Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

kleckern oder klotzen?

Erstellt von gemeinschaft am Montag 23. März 2009

Ich habe eine These, mit der ich bequemes Denken erschüttern möchte, weil ich dieses für falsch halte. Soweit die Warnung für alle, denen ihre intellektuelle Hängematte wichtiger ist als möglicher Erkenntnisgewinn oder die Prüfung ihrer eigenen Position.

In der Wahrnehmung bzw. der öffentlichen Darstellung besteht Wachstum oder auch keines darin, dass ein paar Dutzend Großunternehmen – oft unabhängig von ihrer wirklichen Leistung im Sinne befriedigter Kundenbedürfnisse – Zahlen mit diesem oder jenem Vorzeichen präsentieren. Das greift zu kurz. Und zwar sowohl in der Beobachtung als auch den daraus gezogenen Schlüssen.

Die sprachlich jonglierten und geplanten Summen zum Schutz bestimmter Branchen sind sowohl in Deutschland als auch anderen Ländern grotesk hoch, wenn man dabei die Verteilung zwischen großen und kleinen Profiteuren anschaut. Das kann nicht gut für eine Gesundung und für Wachstum sein. Warum, werden Sie womöglich fragen. Also gut, ich zähle mal ein paar Beispiele auf:

  • Der vormals übersichtliche Fernsehmarkt  hat mit einem Programm begonnen. Inzwischen kenne ich niemanden persönlich, der die Anzahl empfangbarer Sender auch nur plus minus 10 Stück wüsste. Wenn wir jedoch “ernste Themen” rund um das Medium diskutieren, endet die Wahrnehmung entweder schon bei den öffentlich-rechtlichen oder spätestens nach einer guten Hand voll arrivierter privater Sender. Dabei ist die Wachstumrate aller kleinen nach dieser Gruppe vermutlich schon ohne Videocasts im Web so groß, dass deren kumulierter Marktanteil bemerkenswert ist.
  • Nehmen Sie den Musikmarkt und schauen Sie mal, wie viele kleine und kleinste Akteure inzwischen den vormals großen Acts eine um die andere Verkaufs- und Aufmerksamkeitseinheit abjagen. Auch hier ist absehbar, dass die Verteilung von Umsätzen sich im Sinne des long tail ändert.
  • Das Modell der lebenslangen abhängigen Lohnarbeit greift für immer weniger Menschen. Eine zunehmende Zahl will das auch nicht mehr. Trotzdem scheint die Wahrnehmung oft auf sozialversicherungspflichtige Jobs reduziert zu sein. Auch hier hat die Wachstumsgruppe der Selbständigen, Freiberufler und ((Klein-)st)Unternehmer nicht die in meinen Augen angemessene Aufmerksamkeit.

Die daraus abgeleitete These ist die, dass alle Märkte dazu tendieren, in kleine und kleinste Einheiten zu zerfallen, was noch nicht in der breiten Wahrnehmung angekommen ist. Deshalb bleiben womöglich auch die richtigen Schlüsse zu diesem Megatrend aus. Was wäre das?

  • Wirtschaftliche Förderung sollten bis auf extrem seltene Ausnahmen in wachstumsorientierte Keimzellen und nicht Wucherungen vergangener oder vergehender Industrien gehen. Denn offenbar ist die Zeit bestimmter großer Organisationsformen ein auslaufendes Modell.
  • Vermeintliche Randgruppen wie z.B. aus dem sozialen Bereich oder der Kunst sollten wir animieren, sich in verstärkt ökonomisch handelnd einzubringen. Die Konzentration auf immer die selben Kernbereiche (z.B. Spezialmaschinenbau) zementiert eine Struktur, die mit den wahren Nachfrageumschichtungen nicht mehr zusammen passt und behindert einen notwendigen Strukturwandel.
  • Natürlich ist es schwieriger, mit vielen kleinen Unternehmen / Verbänden zu kommunizieren und die Zukunft zu gestalten. Das ist aber die womöglich einzige Alternative zur bisherigen trägen Verwaltung der bedauernswerten Zustände mit einer handvoll vermeintlich schwergewichtiger Gesprächspartner.
  • Auch junge Märkte wie z.B. der für Businessblogs oder Usabilitydinstleistungen sollten sich überlegen, wie sie sich so darstellen, dass sie nicht als Einzelkämpfer sondern als Markt wahrgenommen werden. Mehr Legitimation haben die Vertreter z.B. der Autoindustrie letztlich auch nicht. Ein solches Handlen ist deshalb besonders sinnvoll, weil es die Kommunikationserwartungen aus der Vergangenheit aufnimmt.
  • Das Ausbildungssystem bringt die ihnen Anvertrauten nur sporadisch und viel zu spät mit Wirtschaftsthemen in Berührung, erwartet aber, dass diese jungen Menschen nach Abschluss ihrer formellen Erstausbildung lebenslang Leitungsträger eines ihnen nur schemenhaft bekannten Wirtschaftsgeschehens werden. Es ist schon interessant, dass die Schriftenreihe GründerZeiten vom BMWi in der aktuellen Ausgabe das Thema Wirtschaft in der Schule aufgreift.

Demokratie wie Wirtschschaft ist eine Veranstaltung, bei der der natürliche Weg der von unten nach oben und von klein nach groß ist. Erinnern Sie sich daran, erinnern Sie ggf. Vertreter von Verbänden und Parteien daran. Oder nehmen Sie Ihr Wort selbst in die Hand und mischen sich ein. Hier z.B. mit Ihrem Kommentar oder mit einem eigenen Businessblog.

Verachten Sie mir also – die Überschrift noch einmal aufgreifend-  nicht nicht die Kleckse!

Verwandte Beiträge

  • keine verwandten Beiträge