Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Onlinebewerbungsformulare

Erstellt von gemeinschaft am Dienstag 27. November 2007

Was spricht aus Sicht eines Initiativbewerbers dagegen, diesen Weg zu gehen?

  1. Die Erfahrung eines Profis. In einem Beitrag von Daniel Baumann der Berliner Zeitung zitiert dieser unter der Unterschrift “Abseits vom Mainstream” einen Versuch, den die hier bereits mit einer Rezension vorgestellte Svenja Hofert durchgeführt hat wie folgt:

    Enttäuschend: Svenja Hofert hat die Onlinebewerbungsformulare von 25 der wichtigsten Konzerne Deutschlands getestet. Das Ausfüllen dauerte zwischen 15 und 45 Minuten. Doch der Ertrag war schlecht, die gut qualifizierte Test-Kandidatin wurde kein einziges Mal zum Gespräch eingeladen.

  2. Aufmachung und Umfang solcher Formulare lassen gern einmal das Gefühl aufkommen, dass mit dem geflügelten (oder soll ich sagen geflegelten?) Satz “Rufen Sie uns nicht an; wir rufen Sie an.” umschrieben werden kann. Eine Mischung aus sich nicht wirklich eingeladen fühlen, der Erkenntnis, dass das eigene Leben und die darin gemachten Erfahrungen schwer oder zuweilen gar nicht in die angebotenen harten Schemata und Schubladen passen z.T. gekrönt mit einer Seitenaufbaugeschwindigkeit und einem Bedienungskomfort, der Zweifel an der Qualität des Bewerbungsziels aufkommen bzw. anschwellen lässt.
  3. Manch ein Bewerber sollte sich überlegen, ob er sich überhaupt auf ein Spiel mit ungleicher Augenhöhe einlassen will, bei dem der eigene Schatz an Erfahrungen, Fertigkeiten und Ideen so lange beschnitten und verbogen werden muss, bis er in ein aufgezwungenes – zugegebenermaßen aus Firmensicht einfach zu handhabendes – Vergleichsschema passt.

Warum sich nicht lieber – wie z.B. der vielfach begabte Martin Riemer – bislang noch unkontentionell und avantgardistisch via Bewerberblog darstellen und dafür sorgen, dass man gefunden wird? Wenn man die eigene Darstellung nach eigenen Vorstellungen professionell voran treibt, wird man damit womöglich Energien frei setzen und ausstrahlen, die eher auffallen und zum Ziel führen, als das sich Einfügen, wo man sich nicht von 100 anderen Kandidaten abhebt und dabei auch noch unwohl fühlt.

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