Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Werbung und Nötigung

Erstellt von gemeinschaft am Freitag 4. April 2008

Ursprünglich auf dem Weg, um auf einer Sportmesse einen längere Zeit nicht gesehenen Bekannten zu treffen, beobachtete ich ein Szenario, dass mich schmunzeln, schaudern und grübeln ließ. Ich lasse Sie gern an Teilen meiner Beobachtung und meiner davon ausgelösten Gedanken teilhaben.

Ein nicht mehr ganz mittelalter Mann in unpassendem Sweatshirt mit großem Werbeaufdruck verteilte postkartengroßes zukünftiges Altpapier namens Flyer / Werbebroschüre oder wie immer Sie das nennen wollen. Dass er dazu ergänzend noch seine Töchter eingespannt hat, kann man unter Lebenserfahrung für die jungen Damen abbuchen, wenn es denn nicht etwas kritischer sehen will. Die Gesamtperformance der Truppe wurde u.a. gewürzt durch folgende von mir mitgehörte Aussagen gegenüber Zielpersonen: “Ohne diese Karte kommen Sie hier hier gar nicht erst rein.” oder “Ohne diese Karte kommen Sie hier hier später nicht mehr raus.” Vermutlich hielt er das für pfiffige Werbung.

Lesen Sie das mal gegen § 240 StGB (Nötigung)
(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.

Das ist vielleicht etwas scharf, aber Sie verstehen tendenziell schon, was ich meine, oder? Ich jedenfalls verzichte – so weit ich es kontrollieren kann – konsequent darauf, Menschen ohne ihren Wunsch mit meinem Angebot zu bedrängen. Wenn ich mein Produkt nicht so spannend bekomme, dass meine Kunden es weiter empfehlen, sollte ich es vielleicht lieber bleiben lassen.

Da ich den Herren nicht so benennen kann und will, dass er als Person erkennbar wird, kann ich ihn anonym auch noch als minder klug bezeichnen. Das beworbene Produkt war nach meiner Einschätzung ein x-beliebiges überflüssiges Mittelchen, bei dem man Läufer als mögliche Kunden ausgewürfelt hatte. Das verteilte Material war in deutscher Sprache gehalten. Und was macht unser Werbeheld? Er durchpflügt eine offensichtlich lauthals italienisch sprechende Reisegruppe und drückt beinahe jedem so eine Karte in die Hand. Was soll denn das werden? Unterstellt der Täter dieser Verteilerei, dass sich die Berlin besuchenden Menschen auf dem Hotelzimmer hinsetzen und das mit einem Taschenlexikon übersetzen? Materialverschwendung ist also kein Privileg staatlicher Einrichtungen. Ich vermute zu meinem Vergnügen, dass das Dreierteam am Ende der Messe wahnsinnig stolz sein wird, hunderte von Karten verteilt zu haben. Und was wird es bringen? Sicher nur die Rechnung vom Drucker. Erfolg erzielt man eindeutig anders!

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