Knut Pankrath

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Impressionen Basketball Ostercup Moabit

Erstellt von knutpankrath am Dienstag 14. April 2015

Basketball ist so eine Sache. Der Ball ist ob seiner Härte und seines Gewichts nach eigener Erfahrung prima geeignet, sich schon mal einen Finger umzuknicken und die Zeiten als Basketball zumindest auf dem Papier als körperloses Spiel galt, scheint eher 20. Jahrhundert zu sein. Trotzdem hatte ich früher bei einer Runde Aufwärm-Shoot-Out vor dem Leichtathletiktraining schon viel Spaß.

Soweit mein persönlicher Bezug, der mich als Zuschauer an 3 Tagen zum Ostercup in verschiedene Sporthallen von Moabit gelockt hat. Es war auch mal interessant zu sehen, in welchem Zustand Hallen und Sanitätsbereiche sind. Sagen wir es mal so: Da geht noch was…

Mein Fazit setze ich mal an den Anfang, damit kleinen Bemerkungen zu Coaches, Spielern, Refs und anderen Themen gleich richtig eingeordnet werden: Es war eine richtig tolle Veranstaltung, die offensichtlich viel Spaß gebracht und Begegnungen über verschiedene Grenzen hinweg erzeugt hat.

Aber nun zu meinen bunt gemischten Gedankensplittern:

Spieler

Hunderte Spieler trafen sich zum sportlichen Wettstreit und mehr oder weniger Party dazwischen. Ich fand es toll, zwischen Spielen Gruppen gut gelaunter Sportler durch die Straßen von Moabit ziehen zu sehen. Verschiedene Altersklassen führten zu unterschiedlichen Spieltypen. Die Minis ließen sich noch öfter verlocken, wie aufgeregte Hühnerhaufen alle direkt dem Ball hinterher zu jagen, während bei den Großen oft schon sehr gute taktische Schulung zu erkennen war, die Räume schafft und den Gegner ständig zu hoher Aufmerksamkeit in der Verteidigung zwingt.

Was ich an meine Jugend ersten Teil zurückdenkend wirklich irritierend fand, war der von einigen Spielern getragene Mund/Zahnschutz bei einem eigentlich körperlosen Spiel. Bemerkenswert fand ich, dass nahezu alle Teams, die ich gesehen habe, sich vor dem Spiel gut aufgewärmt haben. Das empfehle ich anderen Sportlern gern zur Nachahmung.

Richtig gut gefiel mir, dass es neben den vielen Begegnungen für Fußgänger auch ein dem Buschfunk nach mit 8 Teams sehr gut besetztes Subturnier für Spieler im Rollstuhl gab. Prima gefiel mir auch, dass Jugendliche im Publikum eifrig über Regelunterschiede zwischen rollenden und laufenden Spielern diskutierten und ein sein Ziel findender rückwärts angesetzter Hakenwurf (“hook”) genauso lautstark bejubelt wurde, wie bei allen Spielen. Das nenne ich beispielhaft für Inklusion. Erstaunlich fand ich, mit welcher körperlichen Härte Spielerinnen und Spieler Reifen an Reifen standen, fuhren und auch der Beobachtung nach regelgerechte Karambolagen in Kauf nahmen. Leidenschaft am Sport kann Handicaps zum Glück überwinden.

Eine weitere Kleinigkeit, die mir bei Spielern auffiel: Neben dem üblichen Getippe und Hemdchenzupfballett bei Freiwürfen hinaus habe ich oft einen Griff zur Schuhsohle beobachtet, den ich mir nicht so richtig erklären konnte. Profis hier, die mir das erklären können?

Coaches

Die Damen und Herren an der Seite des Spielfeldes fand ich von außen betrachtet teilweise schon ein wenig seltsam. Das fängt an beim stimmlichen Versuch der Einwirkung. Mancher Coach übertönte alle Spielgeräusche plus das Publikum durch Lautstärke und Schrillheit. Als Leichtathlet bin ich eine etwas andere Ansprache gewohnt… Außerdem hatten manche Betreuer scheinbar den unstoppbaren Ehrgeiz, mehr als 100% der Spielzeit auf ihre Spieler einzureden. 8-)

In einem Match junger Damen habe ich besonders deutlich wahrgenommen, dass es große Unterschiede in der Art der Ansprache der Spieler gab. Ein Team erhielt Anweisungen (Zukunftshinweise) nur in Auszeiten und zwischendurch mit ruhigen Gesten. Bei denen lief es. Das andere Team wurde lautstark Fehler benennend (Vergangenheitsbezug) angetrieben. Irgendwann war es gefühlt soweit, dass die armen Spielerinnen nur noch auf kleinteilige Kritik und Anweisungen lauerten, statt sich mit Lust auf das Spiel einzulassen. Ich glaube nicht, das Angst nahe kommender Druck gut für Bestleistungen ist. Nun gut, das war schon ein Ausreißer.

Wofür ich als I-Tüpfelchen negativer Leistungen von Coaches gar kein Verständnis habe, wenn der sein Taktikboard für alle sichtbar während des Spiels so auf den Boden schmettert, dass es in Dutzende Teile zersplittert. Sieht das Regelwerk da nichts vor? Das geht als Beispiel für junge Menschen gar nicht und es war nicht einmal ein besonderer Grund für diesen Aussetzer erkennbar.

Schiedsrichter

Mir ist aufgefallen, dass Männer und Frauen, laufende und rollende Refs sehr gut geleitet haben und durchgängig die Ausstrahlung hatten, dass sie das Spiel jeweils ruhig und fair über das Parkett bringen. Ich habe sehr wenig mir unverständliche Entscheidungen gesehen und nicht ein Mal das Gefühl gehabt, ein Team würde bevorteilt. Hut ab!

Drollig fand ich ja die Zeichensprache, mit der persönliche und Teamfouls sowie andere Botschaften von den Refs zum Tisch mit den Protokollanten gesendet wurden. Es erinnerte ein wenig an Bienentanz. 8-) Mir gefiel neben der vorgegebenen Eindeutigkeit der Gesten, dass mancher Ref seinen eigenen Stil hatte, der z.B. mit besonders sparsamen und eleganten Bewegungen sowie unterschiedlicher Geschwindigkeit auch mal ein wenig Dampf aus dem Spiel nahm, wenn das notwendig wirkte.

Das war ein tolles Turnier für alle Beteiligten, dem ich bei seiner nächsten Auflage noch mehr Zuschauer gönne!

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2 Kommentare zu “Impressionen Basketball Ostercup Moabit”

  1. Andy sagt:

    Wow..eine sehr interessante Blickweise, die mir so noch nie aufgefallen ist..eine sehr nette Zusammenfassung, wirklich beeindruckend.
    Nächstes Jahr können wir dich anstellen für Berichterstattung? Das ist ernst gemeintttttttttt

    BG aus Belgien, Andyyy

  2. Chefin sagt:

    Ebenso bedanke ich mich für diese “neutrale” Stellungnahme und wünsche mir natürlich das nächste mal mehr Zuschauer.

    Zudem unterstütze ich das “welchem Zustand Hallen und Sanitätsbereiche sind. Sagen wir es mal so: Da geht noch was…” Da geht noch sehr viel mehr !!

    Ps.
    Der Griff zu den Schuhe, ist das die Schule “sauber gemacht werden” so zu sagen von Staub und Schmutz befreit. Mancher macht das auch an den Socken. :-)
    Bei Den großen Profis sieht man das nie, weil da die Hallen vorher sauber gemacht werden.