Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Neujahrslauf als Bildnis

Erstellt von knutpankrath am Dienstag 1. Januar 2013

Als ich vom Neujahrslauf am Brandenburger Tor nach Hause kam, hätte ich beinahe profan das mit Sicherheitsnadeln am Läufer anheftbare an eine Startnummer erinnernde Druckerzeugnis zum Lauf auf den Scanner gepackt, einen Zweiteiler verfasst und das als ersten Blogbeitrag des Jahres veröffentlicht. Doch nach und nach fielen mir Dinge auf, die ich rund um den Lauf wahrgenommen habe und die ganz gut als Anstöße für das neue Jahr taugen könnten. Also in erster Linie für mich. Aber wer etwas für sich entdeckt, möge das gern aufgreifen.

Kostenlos und gut

Anders als die anderen Veranstaltungen der SCC EVENTS GmbH ist die Teilnahme am Neujahrslauf kostenlos im Sinne von Startgebühr. Zahlreiche andere Dinge – teilweise wichtiger als die Teilnahme an einem Volkslauf – sind das auch. Neben Beziehungen zu Menschen und Freude an der Welt gibt es als Beispiele im Bereich von Software für zahlreiche kostenpflichtige Programme freie Alternativen. Allein das gäbe genug Stoff für zahlreiche Beiträge. Ebenfalls gibt es zumindest in Berlin immer wieder kostenfrei nutzbaren Zugang zu Kultur. In Maßen auch zu Bildung. Und es gibt gute Gründe dafür, dass die Allgemeinheit solche Angebote schafft und erhält.

ÖPNV und Teilhabe

Der öffentliche Nahverkehr einer Stadt wie Berlin ist ein Adernetz, durch das sich selbst steuernde Einheiten namens Mensch sich pumpen lassen. Dieses System ist wichtige Voraussetzung vieler Mitmenschen, um von A nach B zu kommen, ohne um einen Menschen eine Tonne Auto zu packen und dieses Bündel dann zu bewegen. Bündelung mehrerer Menschen auf eine sich bewegende Einheit ist energetisch klüger, umweltfreundlicher und individuell vermutlich für Viele kostengünstiger. Deshalb gehört verschiedenen Gruppeninteressenvertreter ggf. energisch gesagt, dass dieses System attraktiv sein/werden muss und für möglichst zahlreiche Nutzer bezahlbar bleiben/werden muss.

Spenden und Sinn

Dämlicherweise hatte ich lediglich meine Schlüssel sowie die BVG Monatskarte dabei. Ich hätte sonst durchaus etwas gespendet, worum an Stelle einer Startgebühr gebeten wurde. Ich hoffe, zum Abschluss meiner aktuellen Arbeitssuche demnächst eine ordentliche kleine Summe spenden zu müssen/dürfen. Aufklärung zu diesem Zusammenhang demnächst unter dem Stichwort soziale Jobsuche.

Bewegung und Gleichgewicht

In Zeiten, wo ich aus welchen Gründen auch immer meine sportlichen Aktivitäten schleifen lasse, werde ich unleidlich. Zum Glück weiß ich das seit Jahren (auch 2012 Sportabzeichen geschafft), wenn ich auch immer wieder leichte Rückschläge fabriziere. Erinnere mich gerade wieder daran, wie eifrig ich immer trainiert habe, wenn ich mir irgendeinen mich besonders anstrebenswerten Lauf als Ziel herausgesucht habe. Sollte meine 2013er Herausforderung suchen…

Humor und Energie

Auf dem Rückweg der Laufrunde wurde die Strecke rund um eine Brücke über ein Gewässer derart verengt, dass es zu einem Läuferstau kam. Der löste sich erst nach einigen Minuten zähflüssigen Gehens auf. Läufer sind es durchaus gewohnt sich z.B. vor einem Start selbst und gegenseitig zu bespaßen. So auch hier. Wir haben in der akustisch dazu einladenden Gasse einfach mal rhythmisch geklatscht und gejohlt, was mit dem Bewegungswunsch irgendwie herrlich kontrastierte. Was mich zu einem gut angenommen Witz in meiner Umgebung inspirierte: “Sehen Sie, das ist Berlin. Nix geht voran und das Volk jubelt.” Diese Art des sich selbst nicht ernst Nehmens zusammen mit einer tief verwurzelten Liebe zur Stadt macht den Berliner aus. Jedenfalls der, dem man früher mal Herz und Schnauze attestiert hat. Wer das nicht versteht, is´ uns piepe. 8-)

Gastfreundschaft und Nutzen

Auf dem Rückweg kam ich im U-Bahnhof Unter den Linden mit 3 jungen Männern aus Nürnberg ins Gespräch, die offenbar sehr vergnügt Silvester in Berlin gefeiert hatten. Eine freundliche Antwort auf eine für diese Geschichte unwichtige Frage hat einen weiteren kleinen Faden zwischen Berlin und in dem Fall Nürnberg gesponnen. Stelle ich mir mal all die Fäden vor, die wir gemeinsam spinnen können, entstehen daraus die Netzwerke, die sozial und politisch tragfähig werden können, wenn Regionen und Generationen übergreifend unser Land verändert werden soll/muss.

Lächeln und Glück

Im Bus saß ich geschafft mehr von den Auswirkungen meiner Feier von Silvester als dem Lauf sauerstoffseelig lächelnd im Bus, der mich wieder nach Moabit bringen sollte. Der eigentlich schon abfahrbereite Busfahrer öffnete an der Haltestelle noch einmal kurz die Tür, um noch eine in meinen Augen wirklich attraktive junge Frau mitzunehmen. Die tänzelt zufrieden durch den Bus, weil sie es noch geschafft hat und grüßt gezielt mich ausgesprochen freundlich, obwohl ich nichts Helfendes getan habe und wir uns nicht kennen. Ich sollte mein inneres Lächeln öfter außen tragen. Ich liebe es schließlich wie andere Menschen auch, das eine oder andere Lächeln geschenkt zu bekommen. Vielleicht auch mal wieder eines, das mehr bedeutet.

Wohlfühlzone und Erfolg

EIGENTLICH hatte ich morgens durchaus einen Kater, war müde und schlapp, da der zu Fuß bestrittene Heimweg von der Silvesterfeier etwas lang war. Ohne das Verlassen der Komfortzone des eigenen Bettes und der Wohnung, hätte ich all das nicht erlebt, was in den 2-3 Stunden passiert ist und keiner der Gedanken wäre mir gekommen. Vielleicht soll mir das ein Hinweis sein, gelegentlich mal etwas zu riskieren, um neue Erfahrungen zu machen oder definierten Zielen näher zu kommen. Knifflich, wo ich doch vom Typ her gern mal auf etwas Vorhandenes einsteige. Aber wer nur kontert, beraubt sich einiger Chancen der Gestaltung, ob im Spiel oder im Leben.

Toleranz und Grenzen

Ich trage gelegentlich etwas mit mir herum, was aus nicht abgeschlossenen negativen Erfahrungen stammt. Das wäre nicht weiter wild, würde ich nicht herausbekommen haben, dass mich solche Fälle wertvollen Speicherplatz im Kopf und Energie kosten. Vergessen kann ich manches offenbar schwer. Und ich will auch nicht mehr, dass Dritte meinen, ich würde aus Rücksicht auf was auch immer Dinge auf sich beruhen lassen. So z.B. die Weigerung eines Unternehmers, bei mir abgerufene Leistung absprachegemäß zu bezahlen. Sagen wir mal so: ich habe als Blogger noch nie eine Abmahnung oder eine Angezeige worden. Ein seriöser Verband hat mich mal freundlich gebeten, einen Beitrag zu ändern, weil dort für manche Leser ein falscher Eindruck ob vermeintlich existenter Beziehung zwischen Verband und Firma entstehen konnte. War damals wirklich hart am Rande formuliert, um ein mehr an Aufmerksamkeit zu ziehen, was geklappt hatte. Vielleicht werde ich zukünftig als Kontroversenblogger die Grenzen zwischen Tatsachenbehauptung und Meinung noch schärfer ausloten und ggf. die eine oder andere Grenze mal überschreiten, wenn es der eigenen Seelenhygiene dient. Wenn ich überlege, für welch albern zu nennenden Betrag ein Mensch seinen geschäftlich guten Ruf riskiert, könnte ich ob der da vermuteten Ignoranz oder Dummheit gesundheitsschädigend heftig den Kopf schütteln.

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