zählfehler zumindest nicht ausschließen, folgende nackte Zahlen für Sie im Angebot:

  • Die Gesamtzahl der besprochenen Programme liegt bei 90.
  • Als ausdrücklich für Gründer geeignet werden 34 der Angebote eingestuft.
  • Bei 29 Angeboten wird die EU als (co-)finanzierend benannt.

Ganz hübscher Förderdschungel das. Allein die Zahlen lassen vermuten, dass normale kleine Unternehmer mit der Materie an ihre Grenzen stoßen und Beratung benötigen. Ob die Absicherung von ein paar Beratern bereits gute Förderung darstellt, lassen wir hier als Frage mal links liegen, außer ein Leser wirft sie in den Kommentaren unter dem Beitrag zu einer wichtigen auf.

Sprache

Irgendwie musste ich schmunzeln. Und ein wenig Neid kam auch auf. Warum? Auf dem Titelblatt finden wir den Begriff Förderfibel. Das besteht aus dem Gutmenschenwort fördern sowie der zumindest in meiner Sprachwahrnehmung verniedlichenden Fibel, die uns teilweise an nette Schulzeiten erinnert. Und dann wird noch mit dem Begriff Ratgeber hausiert. Hallo? Wie genial ist das denn? So viel nette, harmlose und einladende Wörter für etwas, das bei nüchterner Betrachtung vor allem eines ist: Ein Verkaufsprospekt für teilweise komplexe Finanzprodukte, denen irgendwelche Eigenschaften zugeschrieben werden und bei denen die Kosten-Nutzen-Relationen – auch für die Zielgruppe – vermutlich weniger präzise vorstellbar sind als bei einem Korb Äpfel.

Kritik

Ideen ohne stabiles Ertragsmodell

Gelegentlich beschleicht mich das Gefühl, dass die inszenierte Niedrigschwelligkeit, mit der auch Projekte ohne einfach erkennbar stabiles Ertragsmodell an die Aufnahme von Krediten geführt werden, eher dem Kreditgeber als dem “Geförderten” zu Gute kommen. Machen wir uns nichts vor: Finanzierung, Kredit und Darlehen sind auch nur andere Begriffe für Schulden. Und die sind nur so lange harmlos, wie die Rückzahlung ohne Extrakraftanstrengung läuft.

Ideen ohne Finanzierungsbedarf

Gerade im Bereich BPWservice habe ich als Juror zahlreiche Pläne gesehen bzw. von Ideen auf den Kontaktabenden gehört, die bei Anwendung recht überschaubarer Denkmethoden ihren Finanzierungsbedarf deutlich senken oder sogar nahe 0 bringen könnten. Und es kann und soll eigentlich nicht sein, dass Gründer einen teils erheblichen Teil ihrer Erträge für einen Schuldendienst aufbringen müssen, der bei ein paar erledigten Hausarbeiten mehr nicht notwendig wäre.

Kosten für Antrag und Reporting

Ob Sie als Gründer oder bereits aus dem laufenden Geschäft etwas finanzieren müssen: Schauen Sie sich bitte auf jeden Fall an, welchen Aufwand Sie a) für den Antrag einmalig und später b) laufend für das Reporting treiben müssen. Das gehört mit einem Stundensatz für diese Arbeit zu den Kosten der Finanzierung.

Zuschuss contra Darlehen

Dieser für die Zielgruppe wirklich wichtige Punkt ist leider weniger schnell ersichtlich als der anbieterzentrierte Ansatz “nach unserer Einschätzung gründergeeignet” bzw. die aus Gründen der Etikette erfolgende Auszeichnung als EU (co-)finaziert. Gerade die Relation von möglicherweise einspielbarem Zuschuss zu den Kosten für Antrag und Reporting würde ich mir gründlich anschauen. Vielleicht schaffen Sie doch für den Anfang die berühmte fff-Finanzierung? (friends, family, fools)

Erfahrungen?

Wenn Sie Erfahrungen mit einem der Instrumente aus der Förderfibel haben, teilen Sie diese doch bitte mit den anderen Lesern. Es wäre doch schön, wenn Ihre guten Erfahrungen reproduziert und leider passierte Fehler vermieden werden. Bleibt doch irgendwie in der Familie derer, die etwas erschaffen wollen…

Verwandte Beiträge

Ein Kommentar zu “IBB Förderfibel 2010/2011”

  1. Businessplan » Blog Archive » IBB Förderfibel sagt:

    [...] Ich habe mir mal die aktuelle IBB Förderfibel angesehen. Und ein paar Gedanken dazu notiert. Wenn Sie das interessiert, finden Sie hier den Beitrag zur IBB Förderfibel 2010/2011. [...]