Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Liquidität durch Testerausbeutung?

Erstellt von knutpankrath am Freitag 22. Oktober 2010

Personenszenario

Ein bundesweit agierender Anbieter P1 von Dienstleistungen für Endkunden lässt seine Diensten an den Angebotsorten regelmäßig testen. Diese Aufgabe zur Qualitätssicherung wird im Feld durchgeführt von einer Agentur P2, die auf solche Tests spezialisiert ist. Die Agentur rekrutierte u.a. meinen Informanten den Tester P3, der vor Ort nach einem vorgegebenen Schema den Angebotsort von P1 begutachtet und einen Bericht darüber bei P2 abliefert. Dafür erhält der Tester von der Agentur ein Entgelt, welches letztlich vom Anbieter kommt.

Vorfall

Um testen zu können, muss der Tester beim Anbieter pro Forma einen Vertrag unterschreiben, der für normale Kunden zu Abbuchungen der Gelder für die Nutzung des Angebots führen. Die Agentur hat dem Tester zugesichert, dass eine solche Abbuchung nicht stattfinden wird. Schließlich will der Anbieter seine Tests haben und der Tester dafür bezahlt werden. Nun passierte es aber, das a) entgegen der Aussage der Agentur am 17.09.2010 eine Abbuchung vom Konto des Testers stattfand und b) trotz mehrerer Telefonate zwischen Tester und Agentur der Anbieter das zu Unrecht abgebuchte Geld immer noch nicht zurückerstattet hat.

Folgen

Mein Informant ist ungehalten. Er erwartet das ohne Rechtsgrundlage abgebuchte Geld bis zum 29.10. auf seinem Konto zurück. Eine Berechnung von Zinsen behält er sich ausdrücklich vor, so P1 oder P2 nicht anderweitig phantasievoll von sich aus für einen Ausgleich sorgen. P3 hat mich für die Nichteinhaltung ermächtigt, die Namen des Anbieters und der Agentur auf dieser Seite zu veröffentlichen. Mein Informant verfügt über E-Mail Adressen weiterer Tester, die er mir zu Recherchezwecken überlassen würde. Die Agentur wird von diesem Blogbeitrag unmittelbar nach Veröffentlichung informiert, um Weiterungen zu vermeiden, wie Juristen das manchmal so schön sagen.

Mein Senf

Wenn Sie Geschäftsprozesse modellieren, bei denen Tests durch firmenexterne Personen durchgeführt werden, sorgen Sie unbedingt dafür, dass das professionell gemanagt wird. Eine Fehlbuchung wie im geschilderten Fall kann bei zahlreichen Tests schon mal vorkommen. Das muss aber zeitnah, transparent und freundlich aus der Welt geschaffen werden. Sonst kann es sein, dass man ganz schnell dumm in der Öffentlichkeit da steht. Und es spricht sich in Testerkreisen womöglich schnell rum, was das für ein “seltsamer Verein” ist.

Um noch den Bogen zur Überschrift zu schließen: Es kann ja wohl nicht geplantes Verhalten eines Big Players im Markt sein, über das Einbehalten unberechtigt eingezogener Gelder von zahlreichen Testern systematisch die Liquidität des Unternehmens ein wenig zu optimieren, oder? Dann müsste man beinahe die Mitarbeiter warnen und ihnen Bewerbungsseminare anbieten…

update 27.10.2010

Der Tester hat sein Geld zurück erhalten und möchte keinen der Beteiligten outen, auch wenn es über die Rücküberweisung hinaus keine Entschuldigung vom Anbieter gegeben hat. Ob dieser Blogbeitrag hilfreich war, ist nicht klar. Aber geschadet hat er vermutlich auch nicht…

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