Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Makrozirkus Mikrozensus

Erstellt von knutpankrath am Freitag 29. Juli 2011

Als weiteres Wortspiel könnte ich noch mit fraglich und fragwürdig jonglieren. Aber – Pardauz – fällt mir gerade nichts ausreichend unterhaltendes ein. Sollten Sie die bis hierher verwendeten Begriffe als negativ präjudizierend einschätzen, werde ich Sie davon nicht begründet abhalten können.

Auftritt der Beauftragten

Zum per rosa Postkarte knapp leserlich vorgeschlagenen Termin in Sachen Mikrozensus traf eine offensichtlich schwer tätowierte in meinen Augen den Familienfrieden störende Frau ein, die minzkaschiert nach Zigarettenrauch roch. Entgegen unseren Befürchtungen (50 Seiten Fragen kursiert) war der Spuk in weniger als 30 Minuten erledigt.

Auf die Sinnfrage einer bestimmten Frage kam die so unbefridigende wie offenbar auswendig gelernte Antwort: “Sie wurden gezogen und sind gesetzlich dazu verpflichtet”. Auch wenn ausführende Organe ähnlich einem Handlungsgehilfen nur mäßig eigenverantwortlich handeln dürfen, fand ich es seltsam, dass mir mal wieder jemand gefühlt Überreste des Obrigkeitsstaates vorführte. Und das in meiner Wohnung. hmpf

Fragliche bis fragwürdige Fragen

Bei 2 Fragen zuckten bei uns einige Hirnwindungen. Es wurde uns recht deutlich gemacht, dass in der Situation des ungebetenen Besuchs mehr als das Pochen auf Auskunftsrecht nicht zu erwarten war.

  1. Was bitteschön hat es den Staat zu interessieren, was wir verdienen, wenn denn die Daten eh beim Finanzamt vorliegen?
  2. Was bitteschön hat es mit den Fragen nach der Zugehörigkeit zu einer Krankenkasse und abgeschlossenen Zusatzversicherungen auf sich?

Einen wie ich finde hübschen Fehler, den ich letztlich begrüßt habe, gab es nach dem “Pflichtteil” der Fragen. Ich hatte am Anfang des Gesprächs darum gebeten, freiwillig zu beantwortende Fragen als solche zu kennzeichnen. Die Beauftragte strich sie aber einfach durch, ohne sie uns zur immerhin denkbaren Beantwortung vorzulesen.

asymetrische Datenhoheit

Zum Ende der Befragung wollten wir uns Kopien unserer Auskünfte anfertigen. “Ich gebe die Unterlagen NIE aus der Hand.” war die Antwort auf unsere Bitte. Wir hätten – immerhin – die Bögen noch einmal sehen dürfen. Stellen Sie sich bitte vor, Sie gingen so mit einem Interessenten um, den Sie zum Kunden machen wollen.

Kosten und Nutzen

Nachdem ich mehr als nur oberflächliche Zweifel am Sinn und Zweck sowie der Form der Veranstaltung habe, hoffe ich als Bürger, dass es eine möglichst genaue Bewertung geben wird, wie Kosten und Nutzen des Mikrozensus sich zu einander verhalten. Das Verfahren wirkt mir antiquiert und ob der vermuteten Qualität der Daten scheint mir planerischer Jubel auch nicht erwartbar.

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