Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Moabit der Menschen

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 10. Juli 2014

Es gibt Menschen, die fürchten jede Veränderung in Moabit. Die gibt es in leise, in mitmachend und in laut. Gleiches gilt wohl auch für Menschen, die noch mehr und noch tiefgreifendere Veränderungen in noch kürzerer Zeit wünschen. Sind die relevanter als diejenigen, die hier schlicht wohnen und leben? Das nur als fragendes Vorwort vor 2 kleinen Begebenheiten, die ich gerade gesammelt habe und hier nun teile. Zur Freude, zur Inspiration, einfach so.

3 Männer

Ich schlendere die Reuchlinstraße Richtung Huttenstraße. Auf einem Balkon Ecke Erasmusstraße sitzt ein Vater. Er hat einen Jungen auf dem Schoß und singt ihm etwas in einer mir unbekannten Sprache vor. Das sieht sehr Geborgenheit gebend und nehmend aus. Der Junge sieht mich auf der Seite liegend und ruft einfach so Hallo. Ich antworte mit einem Hallo. Er winkt. Ich winke. Es wirkt so, als sähe der Vater diese Kommunikation über die Grenze der Familie und der Wohnung freundlich. 3 Männer sind in diesem Moment zu Hause in Moabit. Hoffentlich haben die beiden vom Balkon dieses Gefühl auch, wenn sie vor die Tür treten.

Ein Exot

Ein Mann, dessen ihn zum Exoten machenden Eigenschaften unwichtig für die Geschichte sind, will etwas zu trinken bei REWE kaufen. Es soll eine dieser für mich nicht so interessanten zuckerübersättigten Brausen in großer Familienflasche sein, die nur sehr kalt trinkbar sind. Süß schmeckt man kalt nicht mehr so intensiv glaube ich. Jedenfalls stellt er sich aus nicht ganz ersichtlichem Grund an einer Kasse von vorn gegen die Richtung an. Die freundliche Kassiererin macht klar, dass das schon passe. Keiner murrt oder schaut unfreundlich. Der Mann wirkt ein wenig unsicher und scheint nicht oft in solchen Läden einzukaufen. Freundlich und ungeschickt gibt er der Dame an der Kasse eine kleine Menge Münzen. Das reicht nicht. Mehr mit Hilfe der Kassenanzeige und freundlichen Gesichtern wird das Problem im zweiten Anlauf gelöst. Der Mann kann vielleicht nicht lesen oder in der Situation die passende Summe allein heraussuchen. Er macht mit seinem Auftreten klar, dass es ihm ein wenig unangenehm ist, dass er nicht wie alle andere ist und handeln kann. Die ganze Zeit kein dummer Spruch, keine bösen Blicke aus der Schlange derer, die sonst um einiges schneller durch die Kasse kommen. Ein paar Momente, in denen sich für mich das Moabit der Menschen zeigt. Ich mag das. Die Minute extra habe ich wie viele hier immer.

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