Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

Thüringen

Erstellt von knutpankrath am Samstag 23. April 2011

Sie erhalten an dieser Stelle weder eine wikipediatrische Bundeslandsbeschreibung noch eine hymnische Bearbeitung wie das kleine feine Lied von Rainald Grebe. Vielmehr können Sie – Ihr Interesse daran erhofft – mit über eine Urlaubsanekdote schmunzeln.

Ruf des Schwarzwaldes

Eine 3-jährige kleine Heldin verfügt unter anderem über eine Großmutter im Schwarzwald. Diese wird gelegentlich und gern von ihr, ihren Eltern und ihrem Bruder besucht. So sollte das auch über Ostern 2011 stattfinden. Vier Personen, einiges an Gepäck, gute Laune und dringendes Erholungsbedürfnis fanden Platz im 3-Liter Auto, welches tapfer den Weg von Berlin gen Süden aufnimmt.

Autobahnsperrung in Thüringen

Beharrlich verstand der Beifahrer eine Warnung des Navigationsgerätes nicht, was eine Warnung von sich gab. Die Fahrerin konnte entgegen ansonsten souveräner Beherrschung von Fahrzeug und Gesamtlage auch nicht einordnen, was das Navi damit wohl meinte. So näherte sich das Quartett über die letzte offene Ausfahrt hinaus einer Autobahntotalsperrung. Autsch. Die irgendwann verstandene Länge des aufgestauten Blechwurms lag irgendwo deutlich über 20 km.

Kindesdarm

Auf 3-spuriger Autobahn ist die linke Spur einer gestauten Blechlawine nicht der Ort, wo man “Ich muss Kacka” hören will. Allein das gab so beharrlich wie zunehmend unglücklich die Heldin dieser Geschichte von sich. Also hieß es, den Familienwagen mit Glück und ein wenig Gestikulieren von der linken Spur auf die Standspur durchzuschleusen. Auf diesem rollten wir noch einige Dutzend Meter vorwärts, wo eine Wiese so erreichbar wirkte, dass man das ausscheidungswillige Kind dort erleichtern könnte. Allein diese Aktion schien insgesamt wenig geeignet, die Darmentleerung zu befördern. Ein paar Tropfen pieselten in die Wiese und das war es dann.

Papa mcGyvert

Autobahn kennt man beidseitig eingezwängt in Metalldinger, die notfalls einen Transporter vom Verlassen der Straße abhalten können. Am Ort unseres Stillstandes jedoch bestand die Einfriedung aus: Nichts. Plus die nahezu zugewachsene Andeutung eines sehr kleinen Gräbleins. Ich so: “Ich habe eine doofe Idee. Das ist auch bestimmt verboten. Aber können wir nicht hier einfach raus auf den weniger als 5 Meter entfernten Feldweg und lieber über die Dörfer tingeln als durch 20km Resttau?” Die Fahrerin gab zu, dass der Gedanke verlockend sei und ohne mich vielleicht nicht so gute Chancen gehabt hätte. Nach 3 Schrecksekunden wegen Aufsetzens irgendeines Fahrzeugbodenteils ist der Feldweg erreicht.

hilfsbereites Thüringen die erste

Wir folgen dem Feldweg, der einen weiteren trifft. Da steht ein einheimisches Fahrzeug. Das schlechte Gewissen ob des Überfahrens von 3 Meter landwirtschaftlich nicht genutzten Grünstreifens lässt uns fürchten, dass es nun Ärger gibt. Herr aus dem Auto so: “Sind Sie da vorn von der Autobahn runtergefahren?” Wir so: drucks herum. Er: “Ist schon OK. Ist ja kein Verbrechen.” puh. Es folgt eine so detail- wie im Ergebnis hilfreiche Beschreibung einer Umgehungsroute, auf das Navi NIE gekommen wäre. Und die dazu führt, dass wir nicht in den mächtigen Zweitstau geraten, der sich durch “gepante” Umleitung ergeben hat. Das hat uns einiges an wertvoller Zeit gespart. Und statt genervter Staurituale genießen wir eine kurven- und hügelreiche Fahrt.

hilfsbereites Thüringen die zweite

Das immer noch gut gefüllte Bäuchlein der jüngsten Fahrzeuginsassin meldet sich ein weiteres Mal und mag gern Platz im Unterleib schaffen. Nun wollen wir im nächsten Ort ein Gasthaus mit Toilette aufsuchen und ggf. noch eine kulinarische Pause einlegen. Allein das einzige Gasthaus am Ort würde eigentlich erst in einiger Zeit öffnen. Der vorbereitende Betrieb läuft jedoch schon und nach Klopfen an die Scheibe und Vortrag unseres Begehrs wird uns geöffnet. Die junge Dame kann endlich in Ruhe ihr Geschäft verrichten. Sie und ihr Bruder bekommen zum Abschied sogar noch ein Osterei geschenkt. Das nenn ich mal gastlich!

thüringer Gastronomie

Fazit

Thüringen ist spätestens mit Verlassen der Autobahn offensichtlich mit zahlreichen netten Flecken Erde und freundlichen Menschen gesegnet. Da kann man wirklich hinfahren und es sich gut gehen lassen. Wenn wir das mal nicht gelegentlich länger tun als nur zur Durchfahrt…

Für alle, die immer noch rätseln, warum ich meine Tochter eingangs der Geschichte als Heldin bezeichnet habe: 1. Ihre Mutter hat den Begriff verwendet. 2. Ohne ihren Wunsch auf “Kacka” hätten wir nie die alternative Methode zum Verlassen der Autobahn gefunden und hätten nicht so ein nettes Stündlein thüringer Landpartie statt Stau erlebt. Danke Tochter. Auch dafür. Und danke Kindsmutter für das Mitmachen. Schließlich hat eine Fahrzeugführerein die Verantwortung für ihre lebende Fracht…

thüringer Sonne

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