Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Verirren

Erstellt von gemeinschaft am Freitag 14. Mai 2010

Die folgende Rezension bezieht sich auf das Buch Verirren von Kathrin Passig und Aleks Scholz. Als Buchblitz #4 hatte ich bereits ein Rezensionspräludium geliefert…

roter Faden

Wenn eine Person eine Fülle von Informationen darzustellen vorhat und den Empfängern der Informationen die Aufnahme erleichtern will, gibt diese oft einen Hinweis am Anfang, unter welchem Motto, unter welchem Schwerpunkt die folgenden Ausführungen zu verstehen sind. (Sagen, was man sagt) Das wird für mich mit dem Subtitel “Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene” auf das Treffendste geliefert. Dieses Konzept wird gern als roter Faden bezeichnet. Drolligerweise ist der als Lesezeichen des Buches nutzbare Faden grün.

vom Mißerfolg zum Freizeitvergnügen

Verirren an sich steht aus teilweise nachvollziehbaren Gründen in einem schlechten Ruf. Da diese Kulturtechnik zum einen uralt ist und zum anderen dank technischer Neuerungen tendenziell zum Aussterben verdammt ist, wird dem Verirren mit dem Buch in gewissem Sinn ein Denkmal gesetzt bzw. durch die Erhebung zum Freizeitspaß eine zukunftsfähige Anwendung gezeigt. Als Läufer kenne ich das auch. Wo etwas eigene Zeitgenossen behaupten, Fortbewegung über mehr als 100 Meter ohne Fahrzeug sei Landstreicherei, bin ich froh, dass dem eigentlich auch überholten Konzept des zu-Fuß-Gehens die sehr lebendige Weiterentwicklung zum Hobbylauf über teilweise erhebliche Strecken entgegengesetzt wird. Mein bisheriger Rekord liegt übrigens bei 82km.

Sprachspaß

Die Autoren schreiben so, dass es mir große Freude bereitet hat, ihren Inhaltsangeboten zu folgen. Eigentlich wollte ich auch einen Teilabsatz hier zitieren. Allein, ich habe ihn dummerweise nicht markiert, so dass ich mal den im Kopf hängen gebliebenen Inhalt anbiete und hoffe, dass das einen Eindruck dessen vermittelt, was ich mit Sprachspaß in diesem Fall meine.

In einem Experiment wurde eine Gruppe von Studenten derart durch eine Gegend transportiert, dass es unwahrscheinlich war, dass sie auf Knopfdruck sagen konnten, in welcher Richtung zu einem einem Zeitpunkt x ihr Startpunkt der Fahrt liegt. Der Durchschnitt der Lösungsversuche war zwar gut im Sinne einer möglicherweise zurück führenden Orientierung aber trotzdem wurde – vermutlich mit Recht – vermutet, dass Gruppen von Studenten sich als Navigationshilfe nicht durchsetzen werden.

Nach ähnlichem Schreibmuster gibt es mehr als nur gelegentliche sprachliche Schmankerl trockenen Humors, die das ohnehin zutiefst menschliche Thema auch gut mit Pointen befeuert.

Philosophisches

Der Beginn individuellen Lebens ist in weiten Teilen der Natur vom Verirren begleitet. Denn auf die 2 sich treffenden Keimzellen, aus denen neue Individuen entstehen, kommen meist ungleich mehr, die das Glück dieser VerEInigung nicht erfahren. Somit schließe ich diese formell mal wieder ganz anders als geplant geratene Rezension mit dem Ausruf: Oh Buch, schön dass wir uns getroffen haben. Mögen Deine Kopien auch ihren Weg zu anderen Lesern finden. Verdient hätten sie es!

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