Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Schwarze Himbeeren

Erstellt von knutpankrath am Freitag 27. August 2010

praktische Bildung, Rahmen

Unabhängig davon, ob man dem aktuellen oder dem sich abzeichnenden öffentlichen Bildungssystem zutraut, unsere Kinder auftragsgemäß zu handlungsfähigen und selbstbewussten Menschen zu bilden, macht es Freude, selbst Inhalte weiter zu geben. Insbesondere, wen einem die Inhalte wichtig sind.

In unserem Haushalt bemühen wir uns bewusst, beim Kauf von Lebensmitteln mehr essbare Produkte als Verpackungsmüll in Form von Schachteln, Dosen uns Gläsern herbei zu schaffen. Das gelingt 2 Erwachsenen mit der Pflicht, auch 2 Kinder sinnig zu ernähren, nicht in jeder Situation, wie ich gestehen muss. Als Minimum wissen die Kinder aber schon, dass man meist Produkte reinigen, zerschneiden und erst durch die Erhitzung in Topf und Pfanne durch Zugabe von pflanzlichen oder tierischen Fetten und Gewürzen zu leckerem Essen werden. Das PING der Mikrowelle ertönt gelegentlich bei der Erwärmung von Resten und ist somit kein ganz so ernstzunehmendes Essenssignal. Das soll auch so sein.

praktische Bildung, Warenkunde

Aus beruflichen wie nachbarschaftlichen Gründen besuche ich derzeit fast täglich unsere Markthalle. Als ich dieser Tage meine 3-jährige Tochter vom Kinderladen abgeholt hatte, waren wir auch dort. Ich wollte jemanden treffen und zur Verkürzung der Wartezeit haben wir uns vor den Obst- und Gemüsestand gestellt. Von meinem Arm herab ließ ich die junge Dame mal zeigen und raten, was es da alles gibt. Äpfel, Birnen, Bananen, Melonen, Weintrauben, mehrererlei Tomaten, Gurken, Möhren, Kartoffeln erkannte sie sofort und dem Gesicht nach verband sie damit auch teilweise erfreuliche Geschmackserlebnisse.

Als wir bei den Beeren ankamen, kannte sie die Himbeeren, die wir im Familienurlaub in Omas Garten täglich in dessertüblichen Mengen direkt vom Busch genascht hatten. Drolligerweise nannte sie die daneben stehenden Brombeeren schwarze Himbeeren, was gut in meinem Kopf hängen blieb. Als Ansatz für die namentliche Verwechslung, die mit 3 Jahren normal sein dürfte, habe ich mich erinnert, dass die im Familienurlaub an zahlreichen Wegen wuchernden Brombeersträucher teils  so süße Früchte boten, dass sie Himbeeren durchaus ähnlich schmeckten. Und völlig unreife Brombeeren sehen, manche wissen es vielleicht gar nicht, durchaus reifen Himbeeren recht ähnlich.

menschliche Handelsdimensionen

Im Nachgang zu der kleinen Geschichte um schwarze Himbeeren habe ich noch ein wenig über den Handel mit Lebensmitteln nachgedacht. Insbesondere hat mich die Frage bewegt, warum Menschen auf Märkten oder an kleinen Ständen in Markthallen eher mal auf ein Schwätzchen bleiben, während Menschen in Supermärkten zuweilen wie auf der Flucht wirken.

Ich glaube unter anderem, dass ein Stand mit Bedienung ein sozialer Ort ist, wo man sich trifft, während der Supermarkt konsequenter Ausfluss einer Industrialisierung ist, die den Menschen nicht mehr benötigt. Und das obwohl dieser Mensch doch so oft den entscheidenden Unterschied macht.

Es scheint außerdem eine gefühlte Größe für ein Warenangebot zu geben, das das Hirn als angenehm, gemütlich, überschaubar und kontrollierbar besonders gern annimmt. Wenn diese Fläche deutlich überschritten wird und – als willkürliches Beispiel – allein die Angebotsfläche für Tomaten die eines durchschnittlichen Wohnzimmers überschreitet, schüchtern diese Flächen einige Menschen eher ein. Ob Menschen sich dieses Größenwahns bewusst werden, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Vielleicht hängt es auch mit Generationen der Entwicklung des Menschen zusammen, dass zu viel “Beute” gar nicht glücklich sondern eher ratlos macht.

Dank zur Geschichte

Drolligerweise war ich heute wieder in der Markthalle, wo ich eine in der Nachbarschaft wohnende Sportskameradin traf, die für ihre Kinder, ihren Mann und sich ein paar leckere Sachen einkaufte. Der erzählte ich nebenbei den ersten Teil der Geschichte und brummelte später, ich wüsste nicht so recht, was ich als nächstes schreiben soll. Sie brachte mich auf die Idee, einfach die Geschichte mit der kleinen Vater-Tochter-Warenkunde aufzugreifen. Zu Hause angekommen kamen mir noch die abrundenden Gedanken. So einfach kann das sein. Danke!

Verwandte Beiträge

Ein Kommentar zu “Schwarze Himbeeren”

  1. Susanne Torka sagt:

    Wunderbar die schwarzen Himbeeren … und man wird sich wundern, es gibt auch wirklich welche.
    Auf dem Ökomarkt an der Thusneldaallee war vor etwa 4 Wochen ein Beerenverkäufer aus Werder, der hatte seinen kleinen Schälchen von roten Himbeeren, einige schwarze und gelbe beigemischt. Alte Sorten, meinte er auf meine Frage.
    Aber die schwarzen Paprikas, die gibt es auch jetzt noch auf dem Ökomarkt.