Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Nachhilfe b2c cold calls

Erstellt von knutpankrath am Donnerstag 17. Juni 2010

b2c Anlass

Vorhin habe ich das FIFA WM Spiel Griechenland – Nigeria geschaut, um mich a) daran zu erfreuen und b) druckfrei ein paar Gedanken für einen mir wichtigen Beitrag zu sortieren. Da passierte folgendes, was mich dazu animiert, hier zunächst öffentlich über gute Sitten im Geschäftsleben nachzudenken. Die in ungefähr 2 Minuten gemachten Fehler reichen für meinen Geschmack exemplarisch, um daraus notfalls ein mehrstündiges Seminar zu entwickeln. Was hat mich so geärgert?

  • Ich erhalte von einer mir unbekannten Firma einen Anruf auf einer privaten Telfonnummer, die nicht einmal mir sondern meiner Partnerin zugeordnet ist. Scheint dem Skriptrunterspuler aber völlig egal zu sein. Ich vermute, dass es auch System hat, dass zu Beginn des Anrufs Firma und Name so schnell aufgesagt werden, dass man sie nicht wirklich gut versteht. Wir reden schließlich – theoretisch – von Menschen, die für das professionelle Telefonieren vernünftig ausgebildet wurden.
  • Der Anrufer klingelt mit unterdrückter Rufkennung an, was ich als unseriös empfinde.
  • In einem nicht unterbrechbaren Redeschwall – ich gelte sprachlich wirklich nicht als sonderlich zurückhaltend – werden ein paar deutsche Markenartikler genannt, die angeblich Sponsor bei einer Serie von Verlosungen seien, bei der ausgerechnet ich teilnehmen darf, weil ich als zuvor Angeschriebener einer der ersten 100 sei, der angerufen wurde. Es ist glatt gelogen, dass ich angeschrieben wurde und ich vermute, dass die genannten Markenartikler über die Verwendung ihrer Namen eher erstaunt wären. Selbst wenn beides stimmte, wäre ein Spiel unfair, bei dem die Reihenfolge der Anrufe über Chancen zum Gewinn entschiede. Fehler im Telefonskript.
  • Als ich mitten in den Text hinein das 1. Mal frage, für welche Firma er anruft, wird der Redetext nicht einmal unterbrochen. Das ist flegelhaft. Erstaunlich ist auch, dass der humanoide Vorleseroboter nicht meinen Namen verwendet, den er am Anfang ausdrücklich erfragt hat. Menschen mit einer Vertriebsader wissen, wie viele Punkte es kostet, wenn man einen Gesprächspartner nicht gelegentlich beim bekannten(!) Namen nennt. Auch so zeigt man Amateurstatus und menschliches Desinteresse.
  • Als ich zum 2. Mal frage, für wen der Anrufer tätig ist und die Antwort ausbleibt, drücke ich das Gespräch grußlos weg. So geht das gar nicht. Auf twitter sagte man dazu #fail oder vielleicht sogar #megafail. Ich hätte durch diesen vermutlich unerlaubten cold call beinahe das zweite griechische Tor verpasst. Pluspunkt für den Anrufer: Mein Adrenalinpegel hat meinen Tatendurst weiter erhöht.
  • Tipp für alle Angerufenen, wie Sie die Gewinnchance für sich und andere erhöhen, wenn die Leitung nicht gebraucht wird: Legen Sie den Hörer einfach zur Seite. Das merken solche Belästiger gelegentlich ganz hübsch spät. Das ist irgendwie lustig und hindert in der Zeit daran, andere Menschen mit der Nummer zu nerven. Hat mein Chef vor Jahren mal gemacht. Großes Kino war das…

Lehren

Wenn Sie vorhaben, Menschen per Telfon von ihren Diensten zu überzeugen, machen Sie es bitte ordentlich. Erkundigen Sie sich, wen Sie anrufen dürfen und wen nicht. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Telefonanlage eine korrekte Kennung mitsendet. Gestalten Sie Ihr Telefonskript so, dass ein Angerufener immer weiss, mit wem von welcher Firma und zu welchem Thema er warum angesprochen wird. Wenn Sie diese Mimimalanforderungen nicht erfüllen, fragen Sie entweder jemanden, der sich damit auskennt oder lassen Sie es bitte, bitte bleiben.

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