Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Print, TV und Radio völlig im Sog des Internets

Erstellt von gemeinschaft am Donnerstag 19. Juni 2008

Ich war mit unklaren – aber in der Tendenz hohen – Erwartungen zu der von mir bereits angekündigten Veranstaltung Im Sog des Internets – Was bleibt übrig von Print, TV und Radio? gegangen. Die dpa Tocher news aktuell war dafür ein guter Gastgeber für das media coffee und das Haus der Wirtschaft in der Breiten Straße ein räumlich wie funktionell geeigneter Durchführungsort.

Hauptgründe meiner Vorfreude waren die Tatsache, daß der Titel pointiert auf den Leidensdruck der Reichweite und Einfluss verlierenden klassischen Medien einzugehen versprach und dass für die Podiumsdiskussion (neudeutsch: pannel) gedanken- wie sprachgewaltiges Personal aufgefahren wurde. Ganz Einwohner des Internets (neudeutsch: Netizen) verlinke ich die Personen mit dem, was das Netz zunächst ungeordnet über sie preisgibt:

  • Kai-Hinrich Renner als Moderator gab aus meiner Sicht die inzwischen überwunden geglaubte Sabine Christiansen; d.h. er gab den DiskutantenInnen zumindest gelegentlich und mir zu oft Vorlagen für die selten mehr und oft weniger zum angekündigten Thema passenden Referätchen.
  • Jürgen Doetz vertrat konsequent und in elder-statesman-Manier die Interessen privater klassischer Medien der Sparten Rundfunk und Telemedien. Unterhaltsam kreuzte er die sprachliche Klinge insbesondere mit Dagmar Reim.
  • Bascha Mika als Chefredakteurin der TAZ stand als Einzige für ein nicht in einen größeren Konzern oder anderweitig interessensgebundenes Objekt. Sie nahm nach meinem Gedächtnisprotokoll als erste den Begriff Nutzer in den Mund, der mir anderen symptomatisch ein wenig abhanden gekommen schien.
  • Dagmar Reim als RBB Intendantin verstand es, gleichzeitig pressesprecherartig druckreif und und mit Pfeffer zu formulieren. Ihr Duktus erinnerte mich an die ehemalige Justizsenatorin und Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach.
  • Frank Syre stand für zoomer.de und damit ein in der Rezeption noch etwas unklares Projekt aus der Holtzbrinck Gruppe.

Kommen wir nun zu den Enttäuschungen des Abends. Nachdem verschiedene Bälle unterschiedlich virtuos durch die Luft gewirbelt waren, bekam für meine Ohren eine sinngemäß zitierte Äußerung aus dem Publikum – abgesehen vom Schlusspfiff – den energischsten Applaus: “Das bislang Gehörte hat nichts mit dem ausgewiesenen Thema zu tun.” Das habe ich ebenso gesehen.

Es gab wenig bis nichts zu Blogospäre, long tail, der explodierenden Zahl von (mikro)Anbietern von Inhalten, den erodierenden Nutzer- und Nutzungszahlen der klassischen Medien, die gern den Begriff Qualität hochhalten und bei abgeschalteten Mikros zugeben, dass mehr als eine Prüfungsstufe wie z.B. das Lektorat faktisch nicht mehr statt findet. Das real Gebotene erinnerte mit seinem Hang zur rückwärts gewandten Nabelschau ohne Blick auf die neuen Ideen und Projekte Dritter mit Verlaub an Altherrenfußball, wobei Aussagen a la “Das Internet ist doch nur ein weiterer Absatzkanal” und “Blogs sind bestenfalls als Themanbarometer zu betrachten” für mich entweder ein wenig wie pfeifen im Wald daher kamen oder völlig die Lage verkennen.

Besonders interessant fand ich zwei eher nebenbei gefallene Äußerungen, die ein wenig anders klangen:

  • Formatanforderungen für die klassischen Medien kämen zunehmend aus dem Web.
  • Wenn google nur wollte, könnten sie jederzeit aus der Portokasse die kompletten Kommunikationsrechte um Großereignisse wie z.B. Olympische Spiele erwerben.

Hätte man solche Gedanken an den Anfang der Veranstaltung gestellt, wäre es vermutlich deutlich bunter und ertragreicher geworden.

Ich empfand letztlich die Nichtantworten auf brennende Fragen der Verteidiger ihres Kuchenstückes als unterhaltsam. Und ich konnte mal wieder ein paar nette Gespräche mit alten und neuen Bekannten führen. Letzteres könnte bald zu einer Nachricht an anderer Stelle führen…

  1. Nachtrag
    Einen unterstützenden Grundtenor in der Aussage findet man u.a. bei Hugo E. Martin.
  2. Nachtrag
    Die Veranstalter waren natürlich nicht faul und boten den Teilnehmern folgende Informationen im Nachgang zur Veranstaltung, die ein etwas anderes Bild zeichnen. Zumindest wenn man die originäre Fragestellung einfach mal ignoriert und jeder seinen zurechtgelegten Text abspult… Ich zitiere aus der E-Mail an mich: “Falls Sie unseren Videobeitrag dazu anschauen möchten, dann wählen Sie bitte
    diesen Link:
    http://www.youtube.com/watch?v=gzx1qCVYCeEUnsere Pressemitteilung zur Diskussionsrunde inklusive Fotos finden Sie
    hier:
    http://www.presseportal.de/pm/6344/1213703/news_aktuell/
  3. Nachtrag
    Eine weitere eher kritische Besprechung der Darbietung findet sich hier auf dem Zeitgeist Blog.
  4. Nachtrag
    Stilistisch eher nachrichtenartig und weniger meinungspointiert findet sich auch hier etwas auf Burnoutnews.
  5. Nachtrag
    Der Journalist und Blogger Jan Tißler beschreibt hier einen der Mechanismen, warum das Radio an Bedeutung verliert. Nicht unwichtig zu wissen, wenn man als Unternehmer im allgemeinen oder als Gründer im speziellen über den ökonomischen  Sinn und Unsinn von Radiowerbung nachdenkt.

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