Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

verbale Eskalationen

Erstellt von gemeinschaft am Dienstag 17. Juni 2008

Ich hatte in anderem Zusammenhang bereits darauf hingewiesen, dass es hilfreich und höflich ist, die Kundensprache zu treffen oder das wenigstens ernstlich zu versuchen. Als “einer dieser Berater” ist mir mit inzwischen zunehmendem Unwohlsein aufgefallen, dass das vertriebliche Vokabular in der Branche im weiteren Sinne zuweilen etwas rauer oder unverständlicher ist, als das einer gedeihlichen Beziehung zwischen einem Kunden und seinem Dienstleister aus meiner Sicht angemessen wäre.

Ich zähle mal – ohne Chance auf Nennung der mir z.T. bekannten individuellen Quellen – drei unschöne Vokabeln auf:

  • Kunden verhaften (gemeint: erfolgreicher Abschluß eines Angebotes durch Auftrags)
  • ARPU (auf einer deutschen Webseite, steht für average revenue per user, gemeint: durchschnittlicher Ertrag aus einer Kundenbeziehung, bei der der Kunde bereits vom Menschen auf Statistikmaß reduziert ist.)
  • pitchen (oft gequälte und nicht selten wichtigtuerische Verwendung eines vermeintlich beherrschten englischen Begriffs, der mich mehr an (Mini-)Golf als an seriöse Geschäftsbeziehungen erinnert, gemeint: Vortrag seines Angebots zur Gewinnung eines Kunden.)

Ich könnte diese Liste mit erschreckend wenig Mühe über Seiten weiter wachsen lassen. Vielleicht mag die eine oder der andere durch einen Kommentar ja seine liebsten abschreckenden Sprachbeispiele auf dem Gebiet der Kundengewinnung beisteuern. Ich lade Sie jedenfalls herzlich dazu ein, damit ich zusammen mit meinen Lesern auch noch über die Entdeckungen anderer schnumzeln kann.

Ach so, ich habe vor lauter Enthusiasmus zu meiner Kurzliste fast vergessen, wie ich auf die Idee zu diesem Beitrag gekommen bin: Über Bernd Röthlingshöfer bin ich auf die “erste bundesdeutsche Beraterschlacht” gestoßen. Gepriesen u.a. als “Angelehnt an die Poetry Slams” kommt diese auf den ersten Blick putzige Idee daher. Ich frage mich dabei schon, was die geistigen Gladiatoren sonst noch zu tun bereit wären bzw. mit welchem Selbstverständnis sie da mitmachen, wenn es hinterher an die operative Arbeit für den Klienten geht. Das ist mir ehrlich gesagt mindestens eine Nummer zu laut und zu bunt, wenn ich auch sonst oft die neue und ungewöhnliche Idee dem Althergebrachten vorziehe.

Ich will der Versuchung nicht widerstehen, auf (m)ein deutlich leiseres Instrument zum Anbahnen und Vertiefen interessensgeleiteter Geschäftskontakte hinzuweisen. Den Beratungslauf, zu dem in Xing auch hier oder hier gern mitdiskutiert werden darf. Schließlich bin ich neugierig, was der Rest der denkenden Welt von meiner kleinen Idee hält…

Sollten Sie als besonders aufmerksamer Leser nach der lehrenden Moral des Beitrags für sich suchen, helfe ich mal mit einem möglichen Angebot ein wenig nach: Ich stelle mich mit meiner Meinung und einer Idee ins kleine aber feine Rampenlicht. Das lesen Interessenten und Kunden, die überlegen können, ob sie das eher anzieht oder eher abstößt. Wenn es den Nerv trifft, begegnen sich durch diesen Beitrag und damit möglicherweise ausgelösten Aktionen Menschen, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit gut zusammen arbeiten können. Falle ich mit meinen Äußerungen durch, ersparen sich Menschen den zeitraubenden Prozess des Aussortierens denkbarer Gesprächspartner, mit denen man sowieso nie wirklich gut zu Rande kommen würde. Ist das nichts?

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