Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Papa ist die beste Mama

Erstellt von gemeinschaft am Dienstag 9. Oktober 2007

So jedenfalls lautet der anregende, augenzwinkernde und manche womöglich ein wenig provozierende Titel des Buches von Svenja Hofert, welches im August 2007 im mvg Verlag erschienen ist und mir vom Verlag freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt wurde.

Ich habe bereits vor Entdeckung des Buches verschiedene Artikel der offenbar energisch, zielgerichtet und erfolgreich arbeitenden Svenja Hofert von ihren Blogs gelesen und war erfreut, so durch halben Zufall etwas zum Thema nicht ganz so klassischer Rollenverteilungen zwischen Vätern und Müttern zu entdecken. Ich gestehe gern, dass ich nicht unbedingt der “Ratgebertyp” bin, aber als Neuvater an der Seite einer erfahrenen Mutter fühlt man(n) sich schon mal minderinformiert und unsicher. Ich unterstelle der Einfachkeit halber, dass ich dies von mir auf andere Männer übertragen kann.

Ich startete also in die Lektüre mit der inzwischen erfüllten Hoffnung, eigene Fragen, Verhaltensweisen und Vorstellungen mit denen eines anderen nicht konservativ idealtypischen Familientyps zu vergleichen, mir Bestätigung für meinen Weg zu holen und mein Informationsdefizit für ggf. notwendige Auseinandersetzungen mit einer irritierten Umwelt zu minimieren. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man sich mit der Partnerin in den eigenen vier Wänden über mehr oder minder wichtige Dinge einigt oder diese von hergebrachten Denkmustern abweichenden Vorstellungen anderen zu erklären.

Die Gliederung des Buches und ein vernünftiges Stichwortverzeichnis hilft auch dem Leser mit wenig Zeit gut, direkt das zu finden, was ihn konkret umtreibt. Aber auch mein schlichtes Standardleseverfahren (Komplettlektüre von vorn nach hinten) sorgt für Informationsfluss in einer Dichte, die keine Langeweile aufkommen lässt. Sehr gefallen haben mir die zahlreichen auflockernden Übergänge von persönlicher Erfahrungen, Interviews, der Typisierung von Vätern (Was es so alles gibt…) und handfesten Ratschlägen, was bei welchen Problemen denk- und damit machbar ist. Dabei beweist Svenja Hofert erfreulicherweise den Mut zu ausgeprägter eigener Meinung, die man teilen oder kritisieren kann. Jedenfalls ist erst einmal etwas da, an dem sich zu reiben lohnt. Ein schönes Beispiel zum Thema Paartherapie gefällig?

“Der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Sitzungen darf nicht länger als 14 Tage sein, wenn es um einen akuten Fall geht. Insgesamt sollten nicht mehr als zehn Therapiestunden nötig sein, um eine Klärung zu erreichen.”

Ich wünschte, mancher Beraterkollege oder Politiker würde den Mut und die Disziplin aufbringen, sich so klar pointiert und damit ggf. auch angreifbar auszudrücken.

Meine Empfehlung an alle, die über einen anderen Weg als den alten Standard Mama-macht-Haushalt und Papa-jagt-Arbeitsweltprobleme nachdenken (wollen oder müssen) und dankbar über Anregungen unbeteiligter Dritter sind: Schnappen Sie sich dieses Buch und überlegen Sie sich, in welcher Reihenfolge beide Partner den 240-Seiter lesen. Auch wenn meine Partnerin derzeit nicht eben viel frei nutzbare Zeit hat, wollte sie das Buch auch bei Gelegenheit lesen. Vielleicht mag sie meinen Artikel später um ihre Sicht ergänzen. Schauen wir mal.

Falls Ihnen der Bezug des Artikels zu diesem Blog nicht klar geworden sein sollte: Auch Businessblogger haben oder wünschen sich Familien. Dabei gehören sie zu denen, die u.a. dank Technologie einfacher als andere Erwerbstypen familiäre Belange und die des Brot- bzw. Kuchenerwerbs unter einen Hut bringen können. Also passt das Buch hierher. qed

Nachtrag 1
Vielleicht interessiert Sie auch meine Rezension zum Buch Elternkrankheiten?

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