Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Kurort Berlin-Altmitte?

Erstellt von knutpankrath am Freitag 20. August 2010

Die Orte der Handlung

Eingerahmt von Berliner Dom und Altem Museum liegt der Lustgarten, der ob seiner Anlage zu allerlei Nutzung einlädt. Ort 1 der Handlung ist eine der durch die Wege begrenzten Rasenareale des Lustgartens. Optik und Akustik dieses Ortes sind einfach einladend. Sie werden noch erfahren, warum auch die Akustik wichtig ist.

Ort 2 der Handlung ist das Grundstück, welches je nach Wertung einst vom Palast der Republik geziert oder verunziert wurde. Auf dem Platz stehend und einmal rundum geschaut fragt man sich schon, wie man ohne selbstdarstellerischen Größenwahn auf die Idee kommen konnte, an diese Stelle so einen Betonklops zu gießen. Die derzeitige – als temporär deklarierte – Nutzung durch Menschen, die den Raum mit ihren Aktivitäten vitalisieren finde ich eine der besonders spannenden Seiten Berlins. Irgendwem fällt immer was ein…

Der Handlung erster Teil

Zu meinem Glück hatte ich eher zufällig mitbekommen, dass eine meiner favorisierten Trommelgruppen Am Ort 1 aufzuspielen gedenke. Das wollte Sapucaiu no Samba zu einem Zeitpunkt tun, den wir mal wissenschaftlich angehaucht T1 nennen wollen. Passend zu ihrem Musikstil (grob: Samba, Batucada) haben sie in Anlehnung an brasilianisches Zeitempfinden ein wenig später begonnen. Zu einem Zeitpunkt T2 kam ein Mann in Sportklamotten angelaufen und sagte dem Dirigenten/Signalgeber der Truppe, während diese eine Menschentraube mit ihrer Darbietung erfreuten, mit unfreundlicher Hektik und Gestik etwas ins Ohr. Danach entfernte er sich und lief sein Mobiltelefon nutzend in Sichtweite aufgeregt hin und her.

Reaktion auf die Handlung

Die Traube der Zuschauer hatte Spaß. Teils tanzend, teils mitwippend ließen sich einige in eine andere Welt locken, in der nur der schöne Abend und die Freude an der Musik zählten. Der Mann in Sportklamotten hatte, wie ich nach dem Set der Band erfuhr, die Polizei gerufen, weil er sich akustisch belästigt fühlte.

Jetzt wird das Rätsel der Überschrift gelöst: Ich frage mich, wie man im Zentrum von Berlin wohnen kann und gerade da seine Ruhe erwartet. Echt mal. Wenn die akustische Beunglückung nicht von Dauer ist und der Verursacher sich an bestimmte Regeln hält, wünschte ich mir mehr Lockerheit von meinen Berliner Mitbewohnern. Auch vergnügte Kinder auf einem Spielplatz sollten weniger Grund zur Klage als zur nachbarschaftlichen Freude sein.

Rechtslage

Auch wenn ich noch keine Paragraphen nennen kann, scheint es so zu sein, dass jedermann ohne behördliche Genehmigung an fast jedem Ort in Deutschland bis zu 30 Minuten ohne elektrische Verstärkung musizieren darf. Wer also mobil ist und jeweils ausreichend – was immer das sein mag -  weiter zieht, kann sich ganz hübsch im Sinne seines Publikums austoben.

Der Handlung zweiter Teil

In der Traube der Zuschauer des Auftritts, der zu einem Zeitpunkt T3 zu Ende war, kamen Publikum und Musiker teilweise ins Gespräch. Die angedrohte Polizei und das denkbare Überschreiten der 30-Minuten-Grenze bargen die Gefahr eines Platzverweises und sprachen für Abbau und Ortswechsel oder Auflösung der Truppe für den Abend. Zum Glück für die Freunde der Trommelmusik war im Publikum ein junger Mann, der sehr vergnügt, freundlich und hartnäckig bat, die Band möge doch bitte herüber zu Ort 2 kommen und dort ein Geburtstagsständchen für eine Freundin spielen. Diese wurde zum Zeitpunkkt T4 sehr damit überrascht und ihre spontane Geburtstagsparty vor Ort sorgte für Applaus nach dem Ständchen auch von anderen dort zufällig Anwesenden. Zum Zeitpunkt T5 war zwar die Musik beendet, aber ich kam noch weiter ins Gespräch mit einigen Musikern. Netter Haufen. Wirklich.

Ach so. Obwohl zwischen den Zeitpunkten T2 und T5 einige Zeit vergangen ist, unterblieb der Auftritt der Polizei. Ob der Mann doch nicht angerufen hat oder unsere Ordnungshüter wichtigeres zu tun hatten, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist mir aber auch egal bei dem gelungenen Abend…

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Ein Kommentar zu “Kurort Berlin-Altmitte?”

  1. öffentliche (?) Probe von Sapucaiu no Samba « Knut Pankrath sagt:

    [...] Da werde ich mal hingehen. Da ich mich in der Regel zu benehmen weiss, wird man mich hoffentlich nicht rauswerfen. Berichte ja auch gern Nettes über die Sapus wie zuletzt hier. [...]