Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Pots 1000

Erstellt von gemeinschaft am Montag 16. November 2009

oder aber: Schräge Kommunikation ist auch eine…

Beim gestrigen Spaziergang in der Nähe vom Standardstart meines Beratungslaufs ging ich mit der erstaunlicherweise mal kinderwagenfreudigen – sonst lieber selbst laufenden – Tochter und der Mama spazieren. Dabei gingen wir an einem Plakat vorbei und ungefähr 15 Meter weiter drückte ich den Rücklauf-Knopf, um ein Foto zu machen. Denn in meinem Kopf hatte sich etwas verhakt. Vielleicht können Sie mir helfen, das wieder gerade zu rücken? Das wäre nett.

1) Schauen  Sie sich bitte das Bild an und überlegen Sie kurz, was Sie die Hauptbotschaft des Plakates für Sie ist. Ich werde unter dem Bild auch verraten, wie ich es verstanden habe.

pots-1000.jpg

Ich habe mir gedacht: Die Post erweckt den zunächst sympathischen Eindruck, 1.000 neue Filialen eröffnet zu haben. Prima für Arbeitnehmer, die gern bei fairer Bezahlung hinter einem Schalter postalische Dienstleistungen für Kunden erbringen wollen und toll für Kunden, die nicht so weit bis zur nächsten Filiale laufen wollen.

Das kollidierte im Kopf mit meiner Erinnerung an Beiträge üblicherweise ordentlich recherchierender Medienverbreiter, aus denen ich relativ wahllos als Zitat einen Beitrag im Focus vom 15.8.2009 für Sie herauspicke.

2) Bitte lesen Sie das Zitat vor dem Hintergrund Ihres Eindrucks, welches das Plakat bei Ihnen erzeugt hat.

“Deutsche Post

Schließung aller Filialen bis 2011

Die Post ist auf dem Weg ihre letzten 475 eigenen Filialen zu schließen. Bereits seit den 90er Jahren verfolgt die Deutsche Post den Sparkurs, in dessen Verlauf 7 000 Filialen geschlossen wurden. Die Gewerkschaften kritisieren die Post für ihre Pläne.”

Also ich habe das Gefühl, dass trotz der Wahrheit der Aussage des Plakates damit eher etwas  verschleiert werden soll. Ist das die Art von Kommunikation, die Sie sich von (großen) Marktteilnehmern wünschen? Ich nicht. Besser hätte ich es z.B. gefunden, klar zu sagen, dass man auf dem Weg weg von einem eigenen Filialnetz hin zu einem Partnernetz 1.000 Schritte voran gekommen ist. Womöglich hätte man auch den Be- und Getroffenen auf diesem Weg sowie den neuen Partnern danken können. Einen glücklichen Betreiber einer gut laufenden Partnerfiliale im Bild hätte ich auch überzeugender gefunden, als die übliche junge attraktive Dame ohne Namen, die vermutlich bezuglos zum Thema gecastet wurde.

Losgelöst von meinem Geschmack und vom konkreten Fall: Überlegen Sie bei Ihrer Kommunikation nach außen gelegentlich, ob Sie mit hart am Rande formulierten oder ein wenig schönenden Aussagen sich nicht offene Flanken schaffen, die in der Tendenz zur Unzeit von irgendwem aufgerissen werden könnten. Es gib einen für viele Menschen spürbaren Unterschied zwischen wahren und wahrhaftigen Aussagen. Beherzigen Sie das bitte. Und wenn Sie nicht so recht wissen, was und wie genau Sie Ihre Aussagen formulieren und darstellen können, fragen Sie doch z.B. bloggende Profis, deren Geschäft genau das ist.

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