Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Lebensmittelplastinate

Erstellt von knutpankrath am Samstag 19. Februar 2011

Haben Sie einmal bewusst darauf geachtet, wie viel Kunststoffmüll allein im Bereich Lebensmittel bei Ihnen anfällt? Es ist ja ach so praktisch und wir kaufen das natürlich nur ausnahmsweise. Und natürlich kaufen wir sonst beim Markt, einem Fachhändler oder wenigstens an der so genannten Frischetheke. Habe ich neben mich selbst auch Sie ertappt?

Kräuter Kühne

In meiner Wahrnehmung war Kräuter Kühne bislang immer ein etwas altmodischer und durch seine Konsequenz so authentisch wie nachhaltig wirkendes Unternehmen. Ich habe da heute eine in meinen Augen unschöne Beobachtung gemacht:

Es fing alles mit Kümmel an. Genauer gesagt mit Mangel an Kümmel. Das Gewürz kommt bei uns in eine ganze Reihe von Saucen. Also den Weg so gelegt, dass ich zwischendurch zu Kräuter Kühne reinspringen kann. Dort sehe ich eine ganze Reihe von Kräutern und Gewürzen, die ich vorher dort immer nur in den legendären Papiertüten mit diesem Klemmclip gesehen habe, plötzlich in einem Kunststoffbehälter, den ich gar nicht haben will. Also frage ich. Das sei der neue Zug der Zeit und so würde die Ware auch im eigenen Versandhandel angeboten. Das sei auch so, weil in Cellophanbeuteln Teile des Angebots nicht versendet werden dürften. Häh? Europa?

Ich entscheide mich für handabgewogene Papiertüte zum selben Preis, um auch an dieser Stelle zu sagen: Nein, liebe Geschäftsführung, ich will nach Möglichkeit kein unnützes Plastik rund um Dinge, die ich gern essen mag.

Beutel-Tschai

Ich bin gerade zu träge, in die Küche zu gehen, um den Anbieter namentlich zu nennen. Aber Geschmack hin Geschmack her. Muss wirklich jeder einzelne Teebeutel in so ein Geschmackskondom?

Wurst und Käse

Welche Packungsgröße unter der gefühlten 100g-Schallmauer kommt als nächstes, um 2-4 Scheiben Käse oder Wurst essfertig einzuschweissen?

Mettwurst

Ein Spitzenprodukt in Sachen unnützer Verpackung stellt für mich Zimbo mit 3 x 40g Mettwurst her, die jeweils in eigener Kammer eingesperrt werden.

Empfehlung

Probieren Sie gelegentlich mal, gezielt eine solcher Verpackungssünden durch ein möglichst einfach verpacktes z.B. vom Markt zu ersetzen. Das tut nicht weh und hilft. Schließlich beginnt auch ein Marathon mit dem ersten Schritt…

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2 Kommentare zu “Lebensmittelplastinate”

  1. maree sagt:

    Ein schlechtes Gewissen habe ich zwar nicht, aber die Beoachtung teile ich – gefühlte schreckliche zwei Drittel des Mülls im hieisgen Haushalt sind Plastinate. Verpackung bis der Arzt kommt. Zwei Trend sind erkennbar: Produktveredelung durch Design und Haptik des Drumrum und Produktveredelung zum Schutz vor Qualitätsverlust (Aroma etc.).
    Produktveredelung? Produktverelendung!
    Andererseits frage ich mich, wie der herrschende entmündigte Verbraucherhorizont reagieren würde, wenn es wieder loses Schütt- und Stückgut gäbe, dass man sich in das womöglich selbst mitgebrachte Behältnis abwiegen lässt (Milchkanne, gebrauchte Papiertüten, Zeitungspapier …) Verbraucherschützer würde vor mangelnder Hygiene und drohendem Wiegebeschiss warnen.
    Ein Ende mit dem Verpackungswahl aus Plastik und Aluminium wird es geben, wenn beides schlicht zu teuer geworden ist – ich sage nur Peak Oil.

  2. maree sagt:

    Eine Folge der Lebensmittelplastinate ist wohl auch, dass es heute zur Reaktivierung alter Binsenweisheiten wissenschaftlicher Studien bedarf:

    “Zusammenfassend raten die Forscher, Äpfel aufgrund der hochgradig günstigen Effekte auf die Gesundheit in den Speiseplan aufzunehmen – ganz gemäß dem Sprichwort ‘An apple a day keeps the doctor away’.”

    Denn “Getrocknete Apfelringe sind wahre Cholesterin-Killer”, nachzulesen hier: http://www.welt.de/gesundheit/article13151512/Getrocknete-Apfelringe-sind-wahre-Cholesterin-Killer.html