Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Kundenansprache

Erstellt von knutpankrath am 9. September 2010

Szenario

Eine Person möchte aus beruflichen oder privaten Gründen einen Gegenstand näher betrachten, der einer anderen Person gehört. Die sprachliche Bitte dieses näheren Betrachtens lässt sich unterschiedlich formulieren. Ich biete mal 3 Varianten an und wer mag, ist herzlich zum Raten eingeladen, zwischen welchen Menschen die jeweilige Variante am besten passt.

  1. Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich mal Ihr Automobil näher ansehen?
  2. Ich fordere Sie hiermit auf, Ihr Kraftfahrzeug bis zu folgendem Termin am Ort x vorzuführen.
  3. Hey, zeig mir Deine Karre.

Wer mag, kann ja den Beitrag jetzt kurz weg blenden und aufschreiben, wer wohl zu wem so sprechen könnte. Denn hier löse ich das Rätsel gleich auf und sinniere noch ein wenig über das, was ich oder meine Leser daraus lernen könnten.

  1. Die erste Sprachvariante kann ich mir gut zwischen einem Besucher des Meilenwerks und einem dort einlagernden Kunden vorstellen. Höfliche Ansprache unter Kennern im Milieu gehobener (im Sinne von Alter und/oder Preis) Fahrzeuge.
  2. Das kann ich mir als Text eines behördlichen Schreibens vorstellen. Sachlich, emotionslos, wenig einladend, Macht demonstrierend, Wunscherfüllung wird notfalls erzwungen.
  3. So spricht man mit Herz und Schnauze in Berlin. Berlin kennen Sie womöglich und ist bekannt als garnierendes Umfeld von Moabit. Und der Satz ist ein Zitat aus einem Song von DOA21, das ich derzeit nicht aus dem Kopf bekomme und welches jeder gern nachhören und nachschauen kann.

gruppenspezifische Sprache

Damit Sie statt theoretischen Geredes einen handfesten Vorteil aus der Lektüre ziehen können, übertreibe ich es mal beispielhaft ein wenig. Der reiche Besitzer eines Fuhrparks von Oldtimern erhält vom dafür zuständigen Amt eine Erinnerung zur Vorführung eines seiner Liebhaberstücke auf vier Reifen und die lautet: Hey, zeig mir Deine Karre. Passt irgendwie nicht, oder?

Der Punkt auf den ich hinaus will, ist ein in meinen Augen einfach wirkender. Sprechen Sie als Dienstleister oder Mensch andere Menschen immer in passender Sprache an, die auch zu Ihnen passt? Ist geschliffenes Schriftdeutsch wirklich immer die beste Lösung? Passt die gewählte Sprache zu Ihrem Gegenüber? Fühlen Sie sich mit den geltenden Konventionen wohl oder würden Sie aus Gründen der Funktion der Sprache lieber anders machen als alle anderen? Viele Fragen und ich kann nur sagen: Hören Sie in sich hinein und folgen Sie Ihrer Wahrnehmung. Das macht auf Dauer glücklicher und sorgt für authentische Menschen und Gespräche.

Bekenntnisse

Ich bin durchaus froh, dass ich auf meinem bisherigen Lebensweg viele Texte von vielen verschiedenen Autoren und Sängern habe lesen und hören können. Aus dem Fundus bediene ich mich gern und lasse mich ungern auf nur einen Teil davon festlegen. Das Leben ist schließlich bunt. Und ja, gelegentlich empfinde ich die Sprache aus Politik und so genannten Qualitätsmedien als blutarm und nicht zum Mitmachen auffordernd. Und ich mag im Kontrast dazu die Direktheit der Straße, wo es schon mal etwas arg direkt für den feinen Geschmack mancher Mitbürger zugehen mag.

Danke für die Inspiration zum Beitrag an DOA21.

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