Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Treffen sich 2 Menschen

Erstellt von knutpankrath am 18. Mai 2016

Eine Bank im Ottopark. Ein Mann. Eine Bank im Ottopark. Ich. Zufällige Sitzsnachbarn.

Das Wetter lädt einfach dazu ein, draußen zu sein. Sonne kitzelt die Nase. Selbst im Schatten braucht man keine Jacke, um sich in Punkto Temperatur wohl zu fühlen. Wie schön. Insbesondere ohne Zeitdruck.

Irgendwas stört aber. Das Treiben rund um den Einstieg zur U-Bahn von der Parkinsel lässt auch naive Beobachter den sehr begründeten Verdacht hegen, dass einige der auffällig rudelhaft dortseienden jungen Männer nicht nur aus Erholungsgründen dort sind.

Der Nachbar von der Bank rechts neben der von mir gewählten scheint ähnlich geschaut und gedacht zu haben. Er sucht den Blickkontakt und deutet an, dass er gern ins Gespräch käme. Warum nicht? Er rückt rüber.

Er wundert sich mit ein wenig traurigen Augen, warum so viele Jungs, die er ob ihrer Herkunft Algerien und Tunesien zuordnet, ganz offensichtlich mindestens mit Haschisch dealen. Er wundert sich, warum die Polizei nicht sichtbar ist und sich darum kümmert. Ich verstehe ihn und teile mit ihm ein paar Kenntnisse des Ortes und mir bekannte Aktivitäten. Er schüttelt den Kopf.

Der Mann erzählt von seiner Arbeit als Physiotherapeut und den Dingen, die er gerade lernt, damit er sich etwas aufbauen kann. Welches Bild haben Sie / hast du von meinem temporären Gesprächspartner?

Ich frage das, um die eine oder den anderen ein wenig zu überraschen. Der Mann spricht in deutsch mit mir und ist erst 6 Monate in Berlin. Sein Name tut nichts zur Sache. Aber seine Herkunft. Er stammt aus Syrien. Im Gespräch wirkt er zielorientiert, offen, lernwillig. Diese Vokabeln werden nicht durchgängig für Menschen verwendet, die heute, morgen, übermorgen auf dem Arbeitsmarkt oder dem für Unternehmertum landen.

Ratet mal, was der alleinstehende, unauffällig elegant gekleidete Mann mir stolz und unaufgefordert zeigt? Ein zweisprachiges und gut bebildertes Fachbuch mit 1.500 Fachwörtern für seine Arbeit rund um den menschlichen Körper sowie seinen Leseausweis. Soll mir einer sagen, der werde sich nicht integrieren, wenn man ihn lässt …

Ein wenig traurig am Ort war und ist, dass spezielle Aufpasser der offen agierenden Drogenteams Menschen, die dort sitzen, anscheinend nahezu systematisch mit unterschiedlichen Methoden überprüfen, um ggf. Kunden oder auch die sie beobachtenden Polizisten in Zivil zu erkennen. Mein Nachbar z.B. wurde angegangen, in welcher Sprache er denn mit mir rede. Als er stolz deutsch sagte, blickte der Frager eher finster. Mag sich jeder seinen Teil denken.

Ich fand das Gespräch mit dem syrischen Mann sehr angenehm und hoffe, er findet seinen weg in unserer gemeinsamen Stadt.

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