Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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make -i food

Erstellt von gemeinschaft am Montag 27. August 2007

oder: Das Kochbuch für Geeks
von Mela Eckenfels & Petra Hildebrandt
meine Rezension

Wer interessen- oder berufsbedingt gewöhnt ist, mit hinreichend präzisen Strukturen umzugehen, wird sich mit diesem Buch befreien können. Woraus? Aus der Abhängigkeit, auf die Kochkünste Dritter angewiesen zu sein oder sich eintönig bis zweifelhaft ernähren zu müssen.

Die Zielgruppe des Buches sind Geeks oder – aus meiner Sicht für die nichteingeweihte Mehrheit der Bevölkerung übersetzt – Menschen mit ständigem Hang zu Zeitknappheit bei eher theorielastigem Mindset. Für diese Zielgruppe mit oft hoher Tastaturaffinität scheint es logisch, das aus anderen O’Reilly Kochbüchern bekannte Muster Problem – Lösung – Diskussion unverändert zu übernehmen. In diese geistige Kerbe schlägt auch die Normalmenschen irritierende Dreiteilung aller denkbaren Küchen in keine Küche, Mini-Küche, mit oder ohne Backofen sowie vollständige Küche. Die Autorinnen bieten übrigens tatsächlich Rezepte für den Fall keine Küche an!

Natürlich bezieht das Buch einen Gutteil seiner wahrlich zahlreichen Pointen aus dem übertragenen Vokabular von IT und Software auf Prozesse, die in üblichen Kochbüchern oft langweilig, schwülstig oder unverständlich für die Zielgruppe beschrieben werden. Das sehr amüsante intelektuelle Spiel wird so weit getrieben, dass es ein modular aufgebautes Auflaufrezept in UML Notation incl. activity-Diagramm oder auch das Periodensystem der Lebensmittel als Referenzkarte gibt. Dabei kommen mir die Rezepte und Grundausstattungsvorschläge ob notwendiger Gerätschaften und Vorräte in der Küche für Anfänger (“Larval Stage”), Fortgeschrittene (“Mamas Liebling”) und angehende Hobbychefköche (“kulinarische Geeks”) nach reichlich zwanzig Jahren eigener gemischter Kocherfahrungen absolut nachvollziehbar vor. Den Unterhaltungs- und Nutzenfaktor siedle ich bei beiden ähnlich hoch an, wenn man die Art der Genrefusion zu schätzen weiss. Ich konnte mir auch bei der Lektüre in öffentlichem Nahverkehr und auf Parkbänken diverse Lacher nicht verkneifen.

Wem würde ich das Buch schenken? Menschen mindestens durchschnittlicher Intelligenz, die bislang aus unerfindlichen Gründen und im Kontrast zu anderen ihrer hochgezüchteten nützlichen Fähigkeiten kulinarisch über den Anruf gängiger Lieferdienste oder das Erwärmen der Inhalte von Dosenfutter oder Pizzaschachteln erstaunlich selten hinaus kommen.

Was wünsche ich dem Buch in der aus meiner Sicht absehbaren Folgeauflage, wenn ich es verbessern sollte? Eine Abteilung “properties and methods”, wo Zusammenhänge drin stehen könnten, wie die Salzkartoffelstückgröße sich auf die Gardauer auswirkt oder welche Auswirkungen der Austausch normalen Mehls durch Vollkornmehl für das Oevre hat oder was bei zu salzig / zu scharf geratenen Gerichten noch machbar ist. Vielleicht wäre es auch zu überlegen, ob für ein bestimmtes oder für mehrere Grundnahrungsmittel genauer erklärt wird, wann sie zu fest – noch recht bissig – bissig – gar – leicht zu weit – zerkocht sind. Irgendwie regt das Buch an, daran weiter zu werkeln… Aber das sind nur dekorative Hinweise für ein ansonsten leckeres Gesamtergebnis.

Noch ein über die Rezension hinausgehendes Bonbon für die Kunden und Interessenten von bblogs.de: Vielleicht überlegen auch Sie einmal, wo die Schnittmengen Ihrer (professionellen) Leidenschaften sind. Ergibt sich daraus womöglich ein Alleinstellungsmerkmal, wie Sie sich und Ihre Leistungen darstellen können? Das macht oft viel aus und kostet nicht unbedingt viel!

Nachtrag 1
Auf Jans Küchenleben habe ich eine andere empfehlenswerte Rezension von Jan Theofel gefunden, die vor dem Hintergrund profunderer Küchenkenntnisse als meiner und umfangreicher wiedergebend daher kommt.

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2 Kommentare zu “make -i food”

  1. Jan Theofel sagt:

    Danke für die “profunderer Küchenkenntnisse”. :-) Der Trackback kam leider nicht durch. Sendest du den nochmal raus?

  2. Crockpot Hersteller Morphy Richards und Kommunikation | sagt:

    [...] neue Dinge. Als kleine Leseproben lege ich Ihnen meine Rezension des “Vorgängerbuchs” Das Kochbuch für Geeks sowie einen Selbstversuch im Scheibentöpfern ans [...]