Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Meine Meinung zur Zukunft des Bloggens

Erstellt von gemeinschaft am Montag 17. November 2008

Der Journalist und Blogger Jan Tißler fasst in seinem Beitrag Eure Meinung zur Zukunft des Bloggens eine Reihe von Thesen und Antithesen (er nennt sie sprachlich viel schöner “Gegenreden”) zusammen. Als kommerziell bloggender Unternehmer, der einfach zu buchende und zu führende Businessblogs in einer deutschsprachigen Umgebung anbietet, habe ich dazu natürlich eine Meinung, die ich gern mit Ihnen teile. Anders als andere Diskutanten beziehe ich mich mit meinen Aussagen nur auf Businessblogs. Darunter verstehe ich Blogs, die direkt oder direkt die Vermarktung einer Person, einer Marke, eines Produktes oder einer Dienstleistung anbahnen, auslösen, unterstützen oder absichern sollen. Die fünf kommenden Überschriften habe ich 1:1 dem anfänlich bereits verlinkten Beitrag entnommen, um es den Lesern einfach zu machen, die auf die Lektüre des Ursprungsbeitrags verzichten wollen oder müssen.

  1. Twitter und FriendFeed lösen Blogs ab
    Ich sehe aufmerksam zu, mit welchem zeitlichen Nachlauf im Vergleich zu den USA, Großbritannien und Frankreich das Thema privater Blogs in den Medien und bei normalen Menschen in Deutschland angekommen ist und wieviel später das Thema Businessblogs sich entfaltet. Wenn man die Sphäre technophiler Geeks, internet-wenigstens-teil-süchtiger über-alles-Schreiber verläßt, sind Twitter und FriendFeed im geschäftlichen Einsatz eher exotisch und für viele Mittelständler aus betriebswirtschaftlicher Sicht schlicht Zeitfresser und in der Wirkung schwer kalkulierbar.
  2. Video schlägt Text
    Natürlich ist das gut inszenierte bewegte Bild hirnanklopfender und eindringlicher als ein gute gewähltes einzelnes Bild und dieses wiederum  besser als ein reiner Text. Das wirklich große Aber hier sehe ich darin, dass es aus Sicht des Veröffentlichers weiterhin schwer oder sehr aufwändig ist, vom potentiellen Seher gefunden zu werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass Texte von sich aus einfacher und schneller verschlagwortet werden können. Und diese Schlagworte (englisch: tags) stellen das bestmögliche Futter für Suchmaschinen dar, die bei Video und Bild überwiegend lässig mit der Schulter zucken und somit die Verbindung von Sender und möglichem Empfänger NICHT herstellen. Außerdem schließt bewegtes Bild potentielle Menschen aus, die “keine Zappelbilder” mögen oder sie z.B. aus technischen Gründen nicht abrufen können. Reiner Text ist darüber hinaus auch für Menschen mit Handicap via Vorlesefunktion oder alternative Ausgabegeräte für Braille erfahrbar. Wenn man es als Inhaltsanbieter mit Teilhabe möglichst vieler Menschen ernst meint, kann Video also bestenfalls eine Cocktailkirsche auf dem großen Kuchen mit Textinformationen sein.
  3. Blogs zerbrechen an ihrer Professionalisierung
    Es mag für den einen oder anderen altgedienten Blogger mit privatem nichtkommerzielem Ansatz bedauerlich sein, wenn er entweder in Massen wählbarer Inhalte untergeht oder das Tempo der Veränderungen z.B. professioneller Blogs im Sinne einer kommerziellen Nutzung nicht mitgehen kann oder will. Der berits jetzt privaten und kommerziellen Bloggern gemeinsame Markt für Aufmerksamkeit ist ein scharfes Schwert mit wie ich stark vermute gutem Gespür für Kategorien wie “nützlich” und “unterhaltend”. Ich sehe also an Stelle eines Zerbrechens eher einen Entwicklungsschritt wie früher den von ersten Autos zu den Nachfolgern mit höherer Zuverlässigkeit, weniger Verbrauch, mehr Komfort und anderen uns lieb gewordenen Eigenschaften. Wo Menschen am Werk sind, wird immer nach der nächsten Stufe getrebt.
  4. Blogs bleiben ein Nischenthema
    Einspruch! Wenn man sieht, wie unterschiedlich Suchmaschinen den selben Inhalt auf einer (durchschnittlichen) klassischen Webseite und auf einem Blog zu dessen Gunsten behandeln, wird geradezu der Reflex des Habenwollens ausgelöst. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es die Theorie, dass sich Märkte tendenziell in Richtung eines stabilen Gleichgewichtes entwickeln. Das heisst für mich, dass es naturgesetzähnlich zu einer Aufrüstung in Richtung Blogs kommt, um ersten Nutzern von Businesblogs den erarbeiteten Vorsprung beim Kampf um die Hoheit über bestimmte Begriffe bei den Suchmaschinen wieder abzuringen. Und wenn eines einigermaßen sicher ist: Wer in seinem Geschäftsmodell im Kapitel Marketing irgendwo den Begriff Internet zu stehen hat, muss das Ziel haben, bei den Suchmschinen gut anzukommen, ohne dabei zu unseriösen Praktiken zu greifen, die trotz vermeintlicher Effizienz tendenziell rufschädigend wirken können. Das scheint mir der positiv ausgedrückt natürliche Platz von Businessblogs zu sein.
  5. Blogs sind nichts für die breite Masse
    Ich formuliere mal um: Solange erst eine Minderheit zeitsparend Inhalte per RSS abonniert und liest, können es sich Anbieter von Informationen noch erlauben, ihre Informationen nicht in diesem Format anzubieten. Die Minderheit der RSS nutzer wird zusehends größer, so dass auf der Zeitachse weder Marketingentscheider noch PR-Anbieter auf Informationsangebote in RSS verzichten können. Businessblogs bieten veröffentlichte Inhalte ohne einen Handschlag Mehrarbeit bereits in diesem Format an und sind an dieser Stelle zukunftssicher.

Zum Dessert serviere ich noch ein Inhaltskringel, der mit meiner Vita zusammen hängt: Als ich Mitte der 80er bis Anfang der 90er Jahre für einen Anbieter von Unix Softwareprodukten arbeitete, drückten Administratoren und Programmiere sich nicht eben selten so aus, dass Kaufleute, Marketingleute und Kunden sie nicht wirklich verstehen konnten. Neu entwickelte Software war für mein Gefühl öfter daran orientiert, ob etwas der reinen Lehre der Gurus der ersten Stunde entsprach oder machbar war als an den grundsätzlich eigentlich recherchierbaren Bedürfnissen der Nutzer. Das entspricht ein wenig der rein privaten Blogosphäre, die ob ihrer nahezu gemütlichen Überschaubarkeit bislang die Existenz des Begriffes Markt leugnen konnte, auch wenn 100 Blogs mit je 100 Lesern auch jetzt schon 10.000 Mal die Zeit absorbieren, die sonst ein anderes Medium womöglich Einnahmen erwirtschaftend für sich verbucht hätte.

Der seinerzeitige nicht unbedingt mit hervorstechenden Leistungsmerkmalen erklärbare Siegeszug von Windows für Arbeitsplatzrechner war ein möglicherweise mit der marktfernen Geisteshaltung temporär wichtiger Marktteilnehmer zusammen hängendes Ergebnis. Es scheint aber so, dass eine neue Kombination von Idealisten und geschickten Ideenverkäufern den snobistischen Fehler der damaligen Marktignoranz mit Hilfe freier Software wie Linux, OpenOffice und zahlreichen anderen überwindet und dem gelegentlich etwas träge und kundenfern wirkenden Anbieter Microsoft kontinuierlich Marktanteile z.B. bei Desktopbetriebssystemen und Browsern abzujagen. Das entspricht für mein Verständnis der Idee, Freiberuflern und Unternehmern ein derzeit sehr effektives Werkzeug samt ergänzender Dienstleistungen an die Hand zu geben, sich bei den Suchmaschinen auf die Positionen vorzuarbeiten, die ohne diese Technik losgelöst von kundenorientierter Leistungsfähigkeit ausschließlich von den größten Marktteilnehmern besetzt wären. Wenn ich ein wenig philosophisch schließen darf: Businessblogs demokratisieren den Markt für veröffentlichte Inhalte jeglicher Art. Und wir sollten für meinen Geschmack eher über die Höhe des derzeit sichtbaren Mastes als über das Ende irgendeiner Fahnenstange reden!

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