Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Moabiter Gelassenheit

Erstellt von knutpankrath am Mittwoch 29. September 2010

Szene

Beusseltraße. Genauer Beusselstraße 28. Präzise der graue Versorgungskasten vor den Räumen von Lernziel e.V. irgendwann am 29. September rund um 16 Uhr. Eine Gruppe von 10-15 Menschen, darunter 2 Säuglinge und 2 Kleinkinder, der Rest altersgemischt mit etwas mehr Männern als Frauen. Zu Figuren geknotete Luftballons werden erschaffen und von Kindern bespielt.

Ein Mann aus der Gruppe singt mit Hilfe seiner akustischen Gitarre ausdauernd gegen den Verkehrslärm der Straße an. Beinahe alle zusammen schauen auf den Versorgungskasten, mit dem etwas passiert. Ein konzentrierter Mann wirbelt mit SprayDOAsen und macht mit lockeren bis energischen Handbewegungen aus vormals schmuddeliger grauer Fläche ein Bild. Ein nettes Bild.

Quizfrage

Was passiert nun?

  1. Bricht unmittelbar der Weltfrieden aus?
  2. Blockiert die Gruppe der 15 Bürger die Beusselstraße?
  3. Kommen noch weitere Musikanten dazu?
  4. Erscheint ein Funkwagen der Berliner Polizei?

Es kommt tatsächlich ein Funkwagen. Ein freundlich energisch auf die friedliche Gruppe zukommender Polizist zeigt mit einem Finger auf den Kasten und fragt recht lässig, wer der Künstler sei. Frank Wolf meldet sich locker und gern mit der Antwort und verweist auf eine vorliegende Erlaubnis, die jemand von Lernziel auch zügig parat hat. Polizist zufrieden, nimmt die Personalie der Erlaubnisvorzeigerin auf sowie einen Flyer über die Aktion mit, die mit dieser ersten Bemalung angestoßen werden soll. Zu dem Projekt werden andere vermutlich noch berichten, so dass ich das für den Moment mal bei Seite lasse.

Appell

Lieber etwas übereifriger Anrufer der Polizei: Die Situation war durchaus so überschaubar und friedlich, dass eine Nachfrage nach Sinn oder Erlaubnis einem Anruf bei der Polizei als Erstmaßnahme vorzuziehen wäre. Wir hier im Kiez reden auch sonst miteinander. Bitte mitmachen! Und liebe Mitbürger: Es kann gut sein, dass durch das Projekt noch mehr von den schmucklosen bis schmuddeligen Kästen in kleine Kunstwerke verwandelt werden. Sprechen sie die Macher ruhig an. Die tun nämlich etwas wie ich finde schönes: a) Sie verwandeln grau in bunt und b) halten sie sich an Spielregeln, wenn sie das nur an dafür freigegebenen Orten tun.

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2 Kommentare zu “Moabiter Gelassenheit”

  1. regine wosnitza sagt:

    finde ich eine super gute Idee. Herzlichen Glueckwunsch.

  2. knutpankrath sagt:

    Ich danke im Namen meiner Kieznachbarn für das Lob aus berufener Tastatur! Der Graffiti Künstler hat dem Kiez übrigens auch eine Hymne geschenkt: http://www.youtube.com/watch?v=7_EDw2Olzz8