Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Kommunikation 2020 – Aufbruch in ein neues Informationszeitalter?

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 16. September 2010

Eigentorvorlage

Die schamlos und ohne Unrechtsbewusstsein von mir bloggertypisch zitierte Titelzeile war im Ursprung das Motto, unter dem der/die/das media coffee Berlin seiner Diskutanten und Lauscher harrte. Im veranstaltereigenen Blogbeitrag über den Abend rudert Autor Jens Petersen diese Nummer teamdienlich wieder zurück. Gerade noch mal die Kurve gekratzt. Schade eigentlich. Ich hätte sonst folgenden mir durch den Kopf gesprungenen Satz im Angebot gehabt: Springt die Katze zu kurz, klatscht sie schon mal in´s Wasser.

Lob des Lobo (@saschahlobo)

Ich habe ja bereits als Rezensent sowie anderweitig öffentlich festgestellt, dass Sascha Lobo in der Lage ist, sinnstiftende Dinge zu erzählen. Ich habe erneut den Eindruck gehabt, dass er mit ein wenig Vorsprung am meisten Anstöße Richtung der richtigen Fragen im Angebot hatte und dabei dank Sprachwitz das Abfeuern gängiger Sprachnebelkerzen am besten vermieden hat. Hübsch auch so kleine Gemeinheiten wie ein joviales “Den Erfolg gönne ich Ihnen.” zu Welt Chefredakteur Jan-Eric Peters, dem Bruchteile vor dessen erstauntem “Danke” ein “Nee, is´ gelogen” folgt. Das ist der Unterschied zwischen einem Manager, der qua “Amt” alles ernst zu nehmen hat und einem Unternehmer, der auch begnadeter Entertainer ist. Ein wenig schade fand ich, dass der Versuch der Sensibilisierung für Mikroöffentlichkeiten (der long tail dieses Marktes) ein wenig unterging und den Reaktionen nach auch nur Teile des Publikums erreichte.

Lob des Wallrabenstein (@walli5)

Was für ein – besonders auch optischer – Kontrast zu Lobo. Die Businessuniform ohne Fehl und Tadel, die Pose des überlegenen Denkers gepaart mit der souveränesken Kontrolle eigener Emotionen. Trotzdem kommen auch hier zitierfähige (OK paraphrasiert aus dem Gedächtnis) Begriffe oder Sätze, die das zuweilen etwas mühsam köchelnde Süpplein der Podiumsrunde gewürzt haben: Echtzeitpublizisten als Beispiel klingt irgendwie geschäfts- und staatstragender als Blogger und Twitterer… Gefallen hat mir in dem Zusammenhang auch “Es ist nicht alles Zeitung, was Papier ist.”

Lob des Augstein

Dass ich einen Publizisten dieses Namens einmal loben würde, hätte ich vor langer Zeit nicht geglaubt. Aber lassen wir Fragen von Sprachgeschmack bezüglich alteingesessener Printtitel mal bei Seite. Augstein reißt den ethisch-moralischen ja aufklärerischen Auftrag des Journalismus nahezu alttestamentarisch und patriarchalisch an sich. In der Rolle lässt er sich von Mikropublizisten und qualitätsreduzierenden redenditejagenden Turboredaktionen mit Erfolg nicht beirren, die auf diesen ihm so wichtigen Rahmen keine Rücksicht nehmen wollen oder müssen oder können. Hut ab. Im Sinne von Unternehmertum steht “making sense” bzw. “mission driven” ja ganz schön weit oben auf der Pyramide anstrebbarer Motive…

Moderation

Kai-Hinrich Renner habe ich als vorbereitet im Sinne von Gesprächsflusserhaltung wahrgenommen. Die Tiefe denkbarer Themen wurde in meinen Augen nicht eben sonderlich energisch ausgeschöpft. Hat er sich zurück genommen? Oder sind die Printleute wirklich so weit weg von dem, was ihnen gemeinsam die Beine weghauen könnte?

Vermischtes

  • Ich war bereits vor dem eigentlichen Beginn mit der Veranstaltung versöhnt. Kommt doch Sascha Lobo in die 2. Etage und grüßt per Handschlag. Ob er sich wirklich dumpf an mich erinnerte? Egal. Habe sowieso noch eine Bitte an ihn, die demnächst zu formulieren ist.
  • War die Ortswahl Kalkscheune rein funktionell oder hat sie eine Konotation? Das ist immerhin die Heimat der re:publica.
  • Das Podium war – bis auf den zwischenzeitlichen Vortrag einiger Twitterwallfragen – von Männern besetzt.
  • Ich habe Sandra Liebich (@dieliebich) nicht getroffen, die mir doch im Kommentar versprochen hatte, mehr über den Titel der Veranstaltung zu verraten. Schade das. Nicht zu verwechseln mit badedas. 8-)

Insgesamt anders amüsant und ertragreich als zunächst gedacht.

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Ein Kommentar zu “Kommunikation 2020 – Aufbruch in ein neues Informationszeitalter?”

  1. Sandra Liebich sagt:

    Lieber Herr Pankrath,

    vielen Dank für diese wunderbar zugespitzte, pointierte Rezension unseres media coffees (im Übrigen “der” media coffee, wie wir finden. Auch wenn “das Café” oder “die Veranstaltung” genauso passen könnte) ;-) ). Schade, dass wir uns im Anschluss nicht mehr gesehen haben. Es war ja auch recht voll mit mehr als 300 Gästen.. Da bleibt uns wieder nur der virtuelle Treffpunkt hier in Ihrem Blog. Apropos Treffpunkt: in der Kalkscheune waren wir bereits 2009, denn der Ort ist bekannt, zentral und media-coffee-kompatibel. Wenngleich mir die Anspielung auf die re:publica schon sehr gefällt.. :-)

    Bis zum nächsten Mal in Berlin (dann hoffentlich auch wieder persönlich),
    Sandra Liebich