Knut Pankrath

Dienstleister und Mensch

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Woran Scheitern start-ups?

Erstellt von knutpankrath am Montag 10. September 2012

eine sehr unvollständige Liste…

Achtung, der ganze Beitrag steckt voll mit eigenen Einschätzungen und Wertungen, die auf Erfahrungen basieren. Keine schicke Theorie zum Buch zum Seminar zum Podcast. Außerdem soll keine Diplomarbeit oder Bachelorkrams draus werden. Der bestmögliche Nebeneffekt dieses Beitrages wäre, dass jemand meine Denke wirklich versteht (siehe auch mein Profil) und meine Mitarbeit anfragt.

Die Reihenfolge ist keine tief durchdachte. Sie hat etwas damit zu tun, wie es mir gerade in den Kopf kam.

  • kein Geschäftsmodell Sie glauben kaum, wie viele Menschen genervt von schlechten Chefs oder anstrengenden Kunden einfach mal so loslegen, ohne sich einen Kopf zu machen, wo zur Hölle in ihrer Idee das Kassenhäuschen steht. Mit der Frage nach dem Kassenhäuschen habe ich eine Zeit lang Gründungswillige beim Businessplanwettbewerb als Juror erschreckt. Und machen wir uns nichts vor: Wo wenigstens eine Grobskizze eines Geschäftsmodells fehlt, wird ein Gefühl oder eine Hoffnung nicht durch Planung präzisiert und ob seiner Chancen untersucht. Und ob Zufallssteuerung und Gottvertrauen reichen, kann man methodisch getrost angreifen. Bekanntestes großes Beispiel für mich ist facebook. Als nettes Ding für eine Hand voll Leute gestartet, unerwartet gewachsen und im Moment des Erwachsenwerdens (IPO) letztlich ohne handfestes Geschäftsmodell und “erstaunlicherweise” mit der Aktie im Kurssturzflug.
  • Überschätzung von Personen Ich will niemandem den notwendigen Optimismus nehmen, sich und einem zu bildenden Team bestimmte Aufgaben zuzuordnen und das zunächst für einen guten Plan zu halten. Mir scheinen öfter als nötig kritische Fragen ausgeblendet zu werden. Solche wie: Was ist, wenn aus ideentrunkener Sondersituation der Planungsphase plötzlich mäßig glamouröser Alltag wird? Wie funktionieren Menschen zusammen, wenn es eng wird, mal Dinge schief gehen und der Reflex zur Schuldigensuche größer als die Lösungskompetentz ist? Wie ausfallsicher ist ein Team, wenn einzelne Personen aus welchen Gründen auch immer die Brocken hinwerfen? Und ja, ist jeder einzelne intellektuell in der Lage so viel dazuzulernen, wie vermutlich notwendig sein wird?
  • Zahlenüberschätzung Es ist wahrlich nicht schwer, in einer Tabellenkalkulation an die Stelle von 5% lieber 10% Wachstum einzutragen, um die Leser des Businessplans zu locken. Schließlich gilt vielen Gründern eine externe Finanzierung immer noch als DER Weg. Ob man sich mit Verschuldung nicht eher Freiheiten nimmt und mit zu hohen Erwartungen sich und andere frustriert, scheint mir auch sagen wir mal gelegentlich ignoriert oder übersehen zu werden.
  • Überschätzung der Idee Jedesmal, wenn ich in einem zu bewertenden Businessplan etwas von einmalig und konkurrenzlos lese, sträuben sich mir die Nackenhaare. Im Büro eines meiner Geschäftsführer aus Angestelltenzeiten stand auf einer Tafel inhaltlich: Schon mal überlegt, dass es keinen Markt geben könnte, wenn es keine Konkurrenz gibt? Außerdem scheint mir die Konzentration auf direkte Mitbewerber oft unsinnig. Als bestünde z.B. im Supermarkt Wettbewerb nur zwischen Schokolade 1 und Schokolade 2. Jedes ähnlichpreisige Produkt, das zufällig gerade ein Bedürfnis befriedigen könnte, ist Mitbewerb. Bliebe also vernünftigerweise nur die 100%ige Konzentration und Identifikation mit dem eigenen Tun und Produkt.
  • Unterschätzung von Verwaltungsaufwand Fragen Sie mal Menschen, die allein angefangen haben und irgendwann eine zwei- oder dreistellige Anzahl von Menschen beschäftigt haben oder das noch tun: Wie viele Stunden arbeiten Sie an und für Zahlen und Belege, die Finanzamt, Sozialversicherungsträger und Co. von Ihnen erwarten? Und nein, ich halte es für keine Lösung, das zu ignorieren und von sich oder Mitarbeitern zu erwarten, dass das mal so nebenbei oder obendrauf erledigt wird.
  • Mangel an Flexibilität Oh Ihr Künstler, Techniker, Handwerker, Juristen und ähnlich veranlagte Menschen: Die Attitüde “Das macht man genau so.” senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit jeder größeren Idee. Stellen Sie lieber jeden Baustein eigener Planung gründlich in Frage, bevor Sie loslegen. Dient etwas einer positiven Funktion im Sinne der Erreichung von Zielen oder ist das nur eine traditionell bediente Konvention? Insbesondere Fragen, die sonst keiner stellt, bergen Potential. Braucht z.B. jeder coffee2go Laden diese dämlichen Wegwerfbecher? Denken Sie das mal zu Ende und schon haben Sie einen Verkauf toller Thermobecher und durch Wiederbefüllung ein echtes Alleinstellungsmerkmal, dass über kleistrige kaffeverderbende Soßen und witziges Logo hinausginge. Das nur so als Denkbeispiel.
  • Team zu homogen Wenn alle das selbe denken, wird leichter dies und das übersehen. Besonders beliebte Homogenitätsfallen nach meiner Beobachtung: Reinrassige Informatikerrudel, weil das bißchen Kaufmannskram macht ´ne Sekretärin nebenbei. Reinrassige Kaufmannsgruppen. Das bißchen Technik kann man einkaufen und schlecht bezahlte Techniksöldner arbeiten bestimmt genauso gut und loyal, als wären sie erfolgsbeteiligte Teammitglieder. Und nun das Ding, wo ich Abhilfe schaffen könnte: Reinrassiger faltenloser Hochbegabtennachwuchs. Junge Männer und Frauen, die das Bildungssystem noch nicht oder kaum verlassen haben, stecken voller Ideen, verfügen aber auch über einen Mangel an Erfahrungen bzw. kennen die Diskrepanz zwischen reiner Lehre und bunter Realität im Geschäftsleben nur wenig. Als Mann der zweiten Reihe könnte ein möglichst bunt gemischter Haufen junger Gründer ein gutes Biotop für meine Erfahrungen und meine Art des Denkens sein.

Soviel für den Moment. Wenn Sie Ergänzungen haben, kennen Sie das mit der Kommentarfunktion ja. Und Kontaktaufnahme ist mir auch recht.

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